Das Podium des 1. FC Köln bei der MV 2021. (Foto: Thomas Faehnrich)

Vorstand auf Bewährung: Kommen jetzt die Veränderungen?

Sie haben es überstanden und dabei zumindest einen kleinen Sieg erringen können: Werner Wolf, Eckhard Sauren und Carsten Wettich bleiben der Vorstand des 1. FC Köln bis zum Ende der Amtszeit im Herbst 2022. Die Mitglieder haben dem Trio das Vertrauen ausgesprochen, wenngleich nur auf Bewährung. Die FC-Bosse müssen nun liefern und zeigen, dass sie verstanden haben: So wie bisher kann und darf es nicht weitergehen.

Eine kommentierende Analyse von Marc L. Merten

1. Die Wahlergebnisse

Die Entlastung des Vorstands mit 66 Prozent, die Wahl von Carsten Wettich mit 69,5 Prozent: Zwei Drittel der anwesenden Mitglieder hat dem FC-Präsidium das Vertrauen geschenkt. Das bedeutet aber auch: Ein Drittel der Mitglieder hätte das Trio am liebsten zum Teufel gejagt. Beide Wahlergebnisse sind deutliche Botschaften: In der aktuellen Situation des 1. FC Köln wäre es das noch viel größere Übel gewesen, dem Vorstand das Vertrauen zu entziehen und den Klub in ein komplettes Führungschaos zu stürzen. Stattdessen haben Wolf, Sauren und Wettich eine klare Aufgabe übertragen bekommen: Sie sollen den FC durch die Krise lenken und wieder Ruhe in den Klub bekommen.

2. Die Reden

Es waren 75 zähe Minuten, die die Mitglieder ausharren mussten, als Wolf, Sauren und Wettich an die Mikrofone traten und ihre Reden hielten. Wolf knapp über 20 Minuten lang, Sauren und Wettich je eine Viertelstunde, später zur Wahl dann noch einmal Wettich 20 Minuten lang: Reden gehört nicht zu den Stärken dieses Vorstands. Am Donnerstagabend wurde erneut überdeutlich, dass Kommunikation das größte Manko des Trios ist. Keiner kann begeistern, Menschen für sich einnehmen, mitreißen. Auch inhaltlich blieb vieles dünn und an der Oberfläche, verlor sich zwischenzeitlich in Wahlkampf-Propaganda für Wettich. Nur ab und an schimmerte etwas durch: Wolf gab sich gegenüber den Gremien-Kritikern kämpferisch. Sauren rückte manche Interpretation der sportlichen Entwicklung gerade. Wettich wurde nicht müde zu betonen, dass Investoren keine Option seien.

3. Die Versprechen

Am Ende betonten alle drei unisono: Die Mitglieder sollen den Vorstand daran messen, was in den nächsten 16 Monaten und damit in der zweiten Hälfte der Amtszeit passiert. Kurzum: Lernen die FC-Bosse wirklich aus ihren kommunikativen Fehlern? Verbessert sich wirklich das Vereinsklima? Und vor allem: Gelingt es ihnen wirklich, den Klub wirtschaftlich zu stabilisieren und nicht nur die Folgen der Corona-Pandemie zu überwinden, die Profi-Mannschaft sportlich zu stabilisieren, in der Bundesliga zu halten und den Kaderumbruch herbeizuführen, die vakanten Führungspositionen (Sportchef, Mediendirektor) qualitativ hochwertig zu besetzen und den Geißbockheim-Ausbau durchzusetzen? All dies voranzutreiben, haben Wolf, Sauren und Wettich den Mitgliedern als Teil ihres Sieben-Jahres-Plans versprochen.

4. Der heimliche Sieg

Neben dem offensichtlichen Sieg der Wahlergebnisse gelang dem Vorstand noch ein heimlicher Erfolg. Unmittelbar nach der Wahl von Carsten Wettich um halb zwei Uhr nachts wurde ein Antrag auf Verfahrensänderung genehmigt und von den Mitgliedern unterstützt, die Tagesordnungspunkte 12 und 13 auf die nächste Mitgliederversammlung zu verschieben. Neben der Allgemeinen Aussprache waren dies auch die diversen Anträge auf Satzungsänderung, denen der Vorstand mehrheitlich kritisch bis offen ablehnend gegenüber stand. Damit ist auch der sofortige Auftrag an den Vorstand vom Tisch, die Mitgliederversammlung immer hybrid stattfinden zu lassen. Vor der anstehenden Mitgliederrats-Wahl im Herbst ein politischer Umstand von großer Bedeutung. Der amtierende Vorstand und Mitgliederrat haben es nun selbst in der Hand, wie die MV im Herbst durchgeführt werden soll. Vorausgesetzt natürlich, die Pandemie nimmt bis dahin nicht noch einmal Fahrt auf und verändert die Bedingungen von Veranstaltungen erneut.

5. Die nächsten Schritte

Der Dialog mit den Mitgliedern und Fans soll ab sofort wieder vermehrt im Mittelpunkt stehen. Einerseits wird es schon bald wieder persönliche Treffen im Fan-Dialog geben, bei dem es Gesprächsbedarf gibt. Mehrfach kam der überharte Polizeieinsatz auf den Jahnwiesen zur Sprache, und es wurde deutlich, dass Mitgliederrat und Fans sauer sind, dass der Vorstand sich diesem Thema noch nicht angenommen hat. Andererseits wird es am 5. September das erste Treffen des Vorstands mit Mitgliedern geben, in dem es um den Sieben-Jahres-Plan und die Ausgestaltung der FC-Zukunftsstrategie gehen soll. Überdies taten sich in den Aussprachen Konflikte auf zwischen dem Mitgliederrat und dem Fanprojekt 1991. Auch dort wird der Vorstand wohl moderieren müssen. Viel kommunikative Arbeit also für Werner Wolf, Eckhard Sauren und Carsten Wettich, die sich vorgenommen haben, gerade in diesem Bereich besser zu werden.

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