„Untergrabung“: Streit um Mitgliederversammlung droht zu eskalieren

Tugba Tekkal, Wilke Stroman und Carsten Wettich wollen den neuen Vorstand des 1. FC Köln bilden. (Foto: Next Level FC)
Tugba Tekkal, Wilke Stroman und Carsten Wettich wollen den neuen Vorstand des 1. FC Köln bilden. (Foto: Next Level FC)

Beginnt jetzt der schmutzige Teil des Wahlkampfs um die Macht beim 1. FC Köln? Das Team Stroman fordert Vorstand und Mitgliederrat öffentlich dazu auf, die Mitgliederversammlung 2025 hybrid stattfinden zu lassen. Die Antwort des Mitgliederrates fällt deutlich aus.

Die Durchführung der Mitgliederversammlung des 1. FC Köln ist seit Jahren ein Streitthema. Das entscheidende Stichwort: die hybride Teilnahme, also die Möglichkeit, nicht vor Ort sein zu müssen, um trotzdem bei den entscheidenden Themen auf digitalem Wege abstimmen zu können. Nur im Jahr 2021, aufgrund der Pandemie aus der Not geboren, ließ der FC diesen Weg zu.

Danach wurde der hybride Weg wieder abgeschafft, nicht nur vom Mitgliederrat, wie der noch amtierende Vorstand aktuell suggerieren will, sondern auch von Werner Wolf, Eckhard Sauren und Carsten Wettich selbst. Die Argumente des Vorstands lauteten damals: Eine demokratische Mitgliederversammlung lebe vom Austausch vor Ort. Darüber hinaus gebe es rechtliche und technische Bedenken.

Was das Team Stroman fordert

Der Vorstand hat seine Meinung inzwischen um 180 Grad gedreht. Und so überrascht es nicht, dass sich das neue Vorstandsteam um Wettich mit Wilke Stroman und Tugba Tekkal am Dienstag per offenem Brief an den Mitgliederrat (sowie an Wolf und Sauren als Rest-Vorstand) gewendet hat, um darauf zu drängen, am 27. September 2025 eine hybride Mitgliederversammlung im RheinEnergieStadion durchzuführen.

Dem Team Stroman sei in den vergangenen Wochen von vielen Mitgliedern „der Wunsch nach einer hybriden Mitgliederversammlung“ angetragen worden, „um aktiv an der Vorstandswahl am 27.9. teilnehmen zu können. Der Wunsch einer Möglichkeit zur virtuellen Teilnahme und Abstimmung wurde insbesondere von Mitgliedern mit Handicap bzw. älteren Mitgliedern geäußert, die nicht mehrere Stunden im Stadion sitzen können, aber auch von Mitgliedern, die weiter entfernt wohnen oder samstags arbeiten müssen“, hieß es in dem Brief an Vorstand und Mitgliederrat.

Welches Team hat wann bessere Chancen?

Vor diesem Hintergrund wolle man sich noch einmal „für die Durchführung einer hybriden Mitgliederversammlung am 27. September“ aussprechen. „Eine solche wäre auch jetzt noch technisch umsetzbar und begegnet rechtlich keinen Bedenken.“ Das Team Stroman sei zwar dafür, „die Rechte virtuell teilnehmender Mitglieder auf das Stimmrecht [zu] beschränken und das Wort- und Fragerecht den in Präsenz teilnehmenden Mitgliedern vor[zu]behalten.“ Jedoch unterstütze auch das Team um Sven-Georg Adenauer die Initiative, und so solle der FC noch einmal abwägen, ob eine hybride MV möglich sei.

Der Hintergrund der Forderung ist kein Mysterium. Beide Teams, welche nicht vom Mitgliederrat vorgeschlagen wurden – das Team Stroman und das Team Adenauer –, erhoffen sich bessere Chancen bei der Wahl, je mehr Mitglieder vor Ort oder zur Abstimmung zugelassen sind. Je geringer die Wahlbeteiligung, so hieß es zuletzt aus dem Umfeld des Teams Stroman, desto größer seien die Chancen für das Vorstandsteam mit Jörn Stobbe, Jörg Alvermann und Ulf Sobek, welches vom Mitgliederrat vorgeschlagen wurde.

Scharfe Worte des Mitgliederrates

Die Replik des Mitgliederrates auf den Brief, der mit einem Posting bei Instagram begleitet wurde, ließ nicht lange auf sich warten – und sie offenbarte, dass dieser Streit womöglich gerade erst begonnen hat. „Der Mitgliederrat kritisiert den Vorstoß der Kandidierenden […] und sieht darin eine Untergrabung demokratischer Entscheidungen und eine Instrumentalisierung des Themas im Wahlkampf“, hieß es in der Mitteilung des Gremiums.

Und weiter: „Wir kritisieren, dass das Thema von den Teams Stroman und
Adenauer im Wahlkampf instrumentalisiert und immer wieder aufgeladen wird. Dafür
spricht, dass unmittelbar mit Versand des Briefs an Vorstand und Mitgliederrat das
Thema bereits auf den Social Media Kanälen der Kandidatenteams veröffentlicht und
bereits am Vortag an die Medien gespielt wurde, ohne den angesprochenen Gremien
überhaupt die realistische Möglichkeit einer Antwort zu geben. Wir fordern auch von
Wahlkämpfenden, dass diese unsere demokratischen Strukturen respektieren. Hier
wird durch öffentlichen Druck versucht, demokratische Beschlüsse im eigenen Sinne
zu verändern.“

Frage könnte Mitgliederschaft spalten

Andere Bundesligisten halten es unterschiedlich. Borussia Dortmund wird seine Mitgliederversammlungen künftig hybrid abzuhalten – allerdings traf alleine der Vorstand diese Entscheidung ohne Mitgliedermitsprache, wohl auch deswegen, um die kommende Präsidentschaftswahl zu beeinflussen und BVB-Boss Hans-Joachim Watzke ins Amt zu befördern. Der HSV und der VfB Stuttgart dagegen haben sich jeweils gegen eine hybride Mitgliederversammlung entschieden.

Die Mitgliederversammlung – als Präsenz oder hybrid? Beim FC droht diese Frage nun den Wahlkampf zu überlagern und die Mitgliederschaft zu spalten. Dabei sollte es eigentlich um Inhalte gehen, wie der 1. FC Köln künftig wieder erfolgreich werden kann. Stattdessen könnten die Wochen vor der Wahl nun hitzig werden.

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