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Kaderanalyse III: Baumgart kriegt ein Tempo-Problem beim FC


Wie wird Steffen Baumgart das Spiel des 1. FC Köln verändern? Während der neue FC-Trainer beim SC Paderborn insbesondere auf ein schnelles Umschaltspiel Wert legte, gehörte der FC in der abgelaufenen Saison zu den langsamsten Teams der gesamten Bundesliga. Das bedeutet: Entweder müssen die Geißböcke für Baumgart schnelle Spieler verpflichten, oder aber der Trainer wird sein bevorzugtes System anpassen müssen. Die Kaderanalyse – Teil 3. 

Köln – Jeremiah St. Juste vom 1. FSV Mainz 05 und Erling Haaland von Borussia Dortmund waren in der abgelaufenen Saison mit Abstand die schnellsten Spieler. Der Innenverteidiger und der Angreifer waren die einzigen beiden Profis, bei denen eine Spitzengeschwindigkeit von über 36 km/h gemessen werden konnte.

Nur vier FC-Spieler in den Top 100

Beim 1. FC Köln kam in der vergangenen Spielzeit kein Profi an diese Marke heran. Mit 35,27 km/h war Marius Wolf dabei der schnellste FC-Spieler und reihte sich damit als 16. aller in dieser Saison eingesetzten Bundesliga-Spieler ein. Diese mit insgesamt 494 Profis bemessene Liste ist aus FC-Sicht allerdings verheerend. Nach Marius Wolf folgten Kingsley Ehizibue (34,57 km/h) und Ismail Jakobs (34,54) auf den Plätzen 40. und 42. Danach findet sich nur noch ein weiterer Köln-Profi unter den Top 100: Mit 33,81 km/h ist dies Jannes Horn auf Rang 86.

Damit stellten die Geißböcke lediglich vier Spieler unter den schnellsten 100 Bundesliga-Akteuren. Zum Vergleich: Bayer 04 Leverkusen hat alleine drei Profis unter den Top 10. Dass nur wenige Kölner in der Spitze zu finden sind, ist dabei allerdings nicht das Bemerkenswerteste. So tauchen alleine 13 Spieler erst zwischen den Plätzen 322 (Florian Kainz) und 468 (Marco Höger) und damit im letzten Drittel der Ranglist auf. Besonders erstaunlich: Der insbesondere von Ex-Geschäftsführer Horst Heldt immer wieder als pfeilschnell beschriebene Tolu Arokodare kam in seinen Einsätzen auf eine Maximalgeschwindigkeit von 31,23 km/h (Platz 385) und liegt damit noch zehn Plätze hinter Torhüter Timo Horn (31,35 km/h). Noch langsamer als der Kölner Keeper waren zudem Sava Cestic (30,6), Max Meyer (29,66), Anthony Modeste (29,36) und Marco Höger (28,18).

Baumgart braucht Tempo-Spieler

Für das stark auf das Teampressing und schnelle Umschaltspiel ausgelegte System von Trainer Steffen Baumgart fehlt es dem Kader des 1. FC Köln in der kommenden Saison bislang also deutlich an Tempo. Mit Marius Wolf verlieren die Geißböcke zudem ihren vermeintlich schnellsten Spieler im Kader. Auch Ismail Jakobs, der vermutlich stärkste Spieler im Gegenpressing des FC, könnte den Verein noch im Sommer verlassen. Beim SC Paderborn war der Kader auf Baumgarts Vorlieben ausgerichtet. Immerhin fanden sich in der abgelaufenen Saison fünf Spieler der Ostwestfalen unter den 25 schnellsten Zweitligaspielern.

Beim FC dürfte nun das Hauptaugenmerk in der Transferperiode darauf liegen, günstige aber trotzdem qualitativ passende Spieler für das Baumgart-System zu finden. Mit Timo Hübers, der beim 1. FC Köln als Kandidat für die Innenverteidigung gilt, hat man sich offensichtlich bereits einen schnellen Mann für das Abwehrzentrum ausgeguckt. Mit 34,18 km/h war Hübers in der abgelaufenen Saison trotz seiner Verletzungshistorie nicht nur der 17. schnellste Zweitligaspieler. Mit diesem Wert wäre der ehemalige U21-Spieler des FC hinter Wolf auch gleich der zweitschnellste Kölner. Der ebenfalls gehandelte Mark Uth würde sich mit 33,15 km/h im letztjährigen FC-Kader immerhin zwischen Emmanuel Dennis (33,34) und Noah Katterbach (32,99) auf Platz neun einreihen.

In den vergangenen Wechselperioden sind die Geißböcke in Verantwortung von Sportchef Horst Heldt an der richtigen Kaderzusammenstellung gescheitert. Auch deshalb musste der Geschäftsführer nach der Saison seinen Posten räumen. Interims-Kaderplaner Jörg Jakobs und Thomas Kessler sollen es nun für die kommende Saison in Abstimmung mit Steffen Baumgart besser machen. Ansonsten dürfte die Liga-Konkurrenz weiter enteilen. Und das nicht nur aufgrund des Tempo-Defizits auf dem Platz.

