Steffen Baumgart und Co-Trainer René Wagner an der Taktiktafel. (Foto: Bucco)

Steffen Baumgart und Co-Trainer René Wagner an der Taktiktafel. (Foto: Bucco)

Unterschiedliche Systeme, welcher Erfolg? Die Werte im Vergleich

Der 1. FC Köln hat sein Spiel zu dieser Saison von zwei Spitzen und einem Sechser überwiegend auf einen Stürmer und zwei defensive Mittelfeldspieler umgestellt. Die Datenanalysten von CREATEFOOTBALL* haben die Stärken und Schwächen der Systeme beim FC herausgearbeitet.

Der 1. FC Köln hat in dieser Saison sein System verändert: Von einer 4-1-3-2-Spielweise haben sich die Geißböcke auch durch den Abgang von Anthony Modeste hin zu einem 4-2-3-1 entwickelt. Dabei fällt auf: Im Vergleich ist das System im 4-1-3-2 deutlich spektakulärer. Auch, weil im Schnitt deutlich mehr Tore im Spiel fallen (3.27 anstatt 2.80) und damit auch erfolgreicher ist (+0.23 Exptected Goals-Differenz: xG-xGa zu +0.02).

Das Spiel im eigenen Ballbesitz wird im 4-2-3-1 derweil deutlich geduldiger gestaltet. Das Team von Trainer Steffen Baumgart hält den Ball länger in den eigenen Reihen, spielt allerdings häufiger auch lange Bälle. Im 4-1-3-2 werden dafür mehr progressive Pässe gespielt. Das liegt vor allem daran, dass der FC versucht, möglichst schnell und direkt ins gegnerische Drittel zu spielen. Im Vergleich zum 4-2-3-1 fehlt dabei ein tiefstehender Anspielpartner, wodurch häufiger die hochstehenden Offensivspieler gesucht werden. 

Neues System soll die Defensive stabilisieren

Obwohl der FC im 4-2-3-1 weniger Schüsse zulässt, haben die Kölner nach 15 Spieltagen bereits mehr Gegentreffer kassiert als zum gleichen Zeitpunkt der Vorsaison. Auf der anderen Seite kommt der FC allerdings auch deutlich seltener zum eigenen Abschluss. Im 4-1-3-2-System muss das Team dabei deutlich mehr Einsatz zeigen – vor allem im Gegenpressing. Das zeigt sich insbesondere an der deutlich höheren Anzahl an Zweikämpfen ohne Ball und der höheren Anzahl an hohen Balleroberungen. Allerdings kann das Team im 4-2-3-1 – welches vor allem die Defensive stabilisiert – dank einem zusätzlichen Sechser (meist Ball Winning Midfielder Eric Martel) und kürzeren Abständen zwischen den Spielern, deutlich mehr Bälle im eigenen und neutralen Drittel erobern und mehr Pässe abfangen. Auffällig im diesjährigen 4-2-31-System sind die vielen Ballverluste im neutralen Drittel, was an der fehlenden Bindung vom Mittelfeld zum Stürmer liegen dürfte. 

Durch die offensivere Ausrichtung im 4-1-3-2 kann auch eine deutlich bessere Besetzung des gegnerischen Strafraums gewährleistet werden (Ballaktionen im Strafraum, Pässe/Läufe in den Strafraum), wodurch deutlich mehr tiefe Pässe und Flanken die Mitspieler finden. Das liegt zudem an der erhöhten Anzahl an Flanken durch einen zusätzlichen Offensivspieler: Eine bessere Strafraumbesetzung führt gleichzeitig zu einer stärkeren Erfolgsquote der Flanken. 

1. FC Köln
im 4-1-3-2
1. FC Köln
im 4-2-3-1
Tore 1.771.40
Gegentore1.501.40
xG1.651.30
xGa1.421.28
Schüsse (% Genauigkeit)13.1 (33 %) 12.3 (34%)
Gegnerische Schüsse (% Genaugikeit)11.1 (35%)10.8 (40%)
Pässe (% Genauigkeit)420 (81%)439 (80%)
Ballbesitz56 % 55 %
Zweikämpfe (% Erfolgsquote)228 (48%)219 (48%)
Luftzweikämpfe (% Erfolgsquote)43.3 (49%)43.3 (47%)
Zweikämpfe mit Ball (% Erfolgsquote)63.8 (39%)64.1 (40%)
Zweikämpfe ohne Ball (% Erfolgsquote)70.4 (60%)65.4 (60%)
Balleroberungen
Tief
Mittel
Hoch
87.1
35.0
38.0
14.1
92.3
37.9
41.8

12.7
Ballverluste
Tief
Mittel
Hoch
112
19.0
40.1

52.6
116
19.4
46.4
51.1
Positionsangriffe31.429.0
Flanken (% Genauigkeit)22.1 (36%)18.3 (30%)
Tiefe erfolgreiche Flanken7.645.40
Tiefe erfolgreiche Pässe8.366.75
Läufe/Pässe in den Strafraum28.225.6
Ballaktionen im Strafraum20.818.2
Abgefangene Pässe43.345.6
Klärungsaktionen19.217.3
Vorwärtsgerichtete Pässe (% Anteil an Pässen gesamt)152 (36%)158 (36%)
Lange Pässe (% Anteil an Pässen gesamt)46.6 (11%)52.8 (12%)
Pässe ins gegnerische Drittel (% Anteil an Pässen gesamt)51.2 (12%)51.3 (12%)
Progressive Pässe (% Anteil an Pässen gesamt)81.3 (19%)79.6 (18%)
Matchtempo16.216.7
Durchschnittliche Anzahl Pässe in Ballbesitz3.623.86
PPDA8.728.31
Alle Daten pro 90 Minuten in der Bundesliga.

Fazit

Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass Steffen Baumgart womöglich auch aufgrund des Transfers von Anthony Modeste das System umgestellt hat und mittlerweile häufiger im 4-2-3-1 auflaufen lässt, um die Defensive zu stabilisieren, da diese im 4-1-3-2 doch deutlich mehr gegnerische Schüsse und Gegentore zugelassen hatte. Würde Marvin Schwäbe (wie in der vorherigen Analyse bereits ausgearbeitet) wie in der letzten Saison performen, würde der FC auch im 4-2-3-1 eine ähnlich starke Saison wie die vergangene Spielzeit abliefern. Mit dem klaren Zielspieler Davie Selke könnte der FC nun jedoch wieder in sein altes System zurückkehren und damit auch wieder zu alter Stärke finden.

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*Dieser Text stammt von der Fußball-Consultancy CREATEFOOTBALL GmbH, die national wie international Profivereine, Berateragenturen sowie Medienanstalten in den Themenfeldern Datenscouting und -analyse berät.

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