1.FC Köln, LanxessArena, Mitgliederversammlung, (1. FC Köln), 06.11.2021, Bild: Herbert Bucco Herbert Bucco

Die große Enttäuschung: Ist der FC wirklich nur so klein?

Der 1. FC Köln rühmt sich mit einer neuen Rekord-Mitgliederzahl: 114.658 Fans haben sich den Geißböcken vertraglich verschrieben und gehören zur großen FC-Familie. Seit Samstag steht sogar fest, dass niemals auch nur ein Prozent der Anteile am Klub verkauft werden wird, solange es die Mitglieder nicht ausdrücklich wollen. Doch das Interesse an diesen Vorgängen innerhalb des sich ständig als Mitglieder-geführten Vereins preisenden FC sind offenbar gering. Die Mitgliederversammlung am Samstag war in dieser Hinsicht eine große Enttäuschung.

Ein Kommentar von Marc L. Merten

Sie fand an einem Samstag statt. Sie fand im Vorfeld eines Heimspiels statt. Sie begann so früh, dass sie zu einer anständigen Zeit zu Ende sein würde, statt unter der Woche bis tief in die Nacht zu gehen. Und dann war es sogar noch möglich, nicht nur vor Ort teilzunehmen, sondern virtuell – es war die erste hybride MV der Vereinsgeschichte.

Das Positive dieser Mitgliederversammlung am Samstag war, dass die virtuelle Teilnahme im Verhältnis zu den Menschen vor Ort in der Lanxess Arena rege genutzt wurde – in der Spitze waren fast viermal so viele Mitglieder online dabei als in der Halle in Köln-Deutz. Ohne diese Maßnahme wäre die Teilnehmerzahl also noch einmal viel geringer gewesen als ohnehin schon. Doch insgesamt waren die Teilnahme und das Interesse der Mitglieder an der MV enttäuschend.

Nur 2,3 Prozent der Mitglieder

In der Spitze waren gerade einmal 524 Mitglieder in der Lanxess Arena vor Ort gewesen. Das Höchstmaß an virtuellen Teilnehmern belief sich auf 2.151 Mitglieder. Insgesamt waren also nicht einmal 2.700 der insgesamt 83.810 stimmberechtigten FC-Mitglieder an der Mitgliederversammlung anwesend. Auf die Gesamtmitgliederzahl von inzwischen insgesamt 114.658 FC-Mitglieder gerechnet, nahmen also gerade einmal 2,3 Prozent der FC-Mitglieder an der MV teil.

Das enttäuschte dann auch Werner Wolf und den FC-Vorstand. “Demokratie ist anstrengend”, sagte der Präsident in seinen Schlussworten am Samstag. “Aber wenn ich das sagen darf, finde ich es schade, dass nur so wenige Mitglieder heute gekommen sind.” Eine gähnend leere Lanxess Arena, die sich die Geißböcke jedes Jahr aufs Neue viel Geld kosten lassen. Diesmal blieb sie nahezu verweist.

Vorstand und Mitgliederrat sind jetzt gefragt

In Teilen war dies freilich der Corona-Pandemie geschuldet. Manche Mitglieder wählten ein virtuelle Teilnahme, um sich nicht in einem geschlossenen Raum mehreren Hundert oder gar Tausend Menschen auszusetzen. Doch insgesamt zeigten die allermeisten Mitglieder kein Interesse an dem, was einen Mitglieder-geführten Klub ausmacht: Diskussion und Mitbestimmung in Gremien-, Satzungs-, Investoren- und anderen Fragen, deren Beantwortung darüber entscheiden, in welche Richtung sich der Klub in den nächsten Jahren entwickeln wird.

Vorstand und Mitgliederrat werden nun analysieren müssen, woran dieses geringe Interesse gelegen hat. Sie stehen für einen aktiven Mitglieder-Dialog und für das breite Mitbestimmungsrecht aller FC-Mitglieder. Dafür bedarf es aber mehr als nur des Vorhabens. Vorstand und Mitgliederrat müssen wieder einen Zugang zur Basis finden, denn die Kommunikation mit den Mitgliedern wurde in den letzten zwei Jahren zurecht hart kritisiert. Dazu hat die Corona-Pandemie den Klub noch einmal weiter von seinen Fans entfernt.

Zwei Vorhaben in 2022 mit den Mitgliedern

Diesen Graben wieder zuzuschütten und Wege der Mobilisierung zu finden, wird eine der Kernaufgaben der Vereinsgremien sein. Vor allem dann, wenn im nächsten Jahr mehrere wichtige Entscheidungen anstehen: Der Vorstand will einerseits zusammen mit möglichst vielen Mitgliedern die Stimme gegen die Kölner Stadtpolitik erheben. Andererseits wird der Mitgliederrat nächstes Jahr einen neuen Vorstand vorschlagen und dessen Wahl von so vielen Mitgliedern wie möglich legitimieren lassen. Dafür braucht es mehr Menschen als am Samstag. Dafür braucht es einen anderen Weg als den, den die Geißböcke zuletzt bestritten haben.

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