Erich Rutemöller und Jörg Jakobs. (Foto: Bucco)

Kaderanalyse II: Wer kommt? Wer geht? Wer bleibt? Wer soll weg?

Um insgesamt 42 Spieler muss sich der 1. FC Köln in diesem Sommer kümmern. So groß ist der Schattenkader der Geißböcke für die nächste Bundesliga-Saison 2021/22. Bei den Spielern mit auslaufenden Verträgen stellt sich die Frage, wer bleibt. Bei den Leihspielern die Frage, wer überhaupt bleiben soll. Dazu müssen Spieler verkauft und gekauft werden. Die Kaderanalyse – Teil 2.

Köln – Acht Verträge laufen aus, acht Spieler kehren von ihren Leihgeschäften zurück: Mit diesen Fragen muss sich Interims-Sportchef Jörg Jakobs zunächst befassen. Darüber hinaus darf der 50-jährige keine Zeit verlieren, wenn es um das Werben von ablösefreien Spielern geht, die für den FC interessant sein könnten. Denn lange werden die besten unter ihnen wohl nicht mehr auf dem Markt sein. Doch klar ist auch: In diesem Sommer dürfte der FC auch verstärkt auf Leihspieler setzen, denn diese belasten das abgespannte Budget der Kölner am wenigsten.

Auslaufende Verträge

Acht Verträge laufen aus. Tolu Arokodare und Emmanuel Dennis weint niemand am Geißbockheim eine Träne nach. Sie sind weg und kommen nicht wieder. Marco Höger wird seine Karriere woanders fortsetzen und wurde intern bereits verabschiedet. Für Ron-Robert Zieler wurde bereits ein Nachfolger verpflichtet (Marvin Schwäbe), wenngleich der Deal noch nicht offiziell gemacht wurde. Elvis Rexhbecaj kehrt zum VfL Wolfsburg zurück. Der Mittelfeldspieler zeigte sich nicht konstant genug, und selbst auf Leihbasis wäre der Wolfsburger finanziell kaum zu stemmen. Marius Wolf würde der FC gerne behalten, wird aber selbst auf Leihbasis aufgrund seines hohen Gehalts ebenfalls nur schwer zu finanzieren sein. Der frische gebackene U21-Europameister Salih Özcan hat dem FC signalisiert, Köln verlassen zu wollen. Nach dem EM-Titel dürfte es ihm an Angeboten nicht mangeln. Bleibt Max Meyer: Horst Heldt wollte mit ihm verlängern. Ob Jörg Jakobs dies ebenfalls anstrebt, ist noch nicht bekannt. Meyer soll sich dies vorstellen können. Ob es gelingt, ist fraglich. Klar ist: Neben Jonas Hector und Dejan Ljubicic hat der FC aktuell auf der Sechs und der Acht nur zwei Nachwuchsspieler im Kader (Castrop und Strauch). Meyer würde also zum Kader passen. Derzeit sieht es aber noch so aus, als ob alle Spieler mit auslaufenden Verträgen den FC verlassen würden.

Leihspieler

Acht Leihspieler kehren zurück, ein neunter Spieler wurde nicht verliehen, aber als solcher behandelt (Joao Queiros): Sechs dieser neun Spieler können nicht noch einmal verliehen werden, da ihre Verträge in einem Jahr auslaufen (Koziello, Ostrak, Queiros, Risse, Schaub, Sobiech). Drei Spieler stehen noch bis 2023 unter Vertrag (Hauptmann, Modeste, Schindler). Die beiden in die Schweiz verliehen Louis Schaub und Lasse Sobiech könnten sich vorstellen, bei ihrer Klubs in Luzern und Zürich zu bleiben, dafür müsste der FC ihnen allerdings mindestens ein Drittel des noch ausstehenden Gehalts als Abfindung zahlen – ein Geschäft, um das die Geißböcke wohl nicht mehr drum herum kommen werden. Das gilt auch für Marcel Risse, der sich mit Viktoria Köln einig zu sein scheint. Vincent Koziello hat keine Zukunft mehr in Köln, allerdings auch nicht bei seinem portugiesischem Klub CD Nacional. Wie es mit dem Franzosen weitergeht, ist unklar. Joao Queiros stand fünf Mal für die Kölner U21 auf dem Platz, bald dürfte das Drei-Millionen-Missverständnis ein Ende haben. Diese fünf Spieler werden den FC wohl mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit in den kommenden Wochen verlassen. Alle fünf wird der FC abfinden müssen, dadurch aber im Vergleich zu vollen Jahresgehältern unter dem Strich weniger Geld ausgeben als vertraglich verpflichtet.

