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Verluste und Finanzkniffe: So viele Schulden hat der 1. FC Köln


Die Corona-Pandemie wird den 1. FC Köln bis zum Ende der laufenden Saison 2021/22 rund 73 Millionen Euro gekostet haben. Alleine in der zurückliegenden Saison 20/21 betrugen diese rund 41 Mio. Euro und führten zu einem zwar auf den ersten Blick erträglichen Jahresverlust von 3,9 Mio. Euro – aber nur, weil der FC bilanziell zahlreiche Kniffe anwenden musste. Das bestätigte Geschäftsführer Alexander Wehrle auf der Mitgliederversammlung am Samstag.

Köln – Auf den ersten Blick lesen sich die Kennzahlen, die Wehrle am Samstag den Mitgliedern für die abgelaufene Saison 2020/21 des 1. FC Köln präsentierte, gar nicht so schlecht. Der Umsatz belief sich auf 140,6 Mio. Euro und übertraf damit die Vorsaison überraschend um 18 Mio. Euro. Der Verlust fiel mit 3,9 Mio. Euro im Vergleich zum Vorjahr (minus 23,8 Mio. Euro) gering aus. Und das Eigenkapital stieg sogar von 14,8 auf 16,9 Mio. Euro. Alexander Wehrle sprach in einer ersten Stellungnahme von einem „sehr stabilen Eigenkapital“.

So hoch waren die Verluste in 2020/21 wirklich

Doch die Wahrheit liegt tiefer – und sie zeigt das Ausmaß, wie schwer die Corona-Effekte und die vertraglichen Belastungen der letzten Jahre den FC im Mark getroffen haben. Denn ohne massive Eingriffe und Korrekturen in die Bilanz wäre der 1. FC Köln in der letzten Saison nur schwer überlebensfähig gewesen.

Zur Erinnerung: Die Saison 2020/21 umfasste eine vollständige Spielzeit…

  • ohne Zuschauer und mit Verlusten aus 17 Heim-Geisterspielen in der Bundesliga in Höhe von minus 30 Mio. Euro,
  • mit millionenschweren Rückgängen im Merchandising und Caterina in Höhe von minus 13,8 Mio. Euro,
  • mit 4,3 Mio. Euro Mindereinnahmen bei den TV-Geldern aufgrund von DFL-Rabatten an die Rechteinhaber
  • sowie mit einer sportlichen Talfahrt des FC, die zu einer Trainer- und einer Manager-Entlassung führten, die den FC über zwei Mio. Euro an Abfindungen kostete.

Kein Wunder, dass der FC bei diesen rund 50 Mio. Euro Verlusten gegensteuern musste.

Diese Finanzkniffe sicherten das Überleben

Weil zwar 18 Mio. Euro an Transfereinnahmen generiert wurden (davon 15 Mio. Euro durch Cordoba), aber auch 16 Mio. Euro für neue Spieler ausgegeben wurden (Andersson, Duda, Limnios), bedurfte es dreier Maßnahmen, um den FC finanziell durch die Saison zu bringen und für die nächsten zwei Jahre bilanziell überlebensfähig aufzustellen:

  1. Erstens sammelte der FC über die Genussrechte insgesamt sechs Millionen Euro an Mezzanine-Kapital ein.
  2. Zweitens wurden die Catering-Rechte im RheinEnergieStadion auf knapp über 20 Mio. Euro bewertet und an die Beteiligungsgesellschaft des 1. FC Köln eingelegt, was als Sacheinlage in die Bilanz eingehen konnte.
  3. Drittens zog der FC die Einnahmen aus künftigen Sponsoring-Verträgen aus den Spielzeiten 2021/22 und 2022/23 in Höhe von 14,6 Mio. Euro in die Saison 20/21 vor – eine Maßnahme, die automatisch zu Mindereinnahmen in den betreffenden kommenden Spielzeiten führen wird.

Nur so konnte der FC überleben, wenngleich insbesondere das Vorziehen der Sponsoring-Einnahmen wiederum ein Loch in die Spielzeit 21/22 reißt, das einzig deshalb nicht so ins Gewicht fallen dürfte, weil die Geißböcke das RheinEnergieStadion schon jetzt wieder mit 50.000 Zuschauern ausverkaufen können.

So setzen sich die Schulden zusammen

Doch klar ist auch: Das zinstragende Fremdkapital, also die relevanten, stetig zurückzuzahlenden und zu verzinsenden Schulden belaufen sich inzwischen wieder auf 39,9 Mio. Euro und sind im Vergleich zum Vorjahr um 13,5 Mio. Euro angestiegen. Insgesamt haben die Geißböcke fast 25 Mio. Euro Schulden bei Banken (davon 14,25 Mio. Euro durch die Landesbürgschaft).

10,8 Mio. Euro sind noch aus den Anleihen übrig. Noch nicht beglichene Rechnungen, z.B. durch ausstehende Transferzahlungen, belaufen sich auf 19,4 Mio. Euro (dem gegenüber stehen jedoch auch Forderungen des FC gegenüber anderen Klubs). Und schließlich kommen die sechs Mio. Euro Genussscheine oben drauf, die zwischen fünf und sieben Jahre Laufzeit haben und mit Zinsen bedient werden müssen, sobald der FC wieder Gewinn macht.

Belastung konnte nur durch Sondererträge abgemildert werden

„Die Auswirkungen der Corona-Pandemie haben den 1. FC Köln viel Substanz gekostet“, gab Wehrle am Samstag zu. „Diese enorme finanzielle Belastung konnte nur durch Sondererträge abgemildert werden.“ Der FC-Geschäftsführer betonte jedoch, dass „die Finanzierung der laufenden Spielzeit gesichert“ sei und die Saison 21/22 zwar erneut ein negatives Ergebnis bringen werde, dieses jedoch das bestehende Eigenkapital nicht in Gänze auffressen werde.

Alle wichtigen Zahlen im Überblick (in Mio.)

KENNZAHLEN2020/212019/202018/19
LigaBundesligaBundesligaZweite Liga
Jahresumsatz140,6122,5114,6
Ergebnis vor Steuern-2,3-24,82,4
Ergebnis nach Steuern-3,9-23,81,1
Op. Ergebnis (EBITDA)1,50,622,4
Eigenkapital16,914,838,6
Fremdkapital39,926,414,2
Transfereinnahmen18,02,420,3
Transferausgaben16,020,018,3

3 Kommentare
  1. Thomas Stommel sagte:

    An welcher Stelle stand den die Finanzierung des GBH ?wurde daa angesprochen und was würde ein Wunsch zum Umzug kosten und wodurch wird’s finanziert? Kann man nicht große Kölner Sportler alt und Jung für den Verein gewinnen um Geld einzuwerben für einen Neubau für die Lizenz und Jugend Abteilung. Lukas war immerhin Weltmeister und genießt größtes ansehen bei Werbepartnern. !. Das dem Wolf keiner Geld und Vertrauen schenkt ist offensichtlich. Auch große Benefiz Spiele im Stadion oder große Abschiedsspiele mit größeren Einnahmen könnten Gewinne fürs Trainingszentrum bringen. Auch die EM 2024 steht in Köln an.

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  2. Thomas Stommel sagte:

    Vielleicht ist es leicht durcheinander geschrieben aber während der EM könnte Köln offiziell auf sich aufmerksam machen das die Stadt zu wenig den Sport fördert am GBH. Zusätzlich wird hier viel Argumentiert für einen Umzug aber eine Finanzierung müsste dann sicher stehen für die Zukunft. Das ist doch wichtig im Moment ist das Geld knapp.

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