Hier geht’s zu den ersten Teilen der Kaderanalyse:
Kaderanalyse I: Der 42-Mann-Kader und die Spielerverträge
Kaderanalyse II: Wer kommt? Wer geht? Wer bleibt? Wer soll weg?

 

 

28 Kommentare
  1. Paul Paul sagte:

    Unser segensreiches Präsidium ist im Wahlkampfmodus uns schwadroniert aus allen Löchern. Wie zu erwarten war, handelt es sich bei dem DDR-mäßigen 7-Jahres-Plan um eine große Wolke warmer Luft. Die einzige Botschaft dieses Planes ist: Wir wollen noch 7 Jahre die Kohle und den Status haben, ansonsten werden wir das tun, was wir bisher auch getan haben: NICHTS!!!!

    SCHMEISST DIESE FLITZPIEPEN RAUS!!!

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  2. Norbert Steinbach sagte:

    An sich eine sehr schöne Analyse, allerdings wird hier in meinen Augen Spielern wie Höger und Arokoudare, die auf eine sehr geringe Spielzeit kamen in denen von ihnen je nach Spielsituation auch gar nicht das Maximaltempo erforderlich oder angebracht war, und davon reden wir hier, zu viel Raum eingeräumt. Betrachtet man diese mit wäre es angebracht, diese Begleitumstände zu erwähnen, ansonsten verfälschen die Statistiken das Gesamtbild der Schnelligkeit einzelner Spieler.

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      • Carlo Korrupto sagte:

        Nicht wirklich, dass muss ich der Analyse hier auch ankreiden. Wenn Horn als letzter Mann dem Gegner entgegen sprintet, ist dass eine Situation in der er das Maximum rausholen muss. Wenn aber ein Tolu als Wandspieler die letzten Minuten im Strafraum steht, muss er da kaum laufen. Oder Höger der zum Verteidigen von Siegen oder Unentschieden die letzten Minuten gebraucht wurde, als nahezu alle Spieler hinten drin standen, muss da auch überhaupt nicht zum Sprint ansetzen…das Höger trotzdem vermutlich der langsamste Spieler im ganzen Kader ist, ist wieder ein anderes Thema.
        Ich finde die Analyse allgemein sehr unaussagekräftig. Wenn man Baumgart geholt hat und er nur dieses eine Spielsystem spielen lassen kann und nahezu kein Geld für Neuverpflichtungen da ist, hat man eben den falschen Trainer verpflichtet. Aber ehrlich gesagt erwarte ich von einem Trainer auch, dass er sein Spielstil dem vorhandenen Material anpasst!

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  3. Horst sagte:

    Genau darin sehe ich das Problem für die neue Saison. Es wurde mit Steffen Baimgart ein Systhemtrainer verpflichtet, der genau die von Dir, Sonja, beschriebene Spielphilosophie hat. Und der kommt jetzt zum FC, wo sehr langsam und sehr gerne nach hinten gespielt wird.
    Ich mag den Trainer, er ist ein Typ, aber ich befürchte, dass er keinen Plan B hat. Wenn der FC hinbekommt ihm entsprechende Spieler zur Verfügung zu stellen, kann es allerdings was werden.
    Ich habe auch ein bisschen die Hoffnung, dass sich noch ein paar aus der Jugend aufdrängen, wie Obuz, Lemperle oder Castrop.
    Wir werden sehen. Noch son Jahr und ich werde Schachfan

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  4. Besser Wisser sagte:

    Es ist mehr als offensichtlich das das Trainer und Kader aktuell nicht passen. Während Gisdol noch die Lauf-Faulen fit bekommen hat, kann man wohl kaum erwarten, einen Spieler schneller zu machen.

    Aber wir müssen ja 20 – 30 Mio Transfererlös generieren, da fallen ja auch 15 Enten drunter.

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  5. Thomas Stommel sagte:

    Wie man so im Netz liest soll Ismael Jacobs vielleicht nach Monaco Wechseln, jedenfalls wird er ein Wechsel machen um sich zu steigern. Klar für Konter ausgelegtes Spiel braucht man zwei schnelle Stürmer die dann auch treffen können. Aber ob Andersson mit seinem Knie diese Sprints schafft bleibt abzuwarten. Denke er ist der Spieler für standarts. Wie schnell laufen den die Neuzugänge aus Wien und Dänemark davon wird mir hier zu wenig berichtet. Da würde ich gerne mehr erfahren wieviel Einsätze und waren die Fans zufrieden mit ihrem Spiel.

