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„Sie sehen mich lächeln“: Todernster Baumgart macht Köln froh


Sieben Spiele, zwölf Punkte: Der 1. FC Köln hat sich mit einem beeindruckenden Saisonstart zunächst in der oberen Tabellenhälfte festgesetzt. Die Geißböcke sind unter Steffen Baumgart seit nun schon fünf Spielen ungeschlagen. Und der FC-Trainer? Der begegnet dem Lauf seiner Mannschaft mit trockenem Humor.

Köln – Die Fans des 1. FC Köln haben bereits den nächsten Job für ihren Trainer gefunden: „Steffen Baumgart wird Kanzler“ erschallte es in der zweiten Halbzeit aus der Südkurve. So mancher sagt, Jürgen Klopp würde sofort gewählt, sollte er jemals eine eigene Partei gründen. In Köln scheint Steffen Baumgart die besten Karten zu haben.

Es braucht andererseits nicht viel, um sich vorzustellen, dass Baumgart in der Politik wahnsinnig werden würde. Der FC-Coach sagt, was er denkt, ist geradeaus und ehrlich, ein Teamplayer und in dieser Rolle demütig – große menschliche Qualitäten, die ihn in der häufig verlogenen Welt aus politischen Machtspielen wohl unglücklich machen würden.

Abgesehen davon würde wohl so mancher Polit-Profi sein blaues Wunder erleben bei der trockenen Art des Rostockers. „Jetzt kommen wir alle mal wieder runter“, sagte der FC-Coach am Freitagabend zu den Kanzler-Gesängen. „Dieses Spiel hat die Emotionen der Menschen verdient. Das Kanzleramt kann noch ein bisschen warten.“

Das werden wohl auch die FC-Fans so sehen. Denn sie wollen schon jetzt ihren Trainer am liebsten nie wieder gehen lassen. Der 49-jährige hat den FC in kürzester Zeit umgekrempelt. Mit seiner offensiven Spielidee in Verbindung mit seiner emotionalen Art kam Baumgart offenbar zum perfekten Zeitpunkt nach Köln: nach mehreren Jahren sportlicher Armut, nach über einem Jahr Corona-Pandemie ohne Fans. In Köln sehnten sich die Fans und offenbar auch die Spieler nach einem Weckruf. Sie haben ihn bekommen.

Als aus einem todernsten Blick ein Schmunzeln wird

Und Baumgart liefert bislang ab: sieben Spiele, drei Siege, nur eine Niederlage, zwölf Punkte und vorübergehend Rang sechs. Eine Bilanz, aber vor allem eine sportliche Gesamtleistung zum Saisonstart, die auch den FC-Trainer positiv stimmt. „Die Jungs arbeiten gut, die Jungs marschieren gut“, sagte Baumgart. „Wir suchen unseren Weg ergebnisunabhängig. Das will ich sehen.“

Und dann sagte er etwas, das wohl zu keinem anderen Trainer passt: „Wir sind auf einem sehr guten Weg, wir machen noch Fehler und die werden wir auch weiter machen – aber insgesamt sehen Sie mich lächeln.“ Der todernste Blick, den Baumgart dabei im Gesicht trug, verzog sich erst nach einigen Sekunden zu einem Schmunzeln. Dann schob Baumgart nach: „Ja, innerlich. Alles gut.“ Alles gut beim 1. FC Köln – nach sieben Spieltagen gilt das in jedem Fall.

5 Kommentare
  1. ichfreuemich sagte:

    Was für ein geiler Trainer. Wer sogar bei Skihri nach dieser Leistung noch Verbesserungspotential sieht, schreibt sich auf die Fahne, wirklich jeden Spieler verbessern zu wollen. Wenn man z. B. sieht, was Baumgart aus dem viel geschmähten Schmitz gemacht hat, dann kann man erkennen, dass er keine hohlen Phrasen drischt, sondern der beste FC-Trainer seit einigen Jahrzehnten ist.

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