Christian Keller plant die nächste FC-Saison. (Foto: Bucco)

Christian Keller plant die nächste FC-Saison. (Foto: Bucco)

Keller: “Wir haben uns bei Salih Özcan maximal gestreckt”

Christian Keller im GEISSBLOG-Interview: Der neue Sportchef des 1. FC Köln spricht im zweiten Teil des großen Interviews über die Zwangslage der Finanzen, über Salih Özcan, potentielle Verkäufe und den künftigen Geschäftsführer Markus Rejek. Das Interview wurde am Dienstag aufgezeichnet und damit vor den Entwicklungen rund um Salih Özcan am Donnerstag. Teil 1 des Keller-Interviews gibt es hier.

Das Interview führten Sonja Eich und Marc L. Merten

GEISSBLOG: Herr Keller, Sie bezeichnen den 1. FC Köln als Sanierungsfall. Was muss der 1. FC Köln in diesem Sommer auf dem Transfermarkt erreichen, um finanziell stabil zu bleiben?

CHRISTIAN KELLER: „Bei meiner Antritts-Pressekonferenz habe ich ja bereits zwei Eckdaten genannt. Zum einen müssen wir den Personalaufwand um 20 Prozent reduzieren. Das ist viel bei nur zwei auslaufenden Verträgen. Auch daran kann man festmachen, dass die neuen Spieler günstig sein müssen. Das weitere, was wir erreichen müssen, um nächstes Jahr eine schwarze Null schreiben zu können, sind Transfererlöse. Ich will die Zahl nicht konkretisieren, aber wir reden von einer nennenswerten Summe.“

Dann muss der 1. FC Köln Salih Özcan ziehen lassen?

„Wir haben uns bei Salih für eine Vertragsverlängerung maximal gestreckt. Ich habe ihm gesagt, dass wir alle möchten, dass er bleibt. Er weiß, was er am FC hat. Trotzdem ist er ein junger, ambitionierter Spieler. Am Ende wird es für ihn nicht primär eine Frage des Geldes sein, sondern eine sportliche.“

Es wird nicht einfach, den Personalaufwand auf das notwendige Niveau zu reduzieren

Christian Keller

Von den Transfereinnahmen mal abgesehen: Wie kann es Ihnen überhaupt gelingen, die Gehälter zu reduzieren? Verträge sind ja Verträge, und in den vergangenen Jahren hat man beim FC so manchen Spieler ablösefrei gehen lassen müssen und ihm dann noch Teile des Gehaltes hinterher geworfen.

„Wenn ein Spieler sich korrekt verhält, werde ich ihm niemals sagen, dass er gehen muss. Korrekt heißt für mich, dass er auf dem Platz sein Bestes gibt und sich im Mannschaftskreis nach unseren Werten verhält. Gleichzeitig sagen wir den Spielern aber auch klar, woran sie sind. Wenn einer auf seiner Position beispielsweise nur die Nummer drei ist, sagen wir ihm, dass es schwierig wird, zu Einsatzzeiten zu kommen. Dann liegt es am Spieler, was er mit der Information macht. Es wird trotzdem nicht einfach sein, den Personalaufwand auf das notwendige Niveau zu reduzieren.“

Wie sieht es konkret im Fall Timo Horn aus?

„Timo hat hier einen Vertrag unterschrieben, den wir an seiner Stelle alle so unterschrieben hätten. Er war hier jahrelang die Nummer eins. Jetzt, wo er die Nummer zwei ist, kann diese neue Konstellation nicht bedeuten, dass ich ihm sage: Du musst gehen. Das passt nicht zu dem, was ich zuvor gesagt habe. Timo lebt den Klub mit allen Höhen und Tiefen. Ich habe kein Training gesehen, in dem er nicht Gas gegeben hat. Ich habe kein Spiel gesehen, in dem er Marvin Schwäbe keine Tipps gegeben oder ihn gepusht hat. Deshalb wird er nächste Saison da sein, es sei denn, er möchte nicht mehr da sein. Auch, wenn der Vertrag nicht mehr zu dem passt, was wir uns leisten können.“

Ein Spieler, der krankheitsbedingt die letzten Spiele der Saison verpasst hat, ist Sebastian Andersson. Wie planen Sie mit ihm?

„Er ist wieder fit. Wir hätten ihn die letzten zwei Wochen schon wieder mit der Mannschaft trainieren lassen können. Stattdessen wollten wir mit ihm gezielt am Aufbau seiner Fitness arbeiten. Deshalb muss er jetzt in der Pause natürlich auch ein bisschen mehr machen als manch anderer. Das Ziel ist, dass er voll leistungsfähig ist, wenn es in der Vorbereitung los geht.“

Umstrukturierung muss nicht per se mit Personalabbau einhergehen

Christian Keller

Wie sieht die Situation bei Niklas Hauptmann aus, der krankheitsbedingt fast die komplette Saison verpasst hat?

„Mit ihm ist der Deal, dass er versuchen wird, wieder auf sein bestes körperliches Niveau zu kommen. Und dann schauen wir, wozu es reicht. Niklas ist momentan schwer zu bewerten. In der Vorbereitung werden wir dann offen sprechen. Er weiß selbst, dass er aktuell weit davon entfernt ist, Bundesliga zu spielen.“

Kurz vor unserem Interview hat der 1. FC Köln die Verpflichtung des dritten Geschäftsführers Markus Rejek bekannt gegeben. Kennen Sie sich schon von früher?

„Wir waren viele Jahre sportliche Konkurrenten, wenn er mit Bielefeld gegen Regensburg gespielt hat. Da lernst du dich schon ein bisschen kennen. Auf der kaufmännischen Ebene waren wir dagegen keine Konkurrenten, weil jeder in seinem Markt unterwegs war, weshalb man sich auch mal Tipps gibt. Wir waren auch mal gemeinsam in einer DFL-Arbeitsgruppe. Damals ging es um die gerechtere Verteilung von TV-Geldern. Wir kennen uns also schon und schätzen uns.“

Mit Markus Rejek ist die neue Umgestaltung der Geschäftsführung also abgeschlossen. Ganz offen: Der 1. FC Köln muss viel Geld einsparen. Jetzt gibt es eine neue Geschäftsführung. Könnte es passieren, dass auch auf der Geschäftsstelle Personal abgebaut werden muss?

“Ich finde nicht, dass eine Umstrukturierung per se mit Personalabbau einhergehen muss. Umstrukturierung heißt für mich erst einmal, dass jeder Mitarbeiter klare Aufgaben zugewiesen bekommt und alle Mitarbeiter sich anhand ihrer Qualitäten bestmöglich einbringen können. Da sehe ich momentan Luft nach oben, und das macht es vielen Mitarbeitern aktuell schwerer als nötig. Ich habe hier in meiner kurzen Zeit beim FC schon sehr viele, sehr gute Mitarbeiter kennen gelernt. Darauf kann der FC stolz sein.”

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