,

Investoren: Mitglieder entscheiden nun ab dem ersten Prozent


Die Mitglieder des 1. FC Köln haben einer Satzungsänderung zugestimmt und dafür gesorgt, dass künftig keine Anteile am FC ohne die Zustimmung der Mitgliederversammlung getätigt werden können. Einzig eine Klausel auf Notverkauf lässt eine Hintertür offen, diese aber nur im Falle einer drohenden Insolvenz. Damit erfüllten Vorstand und Mitgliederrat ein Wahlversprechen.

Köln – Auf der Mitgliederversammlung des 1. FC Köln e.V. am Samstag haben die Mitglieder einen Antrag auf Satzungsänderung, eingereicht durch den Vorstand und den Mitgliederrat, zugestimmt. Insgesamt 92,04 Prozent und nominell 1.746 Mitglieder stimmten für die neue „Investoren-Klausel“. Nur 151 Mitglieder stimmten dagegen.

Die neue Satzung besagt, dass Anteile an der Spielbetriebsgesellschaft 1. FC Köln GmbH & Co. KGaA künftig nur noch von der Mitgliederversammlung als höchstes Organ der 1. Fußball-Club Köln 01/07 e. V. genehmigt werden können. Bislang hätte der Vereinsvorstand selbständig bis zu 24,9 Prozent der Anteile verkaufen können. Künftig entscheiden die Mitglieder ab dem ersten Prozent.

Not-Klausel bei 12,5 Prozent

„Niemand außer den Mitgliedern hat das Recht, über Anteilsverkäufe beim 1. FC Köln zu entscheiden“, hatte Präsident Werner Wolf zuvor erklärt. „Kein Vorstand darf diesen Schritt eigenmächtig unternehmen. Die Mitglieder sollen jedem Verkauf zustimmen müssen, und zwar ab dem ersten Prozent.“ Dies sah die überwältigende Mehrheit der Mitglieder genauso.

Eine entscheidende Klausel jedoch beinhaltet die neue Regelung: Sollte der FC in eine finanzielle Notlage geraten und die Gefahr einer Insolvenz bestehen, hätte der Vorstand des 1. FC Köln nach Rücksprache mit dem Mitgliederrat die Möglichkeit, bis zu 12,5 Prozent der Anteile als „Notverkauf“ zu tätigen, um den Spielbetrieb der Lizenzspielerabteilung aufrecht zu erhalten und eine Insolvenz abzuwenden.

Wir sind massiv dabei, den FC auf moderne Füße zu stellen

Diese Klausel sieht auch vor, dass der Vorstand in einem solchen Fall den Notverkauf triftig begründen müssten. Gleichzeitig würden sie persönlich haften, sollten sie diese Klausel leichtfertig ausnutzen, um Anteile zu verkaufen. Wolf betonte, dass der FC die Corona-Krise gerade noch ohne Anteilsverkäufe bestanden hätte, jedoch keinen Platz für weitere Fehler hätte.

„Wir sind massiv dabei, den FC auf moderne Füße zu stellen“, sagte Wolf. „Wir dürfen uns keine Sekunde ausruhen. Corona hat viel Zeit, Energie und Geld gekostet. Wir müssen 73 Millionen Euro Umsatzverlust auffangen. Wir werden alles geben, um die richtigen Lösungen zu finden. Das ist bislang ganz gut gelungen.“ Jetzt sei die Zeit, „die Weichen für eine bessere Zukunft zu stellen und Strukturen zu schaffen, die den FC nachhaltig nach vorne bringen.“Auch mit der Satzungsänderung soll dies gelungen sein.

5 Kommentare
    • Haarspalta sagte:

      Der letzte Rest gesunder Menschenverstand?

      Kein Investor wird sich eine Abstimmung der Mitglieder über sein Engagement antun. Da würde schon im Vorfeld soviel verbrannte Erde produziert, dass selbst ein positives Abstimmungsergebnis unerheblich wäre.

      Meinetwegen kann man grundsätzlich gegen Investoren sein, aber dann soll man auch die Eier haben, das wörtlich in die Satzung zu schreiben.

      Kommentar melden
      • Gerd1948 sagte:

        Bei dem letzten Satz pflichte ich dir natürlich bei.
        Wenn ein Investor aber nicht nur seinen schnellen Profit ins Kalkül zieht, sondern ihm der Verein auch am Herzen liegt, sollte ihm verbrannte Erde letztendlich egal sein. Der Ruf eines Investors hängt sowieso nach und nach nur von ihm selbst ab. Meist steht und fällt er allein schon durch ein Mitspracherecht. Wenn das der Beweggrund der 151 war, dann handeln sie für mich einfach nicht im Sinne des Vereins, darum muss es aber in erster Linie gehen.