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  6. MountainKing sagte:

    a) Unabhängig vom Trainer oder Spielsystem ist Geschwindigkeit im modernen Fußball immer wichtig.
    b) Ich finde es merkwürdig, Baumgart auf ein einziges System zu reduzieren. Ich finde, man kann einem Bundesligatrainer durchaus zutrauen, Fachkenntnis auf seinem Gebiet zu haben, und das schließt für mich die Kenntnis von mindestens 2 Spielsystemen mit ein.

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  7. kalla lux sagte:

    Tempo ist in meinen Augen nicht nur der Sprint. Man sieht oft genug das die schnellsten Spieler einer Begegnung nicht unbedingt im Spiel auffällig sind.
    Ist aber hingegen geistiges Tempo im Spiel, fällt das eher auf. Natürlich hat Baumgart mit Michel,Kröger schnelle Leute. Aber diese haben auch verinnerlicht geistiges Tempo zu haben. Das ist Baumgart Aufgabe

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  8. Carlo Korrupto sagte:

    Ich finde die Analyse extrem unaussagekräftig, da fehlen einfach zu viele Faktoren, wie Position, Spielminuten, Antritt usw.
    Ein ZDM muss nicht so schnell laufen wie ein Flügelspieler.
    Ein Haaland hat zwar den schnellsten Sprint hingelegt, aber ich bin ziemlich sicher dass z.B. Jakobs ihn die ersten Meter stehen lässt.
    Macht es im Spiel wirklich einen großen Unterscheid, ob ein Spieler jetzt 35,9 oder 35,5 km/h läuft, ich glaube nicht. Damit lässt ein Flügelspieler trotzdem die meisten Verteidiger stehen, vor allem die ersten Meter.
    Für Baumgart System braucht man vermutlich 2-3 schnelle Spieler, wenn Jakobs bleibt wäre das schonmal der erste. Dann noch einen schnellen RA und vielleicht einen schnellen Stürmer. Die restlichen Spieler müssen keine Raketen sein, genau das wird hier aber suggeriert.

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    • Ali Perez sagte:

      Ich sehe das ähnlich.
      Ein Spieler mit kurzer Übersetzung lässt einen Spieler mit langer Übersetzung auf den ersten Metern stehen, erreicht aber vielleicht eine geringere Endgeschwindigkeit.
      Je nach Spielsituation haben beide Eigenschaften Vorteile. Hinzu kommen Reaktionsgeschwindigkeit, Spielintelligenz, Körperschwerpunkt, Talent usw.. Nach Sonjas Analyse hätten wir Klünter nie gehen lassen dürfen, Toni Polster hätte keine Konter-Tore schießen können usw..
      Wenn man am Ende den Ball regelmäßig verstolpert, nützt hohes Tempo auch nichts.

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  9. Michael Pesch sagte:

    Diese Statistik sagt ja nur die hälfte.
    Schnelligkeit mit oder ohne Ball?.
    Beim FC wäre es ja ersteinmal hilfreich den Ball über drei vier Stationen sicher zu spielen.
    Was bringt einem die schnelligkeit, wenn den Spielern ständig diese Stockfehler passieren.
    Beim Pressing und Balleroberung ist Ballsicherheit sowie Passgenauigkeit entscheidend.
    Da sehe ich zur Zeit die größte Baustelle.
    Wer unsicher am Ball aggiert, rückt hinten nicht raus, aus Angst den Weg nach zu machen.
    Und was nützt es Dir zwei schnelle Außen zu besitzen, wenn in der Mitte keiner nachrückt oder zu spät kommt.
    Wenn Timo Horn vorne spiele würde, hätte ich hinten weniger Sorgen.
    Warten wir es ersteinmal ab.
    Mit Jakobs habe ich persönlich ein besseres Gefühl, als mit HH. Da ist einfach mehr Fachkenntnis und Bodenhaftung.

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  10. Norbert Furmanek sagte:

    Oha ,da Hat Sonja einen rausgehauen !! Kann mich erinnern ,dass wir die ach so schnellen Paderborner beim 3:1 Sieg beherrscht haben. Wo waren denn da Baumgarts schnelle Leute ? Und was bedeutet Schnelligkeit ? Hinter den Ball zu kommen ? Den Gegner abzulaufen ? Wann srtzt die Schnelligkeit ein ? Am Anstoßkreis ? Am gegnerischen ,oder eigenen Strafraum ? Und was nützt die Schnelligkeit ,wenn ich vor dem Tor versage ? Explizit Wolf !!! Also Sonja , geh mir weg mit solchen Statistiken . Das sind Fußballer , keine Sprinter, keine Leichtathleten !!!!!

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  11. Reiner Ziegler sagte:

    Ich stimme Norbert zu. Der Sport heißt immer noch Fußball. Natürlich muss man eine gewisse Schnelligkeit haben, aber Fußballer an den erreichten Spitzenwerten zu messen, finde ich nicht richtig.
    Was nützt mir ein Spieler mit 35 km/h , wenn er nicht in der Lage ist, den Ball über 20 Meter zum Mitspieler zu bringen.?

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