Noah Katterbach und Steffen Baumgart kamen nicht miteinander klar. (Foto: Bucco)

Noah Katterbach und Steffen Baumgart kamen nicht miteinander klar. (Foto: Bucco)

Anspruch und Realität: Talente in der Sackgasse

Der 1. FC Köln will sich als Talentschmiede im deutschen Fußball einen Namen machen. Doch dieser Tage feiern keine Youngster ihre Debüts. Stattdessen verlassen zahlreiche einst gepriesenen Eigengewächse den Klub. Anspruch und Realität gehen aktuell auseinander – bei den Spielern, aber auch beim FC.

Julian Krahl, Ismail Jakobs, Yann Bisseck, Robert Voloder, Sava Cestic, Jens Castrop und Noah Katterbach – seit dem vergangenen Sommer haben sieben Eigengewächse den 1. FC Köln verlassen. Krahls Vertrag wurde nicht verlängert. Jakobs wurde zu Geld gemacht. Bisseck und Voloder wurden mit Kaufoption verliehen, die inzwischen gezogen wurde. Cestics Vertrag wurde aufgelöst. Castrop wurde anderthalb Jahre (ohne Kaufoption) verliehen – und nun also Katterbach, ebenfalls mit Kaufoption.

Eine Kaufoption ist in der Regel ein Zeichen dafür, dass der 1. FC Köln selbst nicht mehr so recht an den Durchbruch eines Talents im eigenen Klub glaubt. Man sichert sich durch die Kaufoption einzig zu, im Falle des Erfolgs einer Leihe mit einer Ablöse zu partizipieren. In Katterbachs Fall soll es zudem eine Rückkaufklausel geben, sodass die Geißböcke am Ende doch wieder den Daumen auf dem Talent hätten. Doch derzeit sieht es schwer nach einer dauerhaften Trennung aus.

Katterbach als größte Enttäuschung

Abgesehen von Jakobs hat der FC mit diesen Talenten bislang also kaum Geld verdient. Zusammen genommen etwas mehr als eine Million Euro, dazu könnten die in mehreren Medien kolportierten 1,5 Mio. Euro kommen, die der FC Basel für Katterbach hinlegen müsste. Aktuell sieht es einzig bei Castrop danach aus, als ob dieser noch eine Zukunft beim FC habe. Eine bittere Bilanz für den 1. FC Köln, der sich bei den anderen sechs Spielern deutlich mehr versprochen hatte.

Die Ursachen sind vielfältig. Krahl, Bisseck, Voloder und Cestic traute man die Bundesliga nicht zu. Ob die Youngster es irgendwann doch noch schaffen, wird man erst in einigen Jahren wissen. Das Angebot aus Monaco für Jakobs war der finanzielle Rettungsanker und der einzige wirklich lukrative Deal für ein FC-Talent seit dem Verkauf von Yannick Gerhardt nach Wolfsburg. Castrop braucht noch Zeit. Doch die größte Enttäuschung ist Katterbach, 2019 durchgestartet, 2020 abgebremst, 2021 in ein Loch gefallen, 2022 verabschiedet.

Überschaubare Einsatzzeiten der Talente

Dass sich so manches Talent zuletzt immer ungeduldiger und immer fordernder präsentiert hatte, darüber hatte der GEISSBLOG berichtet (mehr dazu hier). Dass in dieser Saison die Talentförderung bei den Profis aber zumindest in Sachen Einsatzzeiten ins Stocken geraten ist, gehört zur zweiten Seite der Medaille. Zwar gehört streng genommen auch Salih Özcan noch zu den Eigengewächsen, der fraglos eine gute Entwicklung unter Steffen Baumgart genommen hat. Darüber hinaus ist jedoch einzig Jan Thielmann ein Gewinner unter den einstigen NLZ-Kickern, kam in jedem Profi-Pflichtspiel zum Einsatz, wenn er fit war.

Dahinter wird es sehr schnell sehr dünn mit der Spielzeit: Tim Lemperle kommt bislang auf sechs Kurzeinsätze mit insgesamt nur 94 Spielminuten. Tomas Ostrak wurde in der Bundesliga bislang nur dreimal in den letzten Minuten eines Spiels eingewechselt (15 Minuten Spielzeit) und durfte eine Halbzeit im Pokal in Stuttgart ran. Noah Katterbach fand sich nur in Hoffenheim mehr per Zufall im Kader wieder und wurde eine Viertelstunde vor Schluss eingewechselt. Und Marvin Obuz debütierte im DFB-Pokal bei den Profis in Stuttgart – er wurde in der Nachspielzeit eingewechselt.

Mehr Talente in der Sackgasse als auf der Überholspur

Nach 22 Pflichtspielen in dieser Saison ist dies ein durchaus überschaubares Zwischenzeugnis für den FC in Sachen Talentförderung im Bundesliga-Alltag. Ja, die Youngster (auch Matthias Olesen & Co.) dürfen regelmäßig mittrainieren. Und ja, Steffen Baumgart betont immer wieder, nach Trainingsleistung zu entscheiden, wer zum Einsatz kommt. Doch die Talente nehmen auch wahr, dass sich gerade nur wenige Türen, sondern eher schmale Türspalten öffnen, um überhaupt in die Nähe eines Einsatzes zu kommen.

Der Erfolg in der Bundesliga gibt Baumgart fraglos recht. Die Vorgabe von der Klub-Führung, dass jedes Jahr mindestens ein Talent bei den Profis debütieren soll, wurde umgesetzt. Zumindest formal durch das Eine-Minute-Obuz-Debüt in Stuttgart. Doch darüber hinaus sah man in dieser Saison bislang mehr Talente in der Sackgasse als auf der Überholspur.

Die Kritik der Verantwortlichen an so manchem Talent war fraglos berechtigt. Doch die Forderung an die Verantwortlichen wird gleichzeitig immer lauter, dass der FC den Profikader im Sommer 2022 weiter verschlanken muss. Denn Talente wie Urbig, Olesen, Obuz, Lemperle und Co. hören nicht nur die Erklärungen der FC-Bosse, sondern auch die enttäuschten Stimmen ihrer abgewanderten Ex-Mitspieler. Und dass sich diese beiden Sichtweisen unterscheiden, liegt in der Natur der Sache. Die Wahrheit liegt häufig irgendwo in der Mitte.

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