Christian Keller. (Foto: Bucco)

Christian Keller. (Foto: Bucco)

Klartext ohne Klagen

Christian Keller nennt den 1. FC Köln offen einen Sanierungsfall, spricht von beschämenden Zuständen am Geißbockheim. Der neue Sportchef jammert jedoch nicht. Er spricht lediglich Klartext und benennt die Mängel. Das ist seine Aufgabe. Sein Job ist ein anderer als der von Steffen Baumgart – und doch verfolgen beide dasselbe Ziel. Ein Kommentar.

Christian Keller hat lange gewartet. Der neue Sport-Geschäftsführer hatte seinen Job am 1. April aufgenommen, war in der Öffentlichkeit aber bis nach der Saison praktisch nicht in Erscheinung getreten. Der neue Sportchef wollte einerseits der sportlichen Führung um Steffen Baumgart sowie der Mannschaft nicht den Fokus nehmen und sich andererseits nicht ins Rampenlicht einer erfolgreichen Saison stellen, die er nicht zu verantworten hatte.

Keller wollte also zunächst im Hintergrund beobachten und lernen, ehe er nach Abschluss der Saison erstmals nach außen trat. Dieser uneitele und unprätentiöse Ansatz passt eigentlich gar nicht zum Profifußball, wo sich gerne jeder im Licht des Erfolgs sonnt, ob er dorthin gehört oder nicht. Und so zeigte Keller zunächst Respekt vor Baumgart und den Spielern, ehe er sich erstmals ausführlich öffentlich äußerte.

Umbau auf allen Ebenen

Dass Keller in den Interview-Runden nach der Saison (hier geht’s zum GEISSBLOG-Interview mit Christian Keller) dann aber offen die Missstände beim 1. FC Köln ansprach, passt zu diesem Bild. Denn der 43-Jährige hatte bis dahin sieben Wochen im Amt und zuvor viele Wochen der Vorbereitung Zeit gehabt, um sich ein detailliertes Bild zu machen von den Zu- und Missständen am Geißbockheim. “Sanierungsfall” und “beschämende Zustände” waren daher in diesem Moment keine populistischen Aussagen mehr, sondern deutliche Worte eines Verantwortlichen, der sich der Größe seiner Aufgabe bewusst zu sein scheint.

Auffällig dabei: Keller klagte nicht. Er sprach Klartext und kündigte Konsequenzen an. Für die Gehälter und Transferplanung der Profis, für die Infrastruktur am Geißbockheim (sofern möglich – siehe Umbau der Kabinen, der GEISSBLOG berichtete), aber auch für die Geschäftsstelle. Keller scheute nicht, zum Ende der Saison auch zu erklären, dass in den anderen Abteilungen einiges im Argen liegt. Keller nennt es “Potential”, doch klar ist auch: Es passt zum Wort “Sanierungsfall”, wenn Keller und sein Kollege Philipp Türoff nicht nur auf sportlicher Ebene den FC neu strukturieren wollen.

Auch Baumgart ist Good Cop und Bad Cop in einem

Der gesamte 1. FC Köln muss auf den Kopf gestellt werden. Diesbezüglich muss und darf sich niemand vertun. Für die sportliche Aufbruchsstimmung und Emotionalisierung der FC-Fans ist Steffen Baumgart bestens geeignet – als lautstarker Vorkämpfer für alles, was auf dem Rasen und im Stadion passiert. Was jedoch hinter verschlossenen Türen am Geißbockheim geschehen muss, ist künftig die Aufgabe von Keller, Türoff und dem später hinzustoßenden Markus Rejek.

Good cop, bad cop – Baumgart spielt eigentlich beide Rollen sehr gut, als Entertainer, begeisternder Fußballlehrer wie auch als mitunter knorriger Mahner und Kritiker. Doch auch Keller beherrscht beide Facetten. Mit einem Lächeln und freundlichen Worten, dabei aber genauso mit einer knallharten Analyse. Baumgart und Keller – beide reden Klartext, beide klagen nicht, beide wissen, dass sich der 1. FC Köln verändern muss. So könnte das Duo funktionieren.

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