Hübers will bleiben: „Ich küsse nicht jeden Tag die Kapitänsbinde“

Timo Hübers bei heißen Temperaturen im Trainingslager in Bad Waltersdorf mit Physiotherapeut Christian Osebold. (Foto: GEISSBLOG)
Timo Hübers bei heißen Temperaturen im Trainingslager in Bad Waltersdorf mit Physiotherapeut Christian Osebold. (Foto: GEISSBLOG)

Timo Hübers hat dem GEISSBLOG im Trainingslager in Bad Waltersdorf an seinem 29. Geburtstag ein großes Interview gegeben. Wie denkt der Kapitän des 1. FC Köln über seine Zukunft – und die Frage, ob er überhaupt Kapitän bleiben wird?

Das Interview führten Sonja Gauer und Marc L. Merten

GEISSBLOG: Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag, Herr Hübers! Sind Sie es schon gewohnt, Ihren Ehrentag in einem Trainingslager zu verbringen?

TIMO HÜBERS: „Danke. Ja, der Geburtstag fiel schon sehr oft in ein Trainingslager. Aber das Ständchen der Fans war überraschend. Das gab es in meiner Karriere bislang noch nicht. Darüber habe ich mich sehr gefreut. Die hatten wohl gute Laune heute. (lacht) Am Nachmittag hatten wir frei, das fühlt sich dann zumindest ein bisschen wie Geburtstag an.

Sind Sie ein Typ, der sich Gedanken über sein Alter macht? 

Eigentlich nicht. 29 ist ja auch kein besonderer Geburtstag. Ich finde, alles hat im Leben seine Zeit. Anfang 20 war alles neu und aufregend, die Zeit bräuchte ich heute aber nicht mehr. Es ist voll in Ordnung, mit der Zeit zu gehen und dass sich Interessen verlagern. Vielleicht denke ich anders, wenn nächstes Jahr die 30 kommt.

Mit 30 kommt man dann ja auch in eine Phase, in der man vielleicht im letzten Drittel der Karriere ist und sich andere Gedanken macht.

Zum Glück bin ich ja erst 29. (lacht) Wir haben eine Bundesliga-Saison vor uns, auf die ich mich sehr freue. Da mache ich mir noch keine Gedanken, dass ich körperlich oder in Sachen Tempo nicht mehr mitgehen könnte.

Hübers wägt von Transferperiode zu Transferperiode ab

Wie sind Sie denn mit Ende 20 im Vergleich zu Anfang 20?

Entspannter. Mit Anfang 20 ist man das erste Mal so richtig raus aus dem Elternhaus, entwickelt eigene Werte, findet heraus, was einem wichtig ist und was nicht. Mit Ende 20 weiß man das schon. Ich habe mit Anfang 20 ja noch zusätzlich zum Fußball studiert. Heute bin ich vielleicht nicht mehr offen für alles, dafür weiß ich mehr, was ich möchte.

Machen Sie sich denn schon Gedanken, wie es mit Ihnen in den 30ern weitergehen wird? Sie haben offen über einen Wechsel ins Ausland gesprochen.

Die Gedanken habe ich mir vor einigen Jahren auch schon gemacht. Ich hatte schon immer gewisse Vorstellungen, wo ich mich irgendwann mal sehe. Deshalb sage ich auch offen, dass ich mal ins Ausland wechseln möchte. Das muss man jede Transferperiode wieder neu abwägen. Trotzdem gibt es wenig Schöneres als mit so einem Verein Bundesliga zu spielen. Das will ich gerne so lange wie möglich mitnehmen.

Wohin könnte es denn mal gehen?

Ich würde gerne in einem Land spielen, in dem es einen spannenden Wettkampf gibt. Ich bin noch in einem sehr guten Fußballeralter, bin physisch auf einem guten Niveau und habe noch keine Alterserscheinungen. Es würde wohl nicht die größte Großstadt werden, aber auch nicht die letzte Provinz. Eine gewisse Lebensqualität wäre toll und für meine Freundin sollte es auch passen. Aktuell liegt mein Fokus aber nur auf dem FC. Dafür ist die Aufgabe hier zu groß.

Hübers über die Vertragsgespräche mit dem FC

Das klingt danach, als würden Sie dem FC über diesen Sommer hinaus erhalten bleiben.

Davon gehe ich aus, ja. Trotzdem würde ich das nicht zu sehr emotionalisieren. Im Fußballgeschäft kann es immer schnell gehen, weil niemand wirklich vorhersehen kann, was passiert. Unabhängig davon, auch in den letzten Jahren ist das Pendel am Ende immer zum FC ausgeschlagen. Das zeigt, welchen Stellenwert der Club für mich hat, auch wenn ich es nicht immer so emotional zum Ausdruck bringe.

Laufen denn die Gespräche mit dem FC bereits? Ihr Vertrag läuft 2026 aus.

Konkret gesprochen haben wir noch nicht. Beide Parteien wissen, was sie aneinander haben. Wir haben ein gutes Verhältnis, und ich glaube, dass diese Transferperiode sehr stressig für Thomas (Kessler, Anm. d. Red.) ist. Es gibt da sicher auch noch andere Jungs, die aus Vereinssicht noch einen höheren Mehrwert für den Verein haben, sollte es zu einem Verkauf kommen. Es werden noch Spieler kommen, es werden noch Spieler gehen. Da gibt es jetzt deutlich dringendere Themen als mich. Wir werden uns zur rechten Zeit zusammensetzen.

Sie haben die nächste Bundesliga-Saison schon erwähnt. Wie schafft der FC den Klassenerhalt?

