Jeff Chabot beim Training des 1. FC Köln. (Foto: Bucco)

Jeff Chabot beim Training des 1. FC Köln. (Foto: Bucco)

FC-Debütant Chabot im Interview: “Die Spielweise ist komplett anders”

Jeff Chabot hat am Sonntag gegen die TSG 1899 Hoffenheim sein Debüt im Trikot des 1. FC Köln gefeiert. Im GEISSBLOG-Interview spricht der Innenverteidiger unter anderem über seine Leistung, seinen Werdegang und die Unterschiede zum Verteidigen in Italien.

Das Interview führten Lina Gebhardt und Marc L. Merten

GEISSBLOG: Herr Chabot, Sie haben am Sonntag Ihr erstes Bundesliga-Spiel für den FC gemacht und gleichzeitig Ihr 100. Profi-Spiel überhaupt.

JEFF CHABOT: Ehrlich? Das wusste ich nicht.

Wenn man der Datenerfassung glauben darf, ja. Herzlichen Glückwunsch!

Das freut mich natürlich. Ich war ein bisschen aufgeregt, auch wenn ich versucht habe mich nur auf meine Aufgabe zu konzentrieren. Aber es kann einen auch nicht kalt lassen, wenn das Stadion fast voll ist? Schade war nur, dass meine Eltern nicht vor Ort sein konnten. Sie haben am Wochenende meine letzten Sachen aus Italien geholt. (lacht)

In der Mixed Zone nach dem Spiel haben Sie erklärt, Sie seien nicht zufrieden gewesen mit Ihrer Leistung.

Ich war wirklich nicht zufrieden. Da war noch viel Luft nach oben. Ich erwarte mehr von mir. Mein Debüt hat mich zu diesem Zeitpunkt nicht interessiert. Wir hatten verloren. Wenn ich mit meiner Mannschaft ohne Punkte vom Platz gehe, ist es egal, mein wievieltes Spiel es war.

“Das war lange mein Traum”

Sie sind bis 2023 ausgeliehen. Wie ist Ihre Rolle mit den FC-Verantwortlichen besprochen?

Ich sehe mich als helfende Stütze und möchte, dass die Verantwortlichen zufrieden mit mir sind. Der FC ist nicht aus heiterem Himmel auf mich aufmerksam geworden, und ich möchte das Vertrauen zurückzahlen. Es bedeutet mir sehr viel, dass ich hier die Chance bekomme, wieder in Deutschland zu spielen. 

Was war der erste Gedanke, als Sie gehört haben, dass der FC Sie gerne verpflichten würde?

Dass ich wieder auf deutschem Boden Fußball spielen kann. Das war lange mein Traum. Schon in der Jugend hatte ich immer die Bundesliga im Kopf. Aber ich bin einen anderen Weg gegangen. Jetzt habe ich es geschafft. Und es ist auch für mich persönlich wichtig, dass ich wieder in der Nähe meiner Familie sein kann.

Sie waren das erste Mal schon im Alter von zwölf von zuhause weg. Damals sind Sie nach Nürnberg gegangen. Ein großer Schritt in solch einem Alter.

Ja, aber es ging damals nicht nur um das Sportliche, sondern auch um die Schule. Das war der Hauptgrund. Ich wollte beides unter einen Hut kriegen, deshalb ist mein Vater mit mir nach Nürnberg gegangen. Wir haben dort eine gute Zeit verbracht, aber nach einem Jahr sind wir wieder zurück.

“Das war doch ein großer Schritt”

Nürnberg blieb nicht die einzige Station in Ihrer Jugend fern Ihrer Heimatstadt Hanau.

Stimmt. Erst Frankfurt, dann Nürnberg, dann wieder Frankfurt. Dort habe ich dann länger gespielt, bis ich nach Leipzig gegangen bin.

Im Alter von 16 Jahren.

Genau, in Leipzig bin ich in die U17 gewechselt. RB hat ein Top-Leistungszentrum, in dem man sich weiterentwickeln kann. Das habe ich genutzt. Ich war insgesamt drei Jahre in Leipzig, bevor es ins Ausland ging.

