Max Finkgräfe ist im Sommer 2025 etwas überraschend vom 1. FC Köln zu RB Leipzig gewechselt. Spielzeit bekam er hinter Kapitän David Raum bislang aber kaum. Doch der Linksverteidiger gibt sich Zeit.
Das Interview führte Alexander Haubrichs
Wenn Max Finkgräfe normalerweise einen freien Tag für einen Besuch in Köln nutzt, darf ein Abstecher nicht fehlen: Beim „Bestn Barber“ Felix Hohleich in der Weyerstraße bringt der vom 1. FC Köln zu RB Leipzig gewechselte Linksverteidiger seine Frisur auf Vordermann.
Am Wochenende aber hat er einen anderen Termin: Der zweimalige U20-Nationalspieler kommt zu seinem ersten Auswärtsspiel ins RheinEnergieStadion. In der Hinrunde ließen – auch verletzungsbedingt – die ersten Einsatzminuten auf sich warten. Warum der gebürtige Mönchengladbacher trotzdem die Ruhe bewahrt und wie ihm Nationalspieler David Raum dabei hilft, erklärt er im Interview mit dem GEISSBLOG.
Erst 45 Einsatzminuten für Max Finkgräfe
GEISSBLOG: Max Finkgräfe, nach dem 1:2 gegen Mainz 05 treten Sie am Sonntag beim 1. FC Köln an. Wie geht es Ihnen – auch persönlich?
MAX FINKGRÄFE: „Gut, soweit. Klar, das letzte Spiel war enttäuschend. Aber die Stimmung ist gut und wir gehen unseren Weg. Wir wissen, was ansteht, und schauen nach vorne.“
Sie haben im Sommer den Schritt nach Leipzig gewagt. Für viele war das ein großer Schritt – gerade mit Ihrer noch überschaubaren Profi-Erfahrung. Warum haben Sie sich dafür entschieden und wie blicken Sie bisher darauf zurück?
„Für mich war es der Schritt, der am meisten Sinn gemacht hat. Ich hatte das Gefühl, einen frischen Wind zu brauchen. Die Zeit in Köln war intensiv – mit Abstieg und Wiederaufstieg – aber ich hatte das Gefühl, dass ich mich sportlich nicht so weiterentwickle, wie ich mir das vorgestellt habe. Ich habe relativ früh entschieden, etwas Neues machen zu wollen, und das auch offen kommuniziert, damit beide Seiten Klarheit haben. Leipzig war für mich die beste Möglichkeit zur Entwicklung. Mir war bewusst, dass David Raum auf der Position des Linksverteidigers die klare Nummer eins ist. Mein Plan war von Anfang an, das erste Jahr zu nutzen, um anzukommen, vom hohen Niveau zu lernen und mich heranzuarbeiten. An dem Plan halte ich fest.“

Trotzdem gab es Schlagzeilen wie „Transferverlierer“, weil Sie zunächst kaum Minuten bekommen haben (bislang vier Einsätze, 45 Spielminuten). Kann man da ruhig bleiben?
„Als Fußballer willst du natürlich spielen. Aber ich erinnere mich dann immer wieder an meinen Plan vom Sommer. Ich arbeite im Hintergrund hart, versuche, immer bereit zu sein. Wenn ich gebraucht werde, will ich zu 100 Prozent da sein.“
Wer hilft Ihnen dabei, geduldig zu bleiben?
„Natürlich Familie und Freunde. Aber auch und gerade David Raum mit seiner riesigen Erfahrung. Wir haben ein sehr gutes Verhältnis. Wenn es mal nicht läuft oder ich einen schlechten Tag habe, baut er mich auf. Er ist ein super Typ und jemand, von dem man extrem viel lernen kann.“
Lehrmeister Raum: „Das sind Qualitäten, die herausragen“
Was können Sie sich konkret von ihm abschauen?
„Vor allem seine Mentalität. Er ist unglaublich präsent auf dem Platz, reißt andere mit, übernimmt Verantwortung – gerade in schwierigen Momenten. Dazu kommen seine Standards und Flanken, sein linker Fuß ist extrem präzise. Das sind Qualitäten, die herausragen. Und klar: Als Kapitän ist er natürlich gesetzt.“
In den USA ist es normaler, dass junge Spieler erstmal hinter etablierten Profis lernen. In Deutschland wird schneller geurteilt. Spüren Sie das auch?
„Ja, das Gefühl habe ich schon. Vor allem hierzulande wird vieles schnell negativ gesehen. In anderen Ländern würden die Leute klatschen, wenn du zu so einem großen Club wechselst. Ich glaube aber nicht, dass das junge Spieler abschrecken sollte. Für die Entwicklung kann so ein Schritt total sinnvoll sein.“
Diese viel zitierte „RB-Schule“ – was macht sie aus?
„Sehr offensiver Fußball. Viel Pressing, Gegenpressing, hohes Anlaufen. Mutiges Spiel nach vorne, oft im 4-3-3 mit klassischen Flügelspielern und vielen Eins-gegen-eins-Situationen. Das ist schon sehr intensiv.“
Im Pokal wartet nach dem FC-Spiel Bayern München. Wie schätzen Sie ihre Chancen ein?
„Bayern ist natürlich das schwerstmögliche Los. Im Bundesligaspiel hatten wir eine richtig gute erste Halbzeit und hätten höher führen müssen. Vielleicht wäre es dann anders ausgegangen. Aber gegen Bayern ist es extrem fordernd: Du musst voll da sein, sonst bestrafen sie dich sofort. Das macht sie so stark.“
Finkgräfe über seine Rückkehr zum 1. FC Köln
Jetzt steht erstmal die Rückkehr nach Köln an. Was würde den Tag für dich perfekt machen?
„Es wird ein besonderes Wochenende. Ich freue mich riesig, alte Mitspieler zu sehen, die Physios, die Betreuer – einfach viele bekannte Gesichter. Und klar hoffe ich auf Minuten. Ob es klappt, entscheidet der Trainer. Aber die Stimmung im Stadion wird auf jeden Fall besonders.“
Viele ehemalige FC-Talente kommen inzwischen als Gegner zurück. Ist das normal im Geschäft oder läuft beim FC etwas falsch?
„Ich glaube, das ist einfach Teil des Geschäfts. Und man muss auch sagen: In Köln bekommt man Chancen. Ich habe den Durchbruch dort geschafft, hatte meine Bundesliga- und Zweitligaminuten. Auch andere wie Downs oder El Mala bekommen ihre Möglichkeiten.“
Letzte Frage – wo lassen Sie sich jetzt eigentlich die Haare schneiden: Leipzig oder Köln?
„(lacht) Bisher einmal hier in Leipzig. Aber wenn ich vor Ort bin, gehe ich am liebsten immer noch zu Felix nach Köln.“








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