Indem wir ans Limit gehen und mit einer gesunden Einstellung an die Sache herangehen. Das können wir tagtäglich beeinflussen. Wir sollten jetzt noch nicht an Regensburg oder Mainz denken, sondern an die tägliche Trainingsleistung.

Das kann eine Aufbruchsstimmung erzeugen. Es darf nur nicht in Übereuphorie enden.

Timo Hübers

Steht der FC vor einem Neustart?

Das kann man schon so sehen. Die Transfersperre hat schon vieles beeinflusst. Jetzt kommt frischer Wind in den Kader. Das kann immer eine Aufbruchsstimmung erzeugen. Es darf nur nicht in Übereuphorie enden. 

Merken Sie im Laufe einer Vorbereitung, wie die Saison werden könnte? Vor zwei Jahren zum Beispiel: Haben Sie früh geahnt, dass es knapp werden könnte mit dem Klassenerhalt? 

Nach dem ersten Spiel in Dortmund eigentlich nicht. Eigentlich hätten wir gewinnen müssen, aber dann sind wir in eine Spirale geraten, aus der wir nicht mehr rausgekommen sind. In den Jahren davor haben wir immer davon gelebt, dass wir einen guten Start hatten und immer ein solides Punktepolster nach unten hatten. Das würde ich mir auch für diese Saison wünschen.

Was ist an diesem Punktepolster so wichtig?

Man spielt befreiter auf. Man kann das Gefühl entwickeln, dass in jedem Spiel was möglich ist – und nicht, dass man in jedem Spiel etwas holen muss. Wenn wir das schaffen, kann es richtig Spaß machen. Dafür brauchen wir aber einen guten Start.

Wie erleben Sie in dieser Hinsicht den neuen Trainer?

Ich glaube, Lukas Kwasniok bringt nicht nur eine neue Energie rein, sondern auch einen anderen Fußballansatz. Das Spiel mit dem Ball steht im Vordergrund. In den letzten Jahren hatten wir eher den Ansatz, dass das Spiel gegen den Ball im Mittelpunkt stand. Da haben wir noch Potenziale uns zu verbessern, ohne die Defensive zu vernachlässigen.

Hübers über den neuen FC-Trainer

Was ist bislang das Wichtigste im Spiel mit dem Ball, worauf Lukas Kwasniok Wert legt?

Dass wir sehr aktiv sind und flexibel in unserem Positionsspiel. Wir haben eine gewisse Grundordnung, sollen aber nicht an unseren Positionen kleben. Wenn der Flügel in die Mitte zieht, muss einer für ihn rausrücken. Wir wollen mutig spielen, in Bewegung bleiben und die Tiefe bedrohen. Das sind die ersten Schwerpunkte bislang gewesen.

Wie sehen Sie Ihre eigene Rolle in dieser neuen Spielidee?

Ich habe in der letzten Saison alle Positionen in der Innenverteidigung gespielt, egal ob in der Dreier- oder Viererkette. Letztlich ist es kein Rosinenpicken. Vermeintlich kommen meine Stärken in der Viererkette etwas besser zur Geltung, aber darum geht es nicht. Ich will meinen Teil dazu beitragen, dass wir wieder richtig guten Fußball spielen.

Sie sind einer der Routiniers in der Mannschaft. Lukas Kwasniok hat betont, dass sich in der Mannschaft eine neue Hierarchie bilden muss. Was hat er damit in Ihren Augen gemeint?

Es geht darum alte Muster aufzubrechen. Er will, dass wir anfangen, die Dinge wieder zu hinterfragen. Das betrifft nicht nur die inhaltlichen Sachen auf dem Rasen, sondern auch vieles neben dem Platz. Alle sollen sich angesprochen fühlen mitzumachen und mitzugestalten. Und in einer neu zusammengewürfelten Mannschaft ergibt sich ohnehin automatisch eine neue Hierarchie.

Bleibt Hübers Kapitän?

Mit Ihnen auch künftig als Kapitän?

Die Kapitänsfrage ist ein schönes Sommerloch-Thema für die Medien. Ich versuche jeden Tag das zu beeinflussen, worauf ich Einfluss nehmen kann. In der Vorbereitung gibt es für keinen Spieler eine andere Alternative als Gas zu geben. Das werde ich machen, wenn ich Kapitän bleibe, und das werde ich auch machen, wenn ich nicht Kapitän bleibe. Im Fußball gibt es wenig Raum für persönliche Befindlichkeiten. In der Mannschaft haben wir über die Kapitänsfrage aber noch nicht viel diskutiert.

Was braucht denn ein guter Kapitän?

Für so einen großen Verein Kapitän zu sein, ist eine große Sache. Da musst du dir bewusst sein, dass du auf dem Rasen der erste Repräsentant des FC bist und du im Zweifel auch kritischer gesehen wirst als andere Spieler. Dabei musst du authentisch und dir selbst treu bleiben. Die schlechtesten Kapitäne sind die, die glauben, irgendeine Rolle spielen zu müssen.

Wie viel bedeutet Ihnen persönlich die Binde?

Ehrlich gesagt gar nicht so viel, weil sie mich in meinem täglichen Arbeiten einfach nur darin bestärkt, eine Führungsrolle zu übernehmen. Der Club hat mir letztes Jahr mit der Entscheidung zum Ausdruck gebracht, dass ich einer der wichtigsten Spieler bin, und diese Wertschätzung ist natürlich schön. Im Bestfall ergibt sich das Amt aber automatisch aus der Art und Weise heraus, wie man ohnehin auftritt. Deswegen war es eine schöne Bestätigung. Ich küsse aber nicht jeden Tag die Kapitänsbinde, wenn ich nach Hause komme. (lacht)

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