Tomas Ostrak sollte auf Wunsch von Horst Heldt eigentlich im Sommer zum FC zurückkehren und nach der Vorbereitung entscheiden, wie es weitergehen soll. Das Mittelfeld-Talent nutzte seine Leihe in die tschechische Erste Liga zu MFK Karvina, um dort Stammspieler zu werden. Auch Jörg Jakobs scheint den 21-jährigen zurückholen zu wollen, damit sich das Eigengewächs ab dem 5. Juli Steffen Baumgart zeigen kann. Das wird zunächst wohl auch für Niklas Hauptmann, Anthony Modeste und Kingsley Schindler gelten, allerdings wohl eher aus Mangel an Alternativen. Hauptmann verlor mit Kiel die Relegation gegen den FC, gehörte dort zu den ersten 14 Spielern im Kader, war aber nur selten Stamm. Ob er dem FC in der Bundesliga wirklich würde helfen könnten? Schindler erlebte in Hannover ein enttäuschendes Jahr, verlor irgendwann seinen Stammplatz und konnte sein Leistungsniveau aus Kieler Zeiten auch in Liga zwei nicht wieder erreichen. Ob Baumgart ihn nun für die Bundesliga hinbekommt? Und bei Modeste werden die Fragezeichen immer größer, wie fit der Franzose überhaupt noch ist. Mit ihm können die Geißböcke nach dessen Operation an den Adduktoren im April erst einmal nicht mehr rechnen.

Verkaufskandidaten

Aufgrund der Vorgabe des Vorstands, bis zu 30 Millionen Euro an Transfereinnahmen zu generieren, ergeben sich Anforderungen an Jörg Jakobs, mindestens zwei Leistungsträger zu verkaufen. Ellyes Skhiri ist nach seiner bärenstarken Saison der erste Kandidat, international sollen zahlreiche Klubs nach dem Laufwunder die Fühler ausgestreckt haben. Er wird kaum zu halten sein. Bei Sebastiaan Bornauw hat dagegen bereits der Poker begonnen. Der VfL Wolfsburg will ihn und hat den FC mit einem Acht-Millionen-Angebot beleidigt. Daraufhin haben die Geißböcke erklärt, den Vertrag mit dem Belgier verlängern zu wollen und niemanden unter Marktwert gehen zu lassen. Denn eigentlich müsste dieses Duo aufgrund seines internationalen Niveaus sogar über 30 Millionen Euro bringen. Doch andere Klubs wissen um die Probleme der Geißböcke. Der FC muss sich also standhaft zeigen. Sonst könnte es dazu führen, dass auch noch Youngster Ismail Jakobs auf die Verkaufsliste kommt. Der schnelle Linksaußen gilt eigentlich als prädestiniert für das Spiel von Neu-Trainer Steffen Baumgart. Doch auch er hat sich seit seinem Bundesliga-Debüt im Herbst 2019 ins Schaufenster gestellt und könnte eine Millionen-Ablöse bringen.

Darüber hinaus gibt es die üblichen Verdächtigen: Jorge Meré erklärte via Instagram, er sei zwar froh, dass der FC die Liga gehalten habe, “aber persönlich will ich mehr und ich werde darauf hinarbeiten es zu bekommen”. Klingt nach Abschied, auch wenn Jakobs nun zumindest öffentlich erklärt, Meré sei fest in den FC-Planungen vorgesehen. Wohl auch nur ein Pokerspiel. Dazu kommt Dimitris Limnios, der sich sicherlich unter Baumgart zeigen will, dem aber eine Ausleihe gut tun könnte, sollte er weiter keinen Fuß auf den Boden bekommen. Und dann wäre da noch Dominick Drexler, der nach dem “Spacken”-Skandal vor dem Gladbach-Derby als Kandidat für einen Abschied galt. Inzwischen ist das Thema abgeklungen, zum Fan-Liebling wird es der 31-jährige aber wohl nicht mehr bringen. Sollte es Anfragen für den Offensivspieler geben, dürfte wie für nahezu jeden anderen Spieler auch gelten: Beim FC ist niemand unverkäuflich. Das lässt die finanzielle Situation des Klubs nicht zu.

Kaufkandidaten

Dejan Ljubicic als designierter Skhiri-Nachfolger wurde bereits ablösefrei von Rapid Wien verpflichtet. Marvin Schwäbe soll für Ron-Robert Zieler hinter Timo Horn Druck machen. Dessen ablösefreier Wechsel von Brondby IF zum FC gilt als fix, ist nur noch nicht bestätigt. Bei Mark Uth hängt es wohl nur noch an Kleinigkeiten, der variable Angreifer wäre ein wichtiges Puzzlestück für die Kölner Offensive. Der FC braucht aufgrund der großen gesundheitlichen Fragezeichen hinter Sebastian Andersson und Anthony Modeste dringend mehrere (!) Alternativen im Sturm. Uth wäre eine solche, wenngleich kein klassischer Mittelstürmer. Aus der Diskussion um Timo Hübers hat Jörg Jakobs vor einer Woche die Luft rausgelassen. Entweder, um die Verhandlungsposition des FC zu verbessern oder um zu signalisieren, dass die Geißböcke doch größere Sorgen haben bei einem Spieler, der in den letzten Jahren mehr verletzt war als dass er auf dem Platz gestanden hätte.

Grundsätzlich sucht der FC aber auf zahlreichen Positionen: Zwei Innenverteidiger sollen kommen, wenn möglich ein Rechtsverteidiger, im zentralen Mittelfeld ist der zumindest zahlenmäßige Verlust groß (Höger, Meyer, Özcan, Rexhbecaj, wohl Skhiri). Dazu kommen die bislang viel zu torungefährlichen Flügel und das bereits angesprochene Sturmzentrum. Viel Arbeit also für Jörg Jakobs und seine sportliche Abteilung, zumal praktisch kein Geld da ist, um sich die nötigen Spieler leisten zu können.

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