Weil Sie gemerkt haben, dass es bei Leipzig nicht weitergeht?

Das nicht, ich war eigentlich bereit, in Leipzig zu bleiben, hatte meinen Vertrag gerade für die U23 verlängert. Aber dann ist die zweite Mannschaft aufgelöst worden. Das war in dieser Zeit bei vielen Clubs so. Als junger Spieler brauchte ich aber Spielpraxis, und von der U19 direkt zu den Profis? Das war doch ein großer Schritt. Ich musste realistisch bleiben und einsehen, dass ich mich woanders besser weiterentwickeln könnte.

Sie sind erst nach Rotterdam und dann nach Groningen gewechselt. Was hat Sie an den Niederlanden gereizt?

Die Liga und die Spielpraxis. Ich habe gesehen, dass ich da mehr Spiele absolvieren kann. Vielleicht habe ich mich dort auch mehr geschätzt gefühlt als deutscher U19-Nationalspieler. In Deutschland hätte ich zu dem Zeitpunkt in der Zweiten oder Dritten Liga spielen können. Die erste holländische Liga kam dem schon näher, was ich eigentlich wollte. Und weil ich sowieso schon von Zuhause weg war, war das für mich keine Umstellung. 

Außer die Sprache.

Die ist aber relativ ähnlich.

Sie sprechen Niederländisch?

Ja. Inzwischen ist es leider ein bisschen flöten gegangen, weil ich es nicht mehr regelmäßig spreche.

Sie könnten sich mit Mark Uth unterhalten. 

Ja, aber dann würden uns die anderen nicht verstehen. (lacht) Auch wenn das auf dem Platz von Vorteil sein könnte.

Italienisch spricht allerdings niemand in der Mannschaft.

Das stimmt. Mein Italienisch ist auf jeden Fall besser als mein Niederländisch. Aber wer weiß, wie es in zwei, drei Jahren aussehen wird.

“Die Null muss stehen. Das hat mich geprägt”

Wie kam es zu dem Wechsel nach Genua?

Bei mir hatten meine Entscheidungen immer sportliche Gründe, nie finanzielle. Italien war für mich als Verteidiger immer attraktiv. Man hört ja immer, dass man in Italien das Verteidigen anders lehrt. Und dann war da auch wieder ein neues Land. Ich gehöre zu den Menschen, die sich freuen, kulturell etwas Neues auszuprobieren. Das erste Jahr war relativ schwer, weil ich die Sprache nicht gesprochen habe und kaum einer Englisch redet. Mit der Zeit wurde es aber besser.

Sie haben es schon gesagt: In Italien wird das Verteidigen groß geschrieben. Was bedeutet das?

Die Spielweise ist komplett anders als in der Bundesliga. Hier ist die Intensität viel höher. Die Serie A hat dagegen in anderen Bereichen ein anderes Niveau. Das Spiel ist viel taktischer. So viele Torchancen auf beiden Seiten wie in unserem Spiel gegen Hoffenheim sieht man in Italien eher selten.

Als Verteidiger ist das dann doch ein Hochgenuss, oder?

Die Nummer-eins-Regel ist, dass die Null stehen muss. Das hat mich geprägt.

Und dann kommen Sie nach Köln zu einem Trainer, der sagt: Ich gewinne lieber 4:3 als 1:0.

(lacht) Das stimmt. Zum Glück kannte ich die Spielweise aus Leipzig. Das ist zwar schon länger her, weshalb ich auch noch etwas Zeit brauchen werde. Aber ich bekomme hier sehr spezifisch erklärt, wie ich zu spielen habe.

Was müssen Sie am meisten an Ihrem Spiel verändern?

Meine Kilometer. (lacht) Ich muss ein, zwei Kilometer pro Spiel mehr abspulen. Das klingt nicht nach viel, aber daran muss man sich natürlich gewöhnen.

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