Mehr Geld als erwartet: Darum kann der FC so viel in Transfers investieren

Die FC-Geschäftsführer Philipp Liesenfeld und Philipp Türoff. (Foto: Bucco)
Die FC-Geschäftsführer Philipp Liesenfeld und Philipp Türoff. (Foto: Bucco)

Der 1. FC Köln hat bereits knapp unter zehn Millionen Euro in Transfers investiert – und hat trotzdem gerade erst mit der Kaderplanung angefangen. Woher kommt das Geld, nachdem die Geißböcke in den Jahren zuvor jeden Euro umdrehen mussten?

Mit Ragnar Ache und Isak Johannesson hat der 1. FC Köln diesem Sommer bereits über neun Millionen Euro an Ablösesummen gezahlt. Die Geißböcke haben damit aber gerade erst die Kaderplanung für die Bundesliga begonnen, denn noch zahlreiche Spieler sollen folgen. Der FC will und kann kann weiterhin investieren.

Auf Seiten der Neuzugänge plant der FC – unabhängig von möglichen Abgängen wie Max Finkgräfe, Eric Martel oder Damion Downs – noch mit sechs neuen Spielern. Zwei Torhüter müssen kommen, ebenso ein Rechtsverteidiger und ein Innenverteidiger. Zudem hat der FC außer Martel keinen weiteren Sechser, sodass mindestens ein Back-up kommen muss. Ebenso ist noch ein Stürmer fest eingeplant. Doch mit welchem Geld kann der FC diese Transfers bezahlen?

1. Überschuss wegen Transfersperre

Der FC hatte eigentlich für den Januar 2024 und den Sommer 2024 in der Finanzplanung mit Transferausgaben in Höhe von insgesamt über zehn Millionen Euro kalkuliert. Durch die Transfersperre, die im Dezember 2023 bestätigt wurde, konnte der FC diese Transfers aber nicht tätigen. Im Januar 2024 gab der FC gar kein Geld aus. Im Sommer 2024 investierte der FC zwar in die El-Mala-Brüder, in Rasmus Carstensen und Luca Waldschmidt sowie in die Vertragsverlängerungen mit zahlreichen Spielern.

Doch weil gleichzeitig mehrere Gut-Verdiener den Club verließen (Selke, Chabot, Schmitz) und zudem Jeff Chabot für 4,5 Mio. Euro verkauft wurde, fiel die Transferbilanz des Sommers 2024 auch positiv für den FC aus. Statt Investitionen in Millionenhöhe schloss der FC das Transferjahr 2024 also mit einem unfreiwilligen Gewinn ab.

2. DFB-Pokal-Einnahmen

Der FC spielte 2024/25 eine überaus erfolgreiche Saison im DFB-Pokal. Durch die Qualifikation für das Viertelfinale nahm der FC alleine an Prämien über drei Millionen Euro ein, dazu kommen die Einnahmen aus den Spielen. Finanz-Geschäftsführer Philipp Türoff gab nun bei FC.de zu, dass „wir entsprechend einer vorsichtigen Planung mit diesen Einnahmen nicht gerechnet haben“. Diese Sondereffekte hätten dem FC zusätzlich geholfen, „die Zweitliga-Saison mit einem positiven Ergebnis abzuschließen“.

3. Urbig-Verkauf

Dazu kam im Januar der unerwartete Verkauf von Jonas Urbig. Schon zu Weihnachten 2024 hatte Türoff im GEISSBLOG-Interview erklärt, dass der FC in der 2. Liga eine schwarze Null schreiben würde – unabhängig vom Urbig-Transfer zum FC Bayern. Die Wintertransfers (Rondic, Schmied, Gazibegovic) hingegen waren in dieser Rechnung schon eingeplant gewesen, auch in der tatsächlichen Höhe von am Ende rund fünf Millionen Euro.

Dass der FC mit Urbig im Winter sieben Millionen Euro plus Boni verdienen würde, hatte Türoff nicht vorhergesehen – und so konnte der FC diese Summe zur Seite legen. „Den Transfer von Jonas Urbig hatten wir so natürlich nicht eingeplant“, sagte Türoff nun und gab zu, dass dieses Geld in diesem Sommer in den Kader fließen wird. „Dieser zahlt positiv aufs Ergebnis ein und schafft wiederum Handlungsspielräume, um den Kader substanziell weiterzuentwickeln.“

4. Wirtz-Millionen

Womit der FC auch nicht rechnen konnte, war der nun perfekte Transfer von Florian Wirtz zum FC Liverpool. Die Geißböcke wussten zwar, dass in diesem Fall eine Transferbeteiligung kommen könnte. Dass es am Ende aber über zwei Millionen Euro werden, darauf konnte sich der FC nicht verlassen. Für die Geißböcke ist dieses Geld ein zusätzlicher Bonus im Kampf um einen konkurrenzfähigen Bundesliga-Kader 2025/26.

5. Geringere Schulden

Und schließlich kann der FC in der Saison 2025/26 erstmals so richtig auskosten, was bereits seit einem Jahr gilt. Seit Sommer 2024 stehen den Geißböcken endlich wieder alle Einnahmen vollständig in der entsprechenden Spielzeit verfügbar. Durch Corona hatte der FC zahlreiche Einnahmen aus Werbeverträgen vorverkauft, um die Einnahmeausfälle aus der Pandemie zu finanzieren. Seit letztem Sommer ist diese Schuld getilgt.

Der FC hat insgesamt kaum noch Schulden, die Abzahlung der Verbindlichkeiten fällt nicht mehr so ins Gewicht wie noch vor zwei oder drei Jahren. Durch den Aufstieg macht der FC also nicht nur einen Sprung in den TV-Erlösen und in den Werbeeinnahmen. Dadurch, dass all dieses Geld nun wieder vollständig zur Verfügung steht und gleichzeitig der Schuldenberg kaum noch belastet, entstehen den Geißböcken neue Handlungsspielräume.

Fazit

Die Verantwortlichen rühmen sich gerne für die wirtschaftliche Blitz-Genesung. Bekannt ist, dass diese auf Kosten der sportlichen Wettbewerbsfähigkeit ging. Bekannt ist aber auch, dass sie insbesondere dank zahlreicher Sondereffekte so schnell gelang: durch den Urbig-Verkauf, durch den DFB-Pokal-Erfolg, durch die Wirtz-Millionen und AUCH durch die Transfersperre. Die FC-Bosse hören es nicht gerne, aber dieses Totalversagen sorgte dafür, dass der FC viele Millionen Euro eben NICHT ausgeben konnte.

Geld, das wiederum in die Schuldentilgung gesteckt werden konnte. Und das nun in Teilen zur Verfügung steht, um den Bundesliga-Kader 2025/26 zu bauen. Der FC kann mehr als die zunächst kolportierten zwölf Millionen Euro für Ablösesummen investieren. Und so sind die Geißböcke längst nicht fertig mit der Kaderplanung. Der Transfersommer 2025/26 hat womöglich gerade erst so richtig begonnen.

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