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Vorstand auf Bewährung: Kommen jetzt die Veränderungen?


Sie haben es überstanden und dabei zumindest einen kleinen Sieg erringen können: Werner Wolf, Eckhard Sauren und Carsten Wettich bleiben der Vorstand des 1. FC Köln bis zum Ende der Amtszeit im Herbst 2022. Die Mitglieder haben dem Trio das Vertrauen ausgesprochen, wenngleich nur auf Bewährung. Die FC-Bosse müssen nun liefern und zeigen, dass sie verstanden haben: So wie bisher kann und darf es nicht weitergehen.

Eine kommentierende Analyse von Marc L. Merten

1. Die Wahlergebnisse

Die Entlastung des Vorstands mit 66 Prozent, die Wahl von Carsten Wettich mit 69,5 Prozent: Zwei Drittel der anwesenden Mitglieder hat dem FC-Präsidium das Vertrauen geschenkt. Das bedeutet aber auch: Ein Drittel der Mitglieder hätte das Trio am liebsten zum Teufel gejagt. Beide Wahlergebnisse sind deutliche Botschaften: In der aktuellen Situation des 1. FC Köln wäre es das noch viel größere Übel gewesen, dem Vorstand das Vertrauen zu entziehen und den Klub in ein komplettes Führungschaos zu stürzen. Stattdessen haben Wolf, Sauren und Wettich eine klare Aufgabe übertragen bekommen: Sie sollen den FC durch die Krise lenken und wieder Ruhe in den Klub bekommen.

2. Die Reden

Es waren 75 zähe Minuten, die die Mitglieder ausharren mussten, als Wolf, Sauren und Wettich an die Mikrofone traten und ihre Reden hielten. Wolf knapp über 20 Minuten lang, Sauren und Wettich je eine Viertelstunde, später zur Wahl dann noch einmal Wettich 20 Minuten lang: Reden gehört nicht zu den Stärken dieses Vorstands. Am Donnerstagabend wurde erneut überdeutlich, dass Kommunikation das größte Manko des Trios ist. Keiner kann begeistern, Menschen für sich einnehmen, mitreißen. Auch inhaltlich blieb vieles dünn und an der Oberfläche, verlor sich zwischenzeitlich in Wahlkampf-Propaganda für Wettich. Nur ab und an schimmerte etwas durch: Wolf gab sich gegenüber den Gremien-Kritikern kämpferisch. Sauren rückte manche Interpretation der sportlichen Entwicklung gerade. Wettich wurde nicht müde zu betonen, dass Investoren keine Option seien.

3. Die Versprechen

Am Ende betonten alle drei unisono: Die Mitglieder sollen den Vorstand daran messen, was in den nächsten 16 Monaten und damit in der zweiten Hälfte der Amtszeit passiert. Kurzum: Lernen die FC-Bosse wirklich aus ihren kommunikativen Fehlern? Verbessert sich wirklich das Vereinsklima? Und vor allem: Gelingt es ihnen wirklich, den Klub wirtschaftlich zu stabilisieren und nicht nur die Folgen der Corona-Pandemie zu überwinden, die Profi-Mannschaft sportlich zu stabilisieren, in der Bundesliga zu halten und den Kaderumbruch herbeizuführen, die vakanten Führungspositionen (Sportchef, Mediendirektor) qualitativ hochwertig zu besetzen und den Geißbockheim-Ausbau durchzusetzen? All dies voranzutreiben, haben Wolf, Sauren und Wettich den Mitgliedern als Teil ihres Sieben-Jahres-Plans versprochen.

4. Der heimliche Sieg

Neben dem offensichtlichen Sieg der Wahlergebnisse gelang dem Vorstand noch ein heimlicher Erfolg. Unmittelbar nach der Wahl von Carsten Wettich um halb zwei Uhr nachts wurde ein Antrag auf Verfahrensänderung genehmigt und von den Mitgliedern unterstützt, die Tagesordnungspunkte 12 und 13 auf die nächste Mitgliederversammlung zu verschieben. Neben der Allgemeinen Aussprache waren dies auch die diversen Anträge auf Satzungsänderung, denen der Vorstand mehrheitlich kritisch bis offen ablehnend gegenüber stand. Damit ist auch der sofortige Auftrag an den Vorstand vom Tisch, die Mitgliederversammlung immer hybrid stattfinden zu lassen. Vor der anstehenden Mitgliederrats-Wahl im Herbst ein politischer Umstand von großer Bedeutung. Der amtierende Vorstand und Mitgliederrat haben es nun selbst in der Hand, wie die MV im Herbst durchgeführt werden soll. Vorausgesetzt natürlich, die Pandemie nimmt bis dahin nicht noch einmal Fahrt auf und verändert die Bedingungen von Veranstaltungen erneut.

