Max Esser ist seit 1938 FC-Mitglied. (Foto: Bopp)

Heimlicher Star: Ältestes Mitglied liest FC-Familie die Leviten

Es war die befürchtete Marathon-Sitzung, auf der letztlich sogar nicht einmal alle Tagesordnungspunkte diskutiert werden konnten. Doch der 1. FC Köln hat nun die Sicherheit, bis Herbst 2022 einen Vorstand zu haben: Werner Wolf, Eckhard Sauren und Carsten Wettich wurden entlastet, Wettich als Vizepräsident gewählt. Doch der heimliche Star war ein anderer: Max Esser fand mahnende Worte für die FC-Führung.

Köln – Von 18 Uhr bis 2.38 Uhr ging die Marathon-Sitzung am Donnerstagabend. Max Esser wird sie wohl kaum bis zum Ende virtuell verfolgt haben. Das älteste Mitglied der FC-Historie hatte sich jedoch in einer Grußbotschaft zu Beginn der Versammlung an die Mitglieder gewandt und es so als einer der wenigen FC-Fans zumindest virtuell in die Lanxess Arena geschafft, während die knapp 6000 zugeschalteten Mitglieder an den heimischen Bildschirmen verweilten

Lassen Sie alle persönlichen Eitelkeiten und alle Animositäten außen vor!

Esser ist seit 1938 Mitglied des 1. FC Köln respektive des Kölner Ballspiel-Clubs (KBC), wie er damals noch hieß. Kurzum: Esser, der dieses Jahr seinen 98. Geburtstag feiert, ist so etwas wie das historische Gewissen des Klubs. Niemand hat mehr miterlebt als er, niemand hat die Entwicklung des Vereins von seiner Gründung bis heute ausgiebiger verfolgen können. Und so hatte Esser am Donnerstag die Herzen auf seiner Seite, als er in einer Videobotschaft den FC-Bossen die Leviten las.

Eigentlich ging es um die Jubiläums-Mitgliedschaften, die gefeiert werden sollten. Esser brachte seine Freude zum Ausdruck, den “bösen siebten Abstieg” durch ein “grandioses 5:1 in Kiel” abgewendet zu haben. Doch dann mahnte er: “Ich appelliere an Vorstand, Geschäftsführung, Mitgliederrat und die große FC-Familie: Lassen Sie alle persönlichen Eitelkeiten und alle Animositäten außen vor. Orientieren Sie Ihr ganzes Denken und Handeln einzig an der Frage, ob es dem FC zum Nutzen dient und zum Vorteil führt.”

Die Wahlen sind kein Vertrauensbeweis

Deutliche Worte, deren Bedeutung im Laufe des Abends immer wieder klar wurden. Denn 66 Prozent Zustimmung bei der Entlastung waren kein gutes Ergebnis für den Vorstand, die 69,5 Prozent für Wettich bei dessen Wahl zum Vizepräsidenten zwar in Ordnung, aber auch eine Warnung der Mitglieder, dass sie keine weiteren Fehltritte mehr dulden dürften. Der Vorstand steht nun in der Pflicht, und Esser hat die FC-Bosse in dieselbige genommen. Eitelkeiten beiseite legen, Animositäten ebenso, alles Streben und Tun in den Dienst des FC stellen: Dies gelang den zahlreichen FC-Verantwortlichen spätestens seit 2017 nur noch allzu selten. Max Esser hat am Donnerstag daran wieder erinnert.

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