Ein Ausrutscher ist dazu da, sofort wieder aufzustehen


Wenn der 1. FC Köln am Sonntag im Rheinischen Derby die Werkself aus Leverkusen empfängt, treffen zwei Mannschaften aufeinander, die am vergangenen Wochenende ordentlich verhauen worden sind. Der FC wurde in Hoffenheim überrollt, Bayer Leverkusen vom FC Bayern. Für die Geißböcke muss die Pleite bei der TSG allerdings kein Grund zur Sorge sein.

Ein Kommentar von Marc L. Merten

Fünf Gegentreffer können recht schnell passieren. Für den FC in Sinsheim, für Leverkusen in nur 38 Minuten gegen die Bayern, zuvor aber auch schon anderen Teams – Hertha in Leipzig (0:6) und in München (0:5), Bochum in München (0:7), Fürth in Stuttgart (1:5) und Frankfurt in Dortmund (2:5). Die Frage ist immer nur: Wie reagiert eine Mannschaft nach einem solchen Spiel auf die Klatsche?

Guter Saisonstart als Faustpfand

Am kommenden Sonntag treffen mit Köln und Leverkusen zwei Teams direkt aufeinander, die ihre Rückschläge wiedergutmachen wollen. Die Geißböcke können dabei trotz des Euphorie-Dämpfers auf die Unterstützung von 50.000 Fans setzen. Man darf davon ausgehen, dass Steffen Baumgart seinen Spielern deutlich machen wird, dass darin die große Chance liegt – aus dem Wechselspiel zwischen Rasen und Rängen die Kraft für einen Derbysieg zu generieren und das 0:5 in Hoffenheim hinter sich zu lassen.

Doch weder Fans noch Verein müssen sich nach der Niederlage vom Freitag Sorgen machen. Der FC blieb zwar in jeder Hinsicht weit hinter dem zurück, was man in den Wochen zuvor gesehen hatte. Läuferisch, kämpferisch, taktisch, spielerisch. Doch der FC weiß auch, wie und vor allem dass es besser geht. Eine solche Leistung direkt zu Saisonbeginn wäre besorgniserregend gewesen. Doch eine solche Leistung nach bereits zahlreichen erfolgreichen Wochen war zwar enttäuschend, aber kein Beinbruch.

Die Spieler wissen, was zu tun ist

Vielmehr müssen sich die Profis nur daran erinnern, welche Tugenden sie in den Spielen zuvor erfolgreich gemacht hatten. Sie müssen abrufen, was sie schon mehrfach gezeigt haben. Zweifel sind ebenso unangebracht wie Schwarzmalerei ob der kommenden Gegner (Leverkusen, Stuttgart, Dortmund). Die Spieler wissen vielmehr, was zu tun ist. Wer gegen Leipzig eine derartige Show bietet, wer in München nach einem 0:2 noch mal zurückkommt und wer daheim noch kein Spiel verloren hat, kann auf genügend positive Erinnerungen zurückgreifen, um einen Ausrutscher als solchen zu behandeln und sofort wieder aufzustehen.

13 Kommentare
  1. Haarspalta sagte:

    Sehr richtig. Diese Niederlage kann sogar heilsam sein, wenn man die richtigen Lehren daraus zieht. Wenigstens ist damit der Hype erstmal gedämpft.
    Was dann in den letzten Tagen hier im Forum los war, spottet natürlich jeder Beschreibung. Solche Spiele sind nunmal bei Baumgart eingepreist. Das war in Paderborn genauso, nur öfter.

    Es ist auch nur logisch, weil das System weniger auf ausgeklügelter Taktik basiert als auf Kampf, Einsatz und Motivation. Das ist aber kaum aufrecht zu halten, wenn man erstmal 3:0 zurückliegt.
    Dazu kamen personelle und taktische Fehleinschätzungen (Raute gegen 352, Özcan als alleinige Sechs), die vom Gegner sauber ausgenutzt wurden. Von den unersetzbaren Ausfällen ganz zu schweigen.
    Baumgart ist ein Supertyp, aber eben kein Klopp.