5. Die nächsten Schritte

Der Dialog mit den Mitgliedern und Fans soll ab sofort wieder vermehrt im Mittelpunkt stehen. Einerseits wird es schon bald wieder persönliche Treffen im Fan-Dialog geben, bei dem es Gesprächsbedarf gibt. Mehrfach kam der überharte Polizeieinsatz auf den Jahnwiesen zur Sprache, und es wurde deutlich, dass Mitgliederrat und Fans sauer sind, dass der Vorstand sich diesem Thema noch nicht angenommen hat. Andererseits wird es am 5. September das erste Treffen des Vorstands mit Mitgliedern geben, in dem es um den Sieben-Jahres-Plan und die Ausgestaltung der FC-Zukunftsstrategie gehen soll. Überdies taten sich in den Aussprachen Konflikte auf zwischen dem Mitgliederrat und dem Fanprojekt 1991. Auch dort wird der Vorstand wohl moderieren müssen. Viel kommunikative Arbeit also für Werner Wolf, Eckhard Sauren und Carsten Wettich, die sich vorgenommen haben, gerade in diesem Bereich besser zu werden.

9 Kommentare
  1. Kurti sagte:

    Das die sich verbessern wollen, glaube ich denen sogar.
    Ich denke nur die sind zu blaß und können es nicht besser.
    Stichworte:
    unbedingt mit Veh verlängern
    Debakel mit Mediendirektor von der Bild
    Stilloser Umgang mit Funkel, tollpatschige Entlassung Heldt
    Lüge Dialog Podolski
    Noch nie war der Vorstand mit solchen Menschen auch jegliche Autorität und Charisma besetzt.
    Wie man darauf kommt, noch Werbefilme und Fürsprecher für Carsten Wettich einzuspielen, ist mir ein Rätsel.
    Sämtliche Reden wäre ohne Substanz und Aussagekraft.
    Wie es anderes geht zeigte Alex Wehrle.

    Erstaunlich ist, das alle so viel und wichtige Arbeit erledigen im Hintergrund, oft auch so geheim, das es niemand in der Öffentlichkeit mitbekommt.

    Der 7 Jahresplan ist ein Rohrkrepierer. Auch ohne Konzept, nur Japan soll erobert werden.
    Die warten sicher schon auf den FC

    Solange der FC das Geld immer in inkompetente sportlich Verantwortliche wie Heldt/Veh investiert, wird der FC immer Schwierigkeiten bekommen.

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  2. Hennes48 sagte:

    Das Gesamtbild des Vorstands inkl.dieser flachen,durchschaubaren Taktik bei der MV (hat aber ja gereicht) ist fürchterlich. Allein nur deren Interpretation von Demokratie in den entscheidenden Fragen lässt mich schaudern! Das es überhaupt möglich ist,dass 2,3,4000 Mitglieder mitten in der Nacht einer Arbeitswoche über extrem wichtige Themen entscheiden können und dies auch noch von Vorstand und MR ausdrücklich begrüßt wird, sagt dermaßen viel über deren Gesinnung und Rechtsverständnis aus,dass ich das Schlimmste befürchte…jedenfalls hat das rein gar nichts mit demokratischer Vereinskultur zu tun! Erschreckend,dass ein derartiges Machtgefüge überhaupt möglich ist…

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    • SebN sagte:

      Da stimme ich vollkommen zu!
      Wenn man es ernst meinen würde mit der demokratischen Mitgliederbeteiligung, muss man erkennen, dass die Zeiten einer reinen Präsenzversammlung vorbei sind und dies bei über 110.000 Mitgliedern auch nicht mehr praktikabel ist. Oder kommt irgendwer auf die Idee in einer Stadt mit dieser Einwohnerzahl den Bürgermeister wählen zu lassen, indem man um Mitternacht ins Rathaus latschen muss??!

