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„Das ist unser Problem“: Baumgart zufrieden, aber…


Sechs Testspiele, vier Siege, zwei Unentschieden: Doch was sind die Duelle gegen die vornehmlich unterklassigen Gegner wert? Der 1. FC Köln hat auch am Samstag gegen Roda Kerkrade bewiesen, dass er unter Steffen Baumgart einen gänzlich anderen Fußball spielen will, als in den vergangenen Jahren. Doch birgt die Spielidee Gefahren, die kein einziger Gegner ernsthaft auf die Probe stellte.

Köln – Wie in der 37. Minute das 0:1 fiel, war perfekter Anschauungsunterricht für die Spieler des 1. FC Köln. Im Zentrum konnte ein Niederländer ohne Druck auf den Ball einen sehenswerten Pass auf die linke Außenbahn spielen. Rechtsverteidiger Kingsley Ehizibue war weit aufgerückt und damit aus dem Spiel. Der rechte Innenverteidiger Timo Hübers rückte zwar raus, aber zu spät, um die Flanke abzuwehren. Rafael Czichos konnte das Loch nicht mehr zu laufen, und der Torschütze hatte den Platz und die Technik, um die Hereingabe direkt zu verwehrten.

Kölns Problemzone wurde nicht gefordert

Ein perfekter Konter, „sensationell“ in Baumgarts Augen. Ein paar Konterchancen kamen in Hälfte zwei noch dazu, doch der Schuss zum 0:1 blieb der einzige Torschuss der Kerkrader – und zeigte gleich doppelt das Problem des FC. Einerseits war der niederländische Zweitligist mit diesem Angriff in der Lage, den FC mit einfachen, wenn auch gut ausgeführten Mitteln auseinanderzuspielen. Andererseits blieb dieser Angriff der einzig gut vorgetragene der Niederländer und forderte so die Geißböcke defensiv nie wirklich. Wie praktisch jeder andere Kölner Gegner der Vorbereitung.

Der Schwachpunkt des FC, auch schon in der letzten Saison (60 Gegentore), wurde in diesen ersten vier Wochen unter Baumgart in den Testspielen nie ernsthaft gefordert. Keine Bundesliga-Offensive legte die Schwachstellen offen. Keine Bundesliga-Stürmer mussten die FC-Verteidiger abwehren (außer Choupo-Moting und Zirkzee im Test gegen die Nachwuchs-Bayern). Keine spielerisch dominante Mannschaft stand den Kölnern gegenüber, auf die die Baumgart-Elf hätte reagieren und die sie hätte anlaufen und unter Druck setzen müssen. Insofern blieb auch der Kerkrade-Test ohne große Aussagekraft für die bevorstehenden Aufgaben in der Bundesliga.

Wir haben den Gegner nicht bestraft

Baumgart gab dies auch indirekt zu. Andere Mannschaften hätten die Konterchancen besser ausgespielt. Andere Mannschaften hätten wohl auch defensiv deutlich weniger zugelassen als Roda. Doch selbst gegen den niederländischen Zweitligisten hatte der FC nur ein Tor erzielen können. Trotzdem vieler Ballgewinne, trotz erfolgreicher Pressing-Phasen, trotz Dominanz in den Zweikämpfen und am Ball. „Wir müssen die Bälle, die wir gewinnen, noch häufiger in die Tiefe bringen und Kapital schlagen aus diesen Chancen“, monierte Baumgart. „Wir haben den Gegner nicht bestraft. Deswegen war Kerkrade im Spiel.“

Dennoch fiel Baumgarts Fazit nach vier Wochen Vorbereitung mit dem FC positiv aus. Die Spieler seien motiviert, würden die Vorgaben für die neue Spielidee annehmen. „Sie wollen marschieren. Es ist zu erkennen, wohin wir wollen.“ Aus diesem Wohin macht Baumgart keinen Hehl – auch nicht aus den damit verbundenen Risiken. „Wir wollen eine Pressing-Mannschaft sein. Das heißt, dass der Gegner uns auch auskontern kann, indem er nach innen kommt und uns dann überspielt. Das ist unser Problem.“ Genau so war Kerkrade zum 0:1 gekommen.

