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Kölner Tor-Klau? „Habe mir Mühe gegeben, es zu verstehen“


Auch einen Tag nach dem DFB-Pokalspiel beim SSV Jahn Regensburg herrscht beim 1. FC Köln Unklarheit darüber, warum der Treffer zum vermeintlichen 3:1 aberkannt wurde. Geschäftsführer Horst Heldt sieht demnach eine falsche Bewertung der Torentstehung, wenngleich er zugibt, dass die Mannschaft das Spiel dennoch in 90 Minuten zu ihren Gunsten hätte entscheiden können. 

Köln – Wieder einmal stehen Fans und Verantwortliche in Fußball-Deutschland vor einem Rätsel. Während der DFB-Pokal-Achtelfinals gab es gleich zwei strittige Abseitsentscheidung: Einmal zu Gunsten von Borussia Dortmund, einmal zu Lasten des 1. FC Köln. Im Spiel des SC Paderborn gegen den BVB grätschte Svante Ingelsson in einen Pass von Thomas Delaney, wobei allerdings nicht klar aufgeklärt werden konnte, ob dieser den Ball überhaupt berührt hatte. Trotzdem reichte die aktive Bewegung des Paderborners wohl aus, um nach Ansicht der Schiedsrichter eine neue Spielsituation auszulösen, die das Abseits von Erling Haaland angeblich aufgehoben haben soll. Dem 1. FC Köln hingegen wurde ein Treffer aberkannt, nachdem Scott Kennedy von Jahn Regensburg einen Schuss abblockte und dieser zum im Abseits stehenden Ondrej Duda gelangte.

Normalerweise ist es allseits bekannt, dass ein Zuspiel, welches vom Gegner kommt, nicht zu einer Abseitssituation führen kann. Das Stichwort bei der Bewertung dieser Aktion war aber das sogenannte „deliberate save“: Die Klärung des Regensburger Spielers wurde somit als Torabwehraktion bewertet. Durch eine solche Abwehraktion wird das Abseits den Regeln nach nicht aufgehoben. Dieses setzt allerdings voraus, dass die Klärung sehr nah am eigenen Tor geschieht und damit „Torwartähnlich“ zu behandeln ist. Im Falle von Scott Kennedy waren es allerdings knappe acht Meter und somit eigentlich zu weit entfernt. Schiedsrichter Robert Hartmann erklärte die Situation nach dem Spiel wie folgt: „In der Entstehung des Tores kommt es zum Torschuss, dieser Schuss wird von einem Regensburger Spieler abgewehrt. Es denken viele, dass es kein Abseits war, weil der Ball vom Gegner kam. In diesem Fall steht aber im Regelwerk, wenn es eine Torabwehrreaktion wie bei einem Torhüter ist, dann hebt diese das Abseits nicht auf. Deswegen mussten wir das Tor wieder aberkennen.“

Allerdings wäre der Schuss von Ismail Jakobs wohl überhaupt nicht auf das Tor von Alexander Meyer gekommen, sodass man von einer „Torabwehrreaktion“ hätte sprechen können. Zudem stand Kennedy eigentlich nicht in der für das „deliberate save“ notwendigen Nähe zum eigenen Kasten. Daher ist das Unverständnis der Kölner über die Aberkennung des Treffers durchaus nachzuvollziehen. Auch einen Tag später war das Thema bei den Verantwortlichen des FC noch präsent: „Auch nach mehrfachem Austausch ist es für mich nicht wirklich greifbar, warum wir dieses Tor aberkannt bekommen haben“, erklärte Horst Heldt auf der Pressekonferenz vor dem Spiel gegen Gladbach. „Ich habe mich auf dem Weg in die Kabine, in der Halbzeit und auch nach der Pause mit dem Schiedsrichtergespann unterhalten. Sie haben sich Mühe gegeben, mir das zu erklären. Ich habe mir aber auch Mühe gegeben, das zu verstehen, tue es aber immer noch nicht“, sagte der Geschäftsführer, in dessen Augen eine falsche Bewertung der Situation vorlag:  „Wir schießen auf das Tor und der Regensburger Spieler wehrt den Ball ab. Die Schiedsrichter meinen, dass das keine neue Spielsituationen gewesen sei. Das ist dann jedoch eine entgegengesetzte Haltung zur Entscheidung in Dortmund.“

Letztendlich ist nicht abzustreiten, dass der Spielverlauf beim einem möglichen 3:1 wohl anders ausgesehen hätte und der 1. FC Köln womöglich ins Viertelfinale eingezogen wäre. Zur Wahrheit gehört allerdings auch, dass die Geißböcke defensiv wieder einmal zu passiv agierten und sich auch gegen einen Zweitligisten schwer taten, klare Chancen herauszuspielen. Beim beinahe unmittelbaren 2:2 hinderte niemand Max Besuschkow an der Flanke. Albers konnte derweil per Kopf auf den völlig blank stehenden George ablegen, der nur noch zum Regensburger Ausgleich einschieben musste. Gleichzeitig hätte man vom Bundesligisten im zweiten Durchgang einen dominanteren Auftritt mit mehr Tormöglichkeiten erwarten können. Auch der vergebene Elfmeter von Emmanuel Dennis war die große Chance, das Spiel in der regulären Spielzeit für die Kölner zu entscheiden. Dem wollte auch Horst Heldt einen Tag nach dem Pokal-aus nicht widersprechen. „Wir hätten es in der regulären Spielzeit trotzdem klar machen können. Ich werde keinem Spieler einen Vorwurf machen, der zum Elfmeterpunkt geht und nicht trifft. Wir hatten die Möglichkeiten, innerhalb der 90 Minuten eine Runde weiterzukommen.“ So bleibt der aberkannte Treffer im Rückblick zwar ein großes Ärgernis, spiegelt aber gleichzeitig nicht den einzigen Grund für das Ausscheiden bei einem Zweitligisten wider.

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