        Kommentar melden
  1. FC Neukoelln sagte:

    Sind das dann dieselben Mitglieder, welche sich gestern deutlich gegen die Fortsetzung hybrider JHVs ausgesprochen haben – über 500 davon somit übrigens online gegen künftige Online-Abstimmungen abstimmend? Ganz ehrlich: mir fehlen hier nach wie vor die Worte. Das ist ähnlich erschreckend, wie weltweit in zunehmender Regelmässigkeit im Rahmen demokratischer Wahlen Autokraten wie Trump, Erdoğan, Orbán oder Bolsonaro gewählt werden, deren feste Absicht es ist, das Gesetz in Richtung eigenem Machterhalt zu verbiegen und demokratische Wahlen in Zukunft zu verhindern. Ich wähle, damit ich in Zukunft nicht mehr wählen darf und bejuble dabei auch noch frenetisch ebenjene Autorität, welche mich sehenden Blickes meiner Rechte beraubt. Das ist Stockholm-Syndrom in Vollendung – die leidenschaftliche Verschwisterung mit meinem Peiniger bis hin zur vollständigen Selbstaufgabe. Wow.

    Damit ich nicht falsch verstanden werde: ich toleriere das Ergebnis dieser Wahl – natürlich tue ich das. Dennoch widerspreche ich ihrem Ergebnis vehement. Irrationaler gehts kaum. Man wundert sich stets, warum ein Grossteil der Amerikaner vollkommen resistent zu sein scheint gegen die logische und vernunftbasierte Argumentation, dass weniger Waffen auch weniger Amokläufe bedeuten. Sämtliche Statistiken im Vergleich zu Ländern mit restriktiven Waffengesetzen beweisen dies himmelschreiend. In Deutschland verfolgen wir eine ähnliche Dynamik im übrigen mit dem haarsträubend wirklichkeitsfernen Widerstand gegen Tempo 130 – deutlich weniger Verkehrstote, deutlich weniger Umweltbelastung bei vergleichsweise geringem Reisezeitverlust… alles für die Katz.
    Ich zweifle dies gar nicht grundsätzlich an und bin offen für eine konstruktive Debatte mit allen Pros und Contras – aber wir haben gestern das ohnehin bereits massiv vorhandene Mitspracherecht ebenjener Mitglieder nochmals verstärkt, die in Teilen soeben erst den Nachweis hinterlegt haben, dass sie an Mitsprache überhaupt nicht interessiert sind. Und das stimmt in seiner Gesamtbetrachtung bedenklich.

    Ich stelle mal eine Steile These auf: ein nicht geringer Teil der Mitglieder des 1. FC Köln ist an Lösungen für das Gestalten einer erfolgreichen Zukunft überhaupt nicht interessiert. In seiner ewigen Rückwärtsgewandtheit zieht man es vor, wehmütig die Glorie vergangener Tage zu besingen, anstatt zeitgemässen Veränderungen offen gegenüber zu stehen. Ob dies „Standort Müngersdorf unverhandelbar“ ist oder das erneut zementierte Festhalten an einem angeblich alternativlosen Verbleich des GBH im Grüngürtel – Loreley, ick hör Dir trapsen. Bezeichnend für das eigentliche Wesen des kölschen Urfans war die gestrige Schilderung des Deutschen Amateurmeisters von vor 40 Jahren, der uns allen jetzt endlich mal erklärt hat, wie man eine Whatsapp-Gruppe gründet.

    „Wir sind massiv dabei, den FC auf moderne Füße zu stellen“, sagte Wolf. Demnächst gibts in der Geschäftsstelle wahrscheinlich sogar Internet. Es haben aber bereits erste Bürgerinitiativen gegen das Aufstellen von 5G-Sendemasten ihren Protest angekündigt.

    Kommentar melden
    • FC Neukoelln sagte:

      PS: auf der anderen Seite – es wäre gestern, an einem herbstlichen Samstagnachmittag – zur Fussballfan-Primetime also – jedem der knapp 80.000 wahlberechtigten Fans möglich gewesen, hier ein Ausrufezeichen für echte Demokratie zu setzen und für das vorwärtsgewandte Format hybrider JHVs zu stimmen. Haben sie aber nicht. Es kamen noch nicht einmal 2.000 Interessierte zusammen, die sich mehrheitlich dagegen entschieden.

      Jeder Verein hat genau die Fans, die er verdient.

      Kommentar melden

Hinterlasse einen Kommentar

Willst du an der Diskussion teilnehmen?
Mache mit!

Schreibe einen Kommentar