„Nicht schlecht“, aber gut genug? Trainer-Frage! Jetzt geht’s um Wagners Zukunft

René Wagner würde gerne Cheftrainer des 1. FC Köln bleiben. (Foto: IMAGO / Jan Huebner)
René Wagner würde gerne Cheftrainer des 1. FC Köln bleiben. (Foto: IMAGO / Jan Huebner)

Der 1. FC Köln ist praktisch gerettet – nun gilt es, die Weichen für die nächste Bundesliga-Saison zu stellen. Die erste entscheidende Frage lautet: Bleibt René Wagner dauerhaft Cheftrainer oder muss an der Seitenlinie ein Neuanfang her?

Sein Ziel war der Klassenerhalt. Und dieses Ziel hat René Wagner zwei Spieltage vor Saisonende mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit erreicht – die Rettung ist dem 1. FC Köln nur noch theoretisch zu nehmen (der GEISSBLOG berichtete). Seit Sonntagabend können die Verantwortlichen um Sportchef Thomas Kessler die Planungen für ein weiteres Bundesliga-Jahr guten Gewissens vorantreiben.

Nun gilt es, den angestoßenen Kader-Umbruch fortzusetzen. Es gilt, über einen möglichen Transfer von Said El Mala zu entscheiden, dessen Verkauf bei eben jenem Umbruch für ganz neue Parameter sorgen könnte. Doch zunächst einmal geht es um die Zukunft von René Wagner.

Nach dem Ziel kommt die Trainer-Entscheidung

Von Sky auf die Trainer-Frage angesprochen, sagte Kessler nach dem 2:2 bei Union: „Wir wollen unsere Ziele erreichen, danach setzen wir uns hin, machen einen Strich drunter und bewerten die Saison ganz in Ruhe. Dann werden wir natürlich auch mit René über die Themen sprechen.“

Schon am Rande des Leverkusen-Spiels hatte der Geschäftsführer für den Fall des Klassenerhalts „zeitnahe“ Gespräche angekündigt. Nun, wo der FC zwei Spieltage vor Saisonende sechs Punkte und zig Tore Vorsprung auf Wolfsburg und St. Pauli hat, dürfte die Trainer-Zukunft intern höchste Priorität genießen.

René hat mit Ausnahme von dem guten Spiel gegen Leverkusen immer gepunktet. Das ist sicherlich nicht schlecht für uns.

Thomas Kessler

Zu den Fakten: Seitdem Wagner die Chefrolle von Lukas Kwasniok übernommen hat, holte der FC in fünf Spielen sechs Punkte. In der Formtabelle bedeutet diese Ausbeute – ein Sieg, eine Niederlage, drei Unentschieden – einen ordentlichen zehnten Rang. Von Schlusslicht Heidenheim mal abgesehen, waren die Kölner in dieser Periode das stärkste Team aus dem Tabellenkeller.

Die nackten Zahlen – die Tatsache, dass der FC mit Wagner nur einmal verloren hat – sagen zunächst mal: Der Interimscoach hat die Mannschaft stabilisiert, ohne für den großen, berüchtigten Trainereffekt zu sorgen. Und was sagt Kessler?

Kessler legt sich nicht fest

Auf die Frage, ob Wagner einer Festanstellung als Chef durch das 2:2 in Berlin näher gekommen sei, gab sich der Sportchef gewohnt ergebnisoffen, ließ aber erneut Zufriedenheit durchklingen: „Grundsätzlich sind wir wieder einen Schritt näher an unser Saisonziel herangekommen. René hat mit Ausnahme von dem guten Spiel gegen Leverkusen, das wir leider verloren haben, immer gepunktet. Das ist sicherlich nicht schlecht für uns.“

Doch ist „nicht schlecht“ auch gut genug? Rein inhaltlich betrachtet fällt es schwer, das Unentschieden an der Alten Försterei als Empfehlung für eine komplette Saison als Cheftrainer zu werten. Mit der zwischenzeitlichen 2:0-Führung lag der FC nach einem weniger attraktiven, aber weitaus effizienteren Auftritt als zuletzt gegen Leverkusen zwar endlich einmal bei Angstgegner Union auf Siegkurs – dann allerdings waren es auch Wagners Wechsel, die Berlins Aufholjagd einläuteten (der GEISSBLOG berichtete).

Für seinen Dreiertausch nach 72 Minuten – Thielmann, Maina und Niang für Kaminski, Bülter und den angeschlagenen El Mala – muss Wagner harte Kritik aus der Anhängerschaft einstecken. Er wollte für „mehr Energie“ sorgen und „das Zeichen geben, dass wir weiter dran bleiben wollen“, erklärte der 37-Jährige nach Abpfiff. Stattdessen bot Wagner in der Schlussphase eine nicht mehr funktionierende Offensive auf, der FC geriet schnell in Bedrängnis.

Will Kessler mit Wagner weitermachen?

Die Berliner Fans skandierten „Aufwachen“ und Union wachte auf. Nur eine Minute nach den Kölner Wechseln fiel der 1:2-Anschlusstreffer – durch Tom Rothe, den Gegenspieler von Youngster Niang. Beim 2:2 in Frankfurt hatte Wagner mit seinen Jokern ein glückliches Händchen bewiesen, diesmal gewiss nicht.

„Wir müssen uns vorwerfen, dass wir es nicht geschafft haben, mit der 2:0-Führung souveräner umzugehen“, sagte Kessler nach Abpfiff, adressierte diese Kritik aber nicht. Prinzipiell gilt: Der Sportboss sieht in Wagner nicht erst seit dieser Saison ein großes Trainer-Talent und traut dem gebürtigen Dresdner eine vielversprechende Karriere als Chef zu – am liebsten in Köln.

Wir haben nächste Woche ein schweres Spiel zu Hause und ich hoffe, danach haben wir eine klarere Antwort – auch von mir.

René Wagner

Doch ob Wagner schon jetzt dazu bereit ist, einen Bundesliga-Club für eine gesamte Spielzeit zu übernehmen und womöglich sogar einen längerfristigen Vertrag zu erhalten, darüber gehen die Meinungen wohl nicht nur extern auseinander.

Wagner selbst wollte „nicht beurteilen“, ob das Union-Spiel seine Chancen auf eine feste Chefrolle gesteigert habe, sagte lediglich: „Wir haben nächste Woche ein schweres Spiel zu Hause und ich hoffe, danach haben wir eine klarere Antwort – auch von mir.“ Dieses schwere Spiel gegen Heidenheim entscheidet nicht mehr über den Klassenerhalt, könnte aber zur Entscheidungsfindung der FC-Bosse beitragen.

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