    Insofern muss man das alles jetzt intern analysieren und die gleichen Fehler nicht wiederholen. Aber man muss auch realistisch genug sein und einsehen, dass solche Packungen mehrmals pro Saison passieren werden. Davon geht die Welt nicht unter, wenn man ansonsten Ergebnisse wie an den Spieltagen zuvor einfährt.

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  2. Hennes48 sagte:

    Alles richtig, aber ich bin schon der Überzeugung, dass man in Hoffenheim nicht mit zwei 9ern und nur einem 6er spielen muss. Bei den Ausfällen wurde die gesamte Statik auf diese Weise quasi „vorsätzlich“ zu stark geschwächt.
    Und wenn nun mit Leverkusen eine offensiv richtig starke Truppe kommt, dann muss man auch nicht wieder „blindlings“ ins offensive Verderben rennen. Es sollte schon noch taktische Varianten geben, die eine defensive Stabilität zumindest möglich machen. Dieses „Einpreisen“ von hohen Niederlagen kann man ansonsten auch als klare falsche taktische Grundausrichtung im Vorfeld deklarieren.
    Ich meine damit, dass es doch auf diesem Niveau mehr geben muss, als ein „entweder oder“…

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    • Kurti sagte:

      @Hennes48

      Es ist bei Baumgarten aber scheinbar nicht vorgesehen, sich auf den Gegner einzustellen, es soll der eigene Spielstil durchgedrückt und immer auf Sieg gespielt werden.
      Hat ja auch gegen zB Bayern und Leipzig gut geklappt, was die Möglichkeit angeht, das Spiel zu gewinnen und vor allem nicht abschlachten zu lassen.

      Beim Spiel am Freitag war von diesem Einsatz, Kampfwille und Laufbereitschaft wenig zu sehen. Das finde ich erstaunlich und hat auch nicht mit den 3 Ausfällen zu tun, auch wenn die natürlich für den FC sehr wichtig sind.

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      • Boom77 sagte:

        Das „Durchdrücken des eigenen Systems“ ist aber schwer in Einklang zu bringen mit den Aussagen Baumgarts nach dem Spiel. Da war er sehr selbstkritisch auch sich selbst gegenüber. Das spricht dagegen, dass er seine Taktik zukünftig nicht auf den Gegner ausrichtet. Zumal er das durchaus schon getan hat (z. B. gegen Leipzig).

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  3. kalla lux sagte:

    Eigentlich ist es zu früh, es als Ausrutscher darzustellen.
    Es bleibt abzuwarten ob es nur ein „AUSRUTSCHER“ war. Die nächsten Spiele werden es zeigen und waren von vorne herein nicht „EINFACH“.
    Eigentlich ist es auch egal, ob es mal Klatschen gibt.
    Was mich etwas skeptisch macht ist, das ganze hat eigentlich mit den Kleeblättern schon angefangen.
    Der Unterschied zwischen den 2 Mannschaften hat eben 4 Tore mehr und 0 unsererseits ausgemacht.
    Es nur damit abzutun es war ja nur das eine Spiel ist in meinen Augen einfach nicht richtig!
    Das schlimme gegen SAP war aber eigentlich, das wir keinen Fussball mehr gespielt haben.
    Da wurde wieder ohne Laufleistung versucht etwas zu erreichen.
    Wen man aber mit 5 Offensiven spielt, die dann eher ab der Mittelline das zurücklaufen einstellen, haut das nicht hin. Das war aber wie gesagt auch gegen die Kleeblätter so!
    Und natürlich kann man auf das Positive zurückgreifen.
    Das hat man nach Gisdols Serie auch immer getan, gebracht hat es ……
    Trotz allem traue ich SB viel mehr zu als Gisdol.
    Allein Mental hat er schon Anfang der Saison gezeigt was man mit Teamgeist und Selbstvertrauen erreichen kann. Nur dürfen diese Dinge bitte nicht verloren gehen!