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    • FC Neukoelln sagte:

      Bin dabei. Ich hatte mich in einem Beitrag am Tag der MV bereits hilfesuchend an jene jewandt, die mir endlich einmal verständlich erläutern können, warum der MR eigentlich derart vehement eine hybride Mv zu verhindern bemüht ist. Ich hatte leider keine Antwort erhalten, deswegen hier nochmal:

      …letzte Chance mir mal zu erklären, warum Ihr mir als Auswärtigem und beruflich Verhindertem in Zukunft das Stimmrecht wieder zu entziehen und mich der Unmündigkeit zu bezichtigen gedenkt. Ihr möchtet – wie Herr Hoheisel neulich verlautbaren ließ – Euch mit mir „auf Augenhöhe“ austauschen? Dann habt Ihr jetzt noch einmal Gelegenheit dazu. Weil offen gestanden darüber bislang nur unverständlicher Kauderwelsch kommuniziert wurde. Könnte evtl. was mit dem fehlenden Mediendirektor zu tun haben. Ich habe es schlichtweg nicht verstanden. Aber wahrscheinlich liegt genau hierin die Antwort: mit jedem Kilometer, den ich mich von Köln entferne (derzeit 578km) geht mir ein Stück „Jeföhl“ verloren. Wahrscheinlich kann ich Euch von so weit weg einfach gar nicht mehr verstehen. Dann ist es doch auch besser, wenn ich gar nicht erst mitwähle. Einem Blinden gibt man ja auch keinen Führerschein. Ist doch logisch.
      Denn es ist ja doch so: wir müssen den Verein in Zukunft nicht als mitgliedergeführt verkaufen. Wir müssen nicht auf Gedeih und Verderb „spürbar anders“ sein. Wir können gerne darüber sprechen – ergebnisoffen – ob wir uns öffnen, unsere Seele verkaufen, uns prostituieren, taurinbasierte Energy-Drinks aus dem Champagnerkelch saufen und spürbar turbokapitalistisch rüberkommen möchten.
      Aber wenn hier weiterhin einer von der mitgliedergeführten Palme gewedelt werden möchte, dann tut mir doch bitte den Gefallen und nehmt zuallererst einmal Eure Mitglieder ernst. Ansonsten haben wir haben nämlich neben einem budgetären auch ein nicht weniger gewaltiges Glaubwürdigkeitsdefizit.“

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      • Inka sagte:

        @FC Neukoelln
        Gute Frage.
        Wir brauchen das mündige Mitglied, aber wie bekommen wir das Mitglied mündig? Mit der Eigenverantwortung, aber auch Pflicht eines jedes Mitgliedes zur Mitwirkung steht es leider nicht zum besten. Es hatten sich ca. 8.500 Mitglieder angemeldet, dabei waren tatsächlich ca. 6.000, zum Schluss hielten noch ca. 2.000 durch. Die Teilnehmerzahl war also eher enttäuschend und kam am Ende der von Präsenzveranstaltungen sehr nahe. Online ist also nicht alles.

        Das ist unbefriedigend und lässt sich meines Erachtens nur durch eine Urwahl für Vorstand und MR ändern. Jedem einzelnen Mitglied wird so die Stimmabgabe ermöglicht, auch wenn er gerade in Buxtehude oder auf den Philippinen ist. Politische Parteien machen das bereits und es funktioniert per Briefwahl, Stimmabgabe vor Ort oder als online Voting. Ich werde jedenfalls im Herbst einen entsprechende Antrag auf Satzungsänderung stellen. 2022 bei den nächsten Vorstandswahlen könnte das dann schon greifen. Damit wäre die Debatte um Präsenz, Hybrid oder Online mit all ihren teils widersinnigen Argumenten beendet. Eine Urwahl ist das fairste, demokratischste und umfassenste Meinungsbild der Mitglieder, das überhaupt möglich ist. Und wer will dem widersprechen? Wird es abgelehnt, brauchen wir nicht weiter zu diskutieren.
        Soll sich bewerben, wer will. Sind es zu viele Kandidaten, können die Mitglieder in einem Vorentscheid eine Vorauswahl treffen und das Feld auf z.B. maximal drei Teams begrenzen. Dann hätten wir echten Wahlkampf und eine wirkliche Auswahl. Das gut gemeinte Vorschlagsrecht des MR hat sich als Farce und Abschreckung für andere erwiesen. Wirkliche Demokratie sieht anders aus.

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