Last-Minute-Geißböcke: „Der Trainer lässt da wenig Spielraum“

Luca Waldschmidt bejubelt sein erstes Saisontor. (Foto: IMAGO / DeFodi)
Luca Waldschmidt bejubelt sein erstes Saisontor. (Foto: IMAGO / DeFodi)

Der 1. FC Köln hat beim VfL Wolfsburg zum wiederholten Male in der Nachspielzeit zugeschlagen. Trainer Lukas Kwasniok beweist dabei ein goldenes Händchen, fordert aber auch entsprechend viel von seinen Spielern.

Keine andere Mannschaft der Bundesliga kann nach den ersten drei Spieltagen mehr Torbeteiligungen von Einwechselspielern vorweisen: Zwei Tore (Johannesson, El Mala) und drei Vorlagen (Waldschmidt, El Mala, Ache) gehen bereits auf das Konto der Joker. Lukas Kwasniok unterstrich damit einmal mehr sein Gespür für die richtigen Wechsel.

Schon in der Vorbereitung hatte der Trainer betont, dass Spiele oft in der Schlussphase entschieden würden – und genau dort zeigt sich bislang die Kölner Stärke. Denn kein anderer Bundesligist hat bisher mehr Treffer nach der 76. Minute erzielt als die Geißböcke. Gemeinsam mit dem SC Freiburg liegt der FC hier mit vier Toren vorne, die Hälfte seiner bisherigen Treffer fiel somit in der Crunchtime.

Warum Arnolds Tor nicht zum K.o. wurde

Mehr noch: Zwei Tore erzielte der FC davon sogar in der Nachspielzeit. Zählt man das Pokalspiel in Regensburg hinzu, als Köln ganz spät aus einem 0:1 noch ein 2:1 machte, wird die Bilanz noch eindrucksvoller. „Wir wissen, dass wir jedes Spiel alles geben müssen, und das bis zum Schluss. Das fordert die Liga von uns“, sagte Luca Waldschmidt am Samstag nach dem 3:3 in Wolfsburg.

Dass der erneute Rückschlag durch Maximilian Arnolds 2:3 in der neunten Minute der Nachspielzeit nicht zum Knockout wurde, erklärt Waldschmidt mit den jüngsten Erfahrungen: „Da muss man die Wochen davor sehen.“ Späte Tore in Regensburg und Mainz hätten der Mannschaft die Überzeugung gebracht, bis zum Schlusspfiff an sich zu glauben.

Kessler lobt Ache für seine „Präsenz“

Auch Sportdirektor Thomas Kessler hob die neue Qualität hervor. „Das spricht für die Jungs, wenn du so spät das 2:3 bekommst, ist das häufig der Nackenschlag. Deswegen ist es schön zu sehen, dass die Jungs noch an sich geglaubt haben und dass wir von der Bank mit Qualität nachlegen konnten“. Dabei lobte der Sportcehf besonders Joker Ragnar Ache, der das 3:3 durch Kaminski vorbereitete. „Was für eine Präsenz Ragnar hatte, dass er im Zurücklaufen noch genau so ablegen konnte. Das sind Momente in unserem Spiel, die uns gut tun, damit wir noch einmal zuschlagen können.“

Für Waldschmidt, der sowohl als Startelfspieler als auch als Joker schon Scorerpunkte gesammelt hat, liegt der Schlüssel auch bei Kwasniok. „Der Trainer ist sehr anspruchsvoll, dementsprechend haben wir die Mentalität schon entwickelt, immer am Limit zu sein. Der Trainer lässt da wenig Spielraum.“

Kwasniok verspricht Unberechenbarkeit

Auch die Energie, die Kwasniok von der Seitenlinie ausstrahlt, wirke direkt auf die Spieler: „Wenn einer von außen mitzieht, weißt du, dass du drinnen alles geben musst.“ Kwasniok selbst formulierte das Erfolgsrezept so: „Der Fußball wird immer unberechenbar bleiben in Bezug auf das Ergebnis. Aber wir wollen berechenbar sein in der Art und Weise, wie wir Fußball über 90 oder auch 110 Minuten arbeiten.“ Und bislang zeigen die Spieler, dass sie diese Vorgabe nicht nur verinnerlicht haben, sondern daraus auch ihre größte Stärke ziehen.

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