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  4. Kurti sagte:

    Realistisch betrachtet sind in der Liga 5-6 Mannschaften gegen die der FC grundsätzlich keine Chance hat, da haushoch überlegen.
    Was bisher wenig Erwähnung fand erwähne ich jetzt mal.
    Der FC hatte 2 mittelmäßige Torchancen, das war alles. Das hat mich schon verwundert.
    Ebenso die Tatsache wie leicht die Gegentore fielen, da herrschte teilweise Überzahl, aber keine Gegenwehr.
    Trotzdem hat der FC immer noch 12 Punkte und steht sehr gut da.
    Diese Saison und nächste Saison kann auch nur dazu dienen, in der Liga zu bleiben, die Finanzen zu ordnen und einen leistungsstarken Kader zu formen.
    Wenn der FC es nicht schafft, mal wieder so 10 Spielzeiten hintereinander in der Liga 1 zu spielen, wird es so weiter gehen wie in den letzten rund 20 Jahren auch nach dem ersten Abstieg.

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    • Truebe Tasse sagte:

      Erst mal 5 Jahre 1. Liga am Stück wäre schon geil. Das gab es in diesem Jahrtausend noch nicht in Köln. Nach 4 Saisons war spätestens Ende der Bundesligafahnenstange. Aber selbst lange 1. Liga zu spielen spült einen nicht automatisch nach oben. Mainz und Augsburg sind mittlerweile über 10 Jahre oben und deren Ambitionen sind immer die selben: nicht absteigen.

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      • Gerd1948 sagte:

        Es spielt keine Rolle wieviel Jahre man jetzt vorgibt in der Liga bleiben zu wollen, denn wenn Entwicklung stattfindet läuft der FC wenigstens Mannschaften weg, die sich noch keinen Sponsor zugelegt haben mit Susnahme von Gladbach, die erst mal kurzfristig für uns nicht erreichbar sind. Entwicklung macht man nicht nur an Tabellenplätzen fest. Es entsteht Fundament hinsichtlich der Tatsache, dass wir jedes Jahr 1-2 verkaufen müssen.

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    • Gerd1948 sagte:

      Genau Kurti, das war auch für mich das erschreckende, dass erstens keine Chancen erspielt wurden und schlimmer noch Abwehrspieler nicht mehr agieren sondern zu Salzsäulen erstarren. Wie gesagt, man muss abwarten, ob das jetzt „mal“ ein schwacher Tag war, weil vllt Leitwölfe fehlten, die sehr wohl Anweisungen geben oder ob eine gewisse Müdigkeit im Kopf Einzug erhält. Ich denke da kam durch die dumme Länderspielpause schon vieles zusammen, obeohl ich nicht vergesse, dass man auch gegen Fürth die Power nicht mehr hatte.

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  5. Kai sagte:

    Ob das ein Ausrutscher war oder die ligaweite Entzauberung des SB-Stils, müssen die nächsten Spiele zeigen.
    Dass es Baumgarts Ziel ist, sowohl Modeste als auch Andersson aus ihren Tiefs herauszuholen, ist mindestens wirtschaftlich vernünftig, sportlich zumindest die Mühe wert und insgesamt lobenswert. Es ist mir aber unerfindlich, wieso beide gleichzeitig auf dem Platz stehen. Das Anlaufen zumindest von Andersson finde ich halbherzig, das von Modeste nur selten effizient. Wenn beide überspielt sind, fehlt im Mittelfeld ein schnell(er)er Abfangjäger. Bei FC-Angriffen gibt es zwischen Modeste und Andersson keinerlei nutzbringendes Zusammenspiel, sondern einer von beiden wird immer zum passiven Zuschauer.
    Was ich auch nicht verstehe, ist das häufige Hintenrumspielen bei Abschlägen oder nach abgefangenen Angriffen des Gegners am FC-16er. Unsere Verteidiger sind nun wirklich nicht die passsichersten, dazu Timo Horn, der wohl nie sicher mit dem Fuß passen können wird. Die Absicht, den Gegner aus der eigenen Hälfte zu locken und Räume für eigene überfallartige Angriffe zu starten, ist plausibel. Mein Eindruck ist jedoch, dass dabei so viel Konzentrationsleistung nötig ist, um Böcke wie den von Czichos zu vermeiden, dass es an Konzentration beim vorrangig wichtigen Verteidigen dann fehlt.
    Eine gute Alternative zu Baumgarts Taktik kann ich leider nicht bieten (nur lange Bälle nach vorn wäre der alte FC reloaded). Ich habe jedoch Zweifel, ob unsere Defensivspieler bei Passen in Bedrängnis noch hinreichend Entwicklungspotenzial haben, um die Taktik weniger riskant zu machen.

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