Jeder Ballverlust ist auch eine Chance

Baumgarts Lösung dieses Problems ist so einfach wie schwierig: noch aggressiveres Gegenpressing. „In diesen Momenten musst du die Zweikämpfe im Zentrum gewinnen und den Gegner für das bestrafen, was er dir dann anbietet.“ Der Gedanke dahinter: Jeder eigene Ballverlust, den ein Gegner in einen Konter verwandeln könnte, ist auch eine Chance für den FC. Wenn die Geißböcke es schaffen, den Ball sofort zurückzuerobern, bieten sich offensiv womöglich noch bessere Möglichkeiten. Was passiert, wenn das nicht gelingt, konnte man am Samstag in der 37. Minute beobachten. Was aber herausspringen kann, ebenso: Denn die guten Torchancen der Geißböcke hätten eigentlich für vier, fünf Tore reichen müssen. Was fehlte, war die Chancenverwertung. „Die kommt mit der Frische und der Klarheit“, ist sich Baumgart sicher. Und an dieser soll in der kommenden Woche gearbeitet werden, um im DFB-Pokal in Jena erstmals auf der Höhe des Geschehens zu sein.

6 Kommentare
  1. Ankerdensin sagte:

    Nun, es ist natürlich immer eine Risiko/Chancenabschätzung. Und eine offensive Spielweise spricht für attraktiven Fußball. Hatten wir ja lange nicht.
    Aber, wenn ich mir so die Gegentore anschaue, dann geht das in der Tat recht einfach. Und, das können sogar unterklassige Gegner ausnutzen. Kann man als sensationell bezeichnen, kann man aber auch fehlender Abstimmung zuschreiben oder ungestüm nennen. Ich hoffe, SB hat auch einen Defensivplan und ist sich nicht zu schade, ihn auch auszupacken. Ein wenig erinnert es mich an Alexander Zorniger, der auch offensiv dachte, ausschließlich. Credo: spiele lieber 3:4, als 1:0 zu gewinnen. Überspitzt war so das Motto in Stuttgart. Spektakulär, aber gescheitert, weil er nicht anders konnte oder nicht anders wollte.
    Ich bin gespannt, wie das bei uns aussieht. Ich hoffe, dass wir mit Abteilung Attacke einigen Mannschaften den „Stecker“ ziehen und Euphorie uns dann trägt. Ich hoffe aber auch, dass es, wenn nötig auch Beton ins Spiel kommen kann.
    Come on FC.

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  2. kalla lux sagte:

    Eure Wünsche teile ich, aber wen man sich Baumgarts Spielweise von SCP in der BL ansieht, kann man schon mal ins Grübeln kommen.
    Also ganz ehrlich, es sieht ja ganz nett aus dieses Offensivspiel.
    Aber effektiv ist da nichts, man spielt 88 Min auf ein Tor mit 1 Tor und einer Hand voll Chancen.
    Am auffälligsten war da noch MO und das ist schon zum Grübeln.
    Ich meine noch nicht mal unsere MS, nein eigentlich kommt da fast nichts von Aussen. Jedenfalls dann nicht, wenn es um Torgefahr geht. Und die Flanken sind auch eher LaLa.
    Und natürlich liegt es am Personal, Baumgart kann ja auch nicht zaubern.
    Solange Spieler wie Schmitz, Katterbach,Easy und Czichos (den ja der Saudi Coach anruft und der nicht blind sein kann) bei uns zum Stamm und erweiterten Stamm zählen, werden wir immer mir großen Abwehrproblemen zu kämpfen haben.
    Und so lange unser auffälligster Stürmer MO ist, werden wir auch ein Problem haben wenn es um das Tore Schießen geht.
    Noch ist Zeit nachzubessern, aber dann lieber investieren, wie Verlust Leihen.
    Den nur darauf hoffen, das wir noch einmal 2-3 Jugendspieler hochziehen und dann verkaufen ist ein Spiel mit dem Feuer. Hat in den letzten Jahren auch nur 1x bei Jacobs geklappt.
    Und unsere jetzigen Hoffnungsträger, sind ja auch erst einmal wieder bei den Jugend Mannschaften.
    Ich hoffe und wünsche Baumgart alles erdenkliche, aber ich bin leider sehr skeptisch, weil wir halt in der BL bestehen müssen und das er das kann, genau das hat Baumgart noch nicht bewiesen.
    Schauen wir mal.

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  3. Steffen Türk sagte:

    Genau gesagt, schauen wir mal!!!
    Am Ende des Monats sind wir schon einwenig schlauer , wenn die Spiele gegen Herta und Bayern gelaufen sind. Zu Not kann man Montag oder Dienstag nochmal auf dem Transfer Markt zuschlagen.
    Ich bin aber optimistisch das wir 1-3 Punkte aus den zwei Spieltagen holen können und das wäre schon ein kleiner Erfolg.

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