Seit über einem Jahrzehnt tobt nun der Streit um den Ausbau des Geißbockheims. Der 1. FC Köln hat sich dieser existenziellen Frage stets um Ausgleich bemüht, ist jeden juristischen Weg gegangen. Dass die Umweltschützer andere Interessen haben – verständlich. Aber bei allen guten Absichten: Die Last-Minute-Eingabe ist ein juristisches Foulspiel, eine Trickserei, die der Akzeptanz des so wichtigen Themas Klima- und Artenschutz mehr schadet als nützt.
Ein Kommentar von Alexander Haubrichs
Seit über zehn Jahren verfolge ich nun die Diskussion um den Ausbau des Geißbockheims, den Streit um die Versiegelung von Flächen, den Erhalt der Gleueler Wiese. Was für die einen schlichte eine Hundewiese ist, ist für andere ein verteidigungswertes Biotop. Bei der journalistischen Begleitung dieses Themas war ich oft zwiegespalten. Wie sicher so einige Fans des 1. FC Köln – zumal jenen, die sich eine lebenswerte Zukunft für ihre Kinder erhoffen –, bin ich grünen Themen sehr zugewandt. Die Nutzung erneuerbarer Energien, Umwelt- und Naturschutz: Auf dem Weg in eine moderne Gesellschaft sollte auch ein Fußball-Club nachhaltige Ziele verfolgen.
Doch da sind auch die Nöte des 1. FC Köln. Trotz aller widrigen Bedingungen schafft der Club es, mit hervorragender Nachwuchsarbeit zu begeistern, mit dem vorläufigen Höhepunkt des Youth-League-Spiels vor ausverkauftem Haus im RheinEnergieStadion. Kindern auch aus benachteiligten gesellschaftlichen Bereichen eine Hoffnung und Zukunft zu geben, bei er Integration zu helfen – all das leistet der Sport.
Und ein anerkanntes Nachwuchs-Leistungszentrum – seit diesem Jahr auch im Frauenfußball – in Köln ist dabei ein elementarer Baustein. Das Geißbockheim als Herz des FC ist dabei Anlaufpunkt nicht nur für Aktive, sondern auch für viele Fans. Dass man nun dem U21-Wettbewerb der DFL eine Absage erteilen musste, zeigt, wie hochproblematisch und angespannt die Situation ist. Das Geißbockheim platzt in dieser Form aus allen Nähten.
Tricksereien bringen ehrenwerte Ziele in Verruf
Nun sucht der Club nun schon seit Jahren auf vorbildliche und transparente Weise, das Trainingsgelände zu erweitern. Klar muss dabei auch auf ökologische Gesichtspunkte Rücksicht genommen werden. Und in Zeiten des größten Artensterbens seit hunderten Millionen Jahren hat auch jeder Tagfalter, jede Eidechse und jede Libellenart ein Recht auf Schutz.
Doch das kurzfristige Einbringen dieser Bedenken durch die Naturschützer, die damit das Oberverwaltungsgericht in Münster zum Aufschieben ihrer Entscheidung zwangen, bringt ihre eigentlichen, ehrenwerten Ziele in Verruf. Denn es macht den Anschein, als wolle man mit diesem juristischen Manöver einzig und alleine die drohende Niederlage vor Gericht mit juristischen Tricksereien verzögern und verschleppen.
Den FC blockieren – koste es, was es wolle
Das aber hindert nicht nur den 1. FC Köln daran, eine für Jugend und Frauen zukunftsfähige Infrastruktur auf die Beine zu stellen. Es leistet auch der grünen Sache einen Bärendienst. Denn auch für Menschen mit einem ökologischen und sozialen Gewissen sind solche Winkelzüge nicht mehr nachzuvollziehen. Und erforderliche Mehrheiten für die dringend benötigte gesellschaftliche Wende in Richtung Zukunft gewinnt man mit solch einer unversöhnlichen und nicht im Ansatz kompromissbereiten Blockadehaltung schon gar nicht.








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