, ,

Wirbel um Funkel: „Das darf man ja nicht mehr sagen“


Der 1. FC Köln hatte das Derby bei Bayer 04 Leverkusen gerade mit 0:3 (0:1) verloren, da geriet das sportliche Ergebnis schon wieder in den Hintergrund. Auslöser war ein Satz von Friedhelm Funkel im Sky-Interview nach dem Spiel. Der FC-Trainer verkniff sich dabei offensichtlich einen rassistischen Ausdruck, mit dem er Leverkusens Moussa Diaby und Leon Bailey hatte bezeichnen wollen. Der FC sah sich noch am Abend zu einer Stellungnahme gezwungen.

Aus der BayArena berichtet Marc L. Merten

Bayer Leverkusen hatte den 1. FC Köln in der zweiten Halbzeit ausgekontert. Moussa Diaby und Leon Bailey, die beiden schnellen Außenbahnspieler der Werkself, hatten die Geißböcke mit ihren Toren nach Tempogegenstößen in die Knie gezwungen. Das Duo gehört zu den gefährlichsten Flügelzangen der Bundesliga, der Franzose und der Jamaikaner waren die Schlüsselspieler zum Leverkusener Sieg über den FC.

Als Funkel dies nach dem Spiel erklären sollte, kam der 67-jährige plötzlich in Not. „Sie haben eine enorme Schnelligkeit“, begann Funkel und setzte an, „durch ihre, ihre, äh, ja, äh, den einen oder anderen Ausdruck darf man ja jetzt nicht mehr sagen, durch ihre Spieler, die halt so schnell sind.“ Schnell schwoll in den sozialen Netzwerk ein Shitstorm an. Denn was Funkel sich gerade noch verkniffen hatte, war den Zuschauern sofort klar gewesen. Bis hin zu Rücktrittsforderungen reichten die Äußerungen der irritierten FC-Fans, die dem gerade erst installierten Trainer Rassismus unterstellten.

Um 22.50 Uhr sah sich dann der FC gezwungen zu reagieren und veröffentlichte ein Statement Funkels „zur Interpretation seiner Aussage“, wie es in dem Tweet der Kölner hieß. „In dem Interview bezog ich mich einzig auf die enorme Schnelligkeit von Leverkusens Spielern, nichts anderes war gemeint, nichts anderes wollte ich damit sagen.“ Damit gingen Klub und Trainer allerdings dem Vorwurf aus dem Weg, der 67-jährige habe sich eine rassistische Äußerung verkniffen, in abwertenden Stereotypen gedacht, mit einem vermeintlich lockeren Spruch versucht diesen Umstand zu überspielen und dabei eigentlich offenbart, gewisse Begriffe nur aus Gründen der Political Correctness nicht mehr öffentlich zu verwenden.

Dabei geriet auch in Erinnerung, dass Funkel den Schalker Clemens Tönnies verteidigt hatte, nachdem dieser im August 2019 mit rassistischen Aussagen für Empörung gesorgt hatte. Der Vorfall hatte die großen Probleme von Alltagsrassismus auch im Fußball erneut vor Augen geführt. Probleme, die gerade in dieser Woche durch die Doku „Schwarze Adler“ wieder in den Mittelpunkt gerückt sind, in der afrodeutsche Fußballprofis wie Erwin Kostedde, Gerald Asamoah und Shary Reeves über ihre Erfahrungen im deutschen Fußball erzählen.

Der 1. FC Köln betonte in den letzten Jahren immer wieder die weltoffenen Werte, für die der Klub einstehe. Bereits Anfang Februar hatten die Geißböcke mit der Verpflichtung von Fritz Esser als Mediendirektor allerdings einen Shitstorm und eine Diskussion um diese Werte ausgelöst. Nun könnte dem Verein diese Debatte erneut drohen. Denn mit Funkels Stellungnahme scheint sein Spruch nicht aus der Welt geschafft.