Elias Bakatukanda spielt seit Januar 2025 für Blau-Weiß Linz in der österreichischen Bundesliga. Im Interview mit dem GEISSBLOG spricht das Eigengewächs des 1. FC Köln unter anderem über seine Entwicklung und seine Ziele bei seinem Heimatclub.
Das Interview führten Sonja Gauer und Martin Zenge
GEISSBLOG: Herr Bakatukanda, nach acht Monaten in Österreich: Wie gefällt es Ihnen in Linz?
ELIAS BAKATUKANDA: „Ich bin wirklich zufrieden. Als Mensch, der nicht viel braucht, bin ich positiv überrascht von der Stadt. Es gibt alles, was man benötigt.“
In dieser Saison standen Sie in jedem Spiel über 90 Minuten auf dem Platz. Wie fällt Ihr bisheriges Fazit zur Leihe aus?
„Die ersten Monate waren sehr positiv. Wichtig ist für mich, dass ich zu Spielzeit komme. Das funktioniert auf jeden Fall sehr gut. Die Spiele, die ich spiele, will ich dann natürlich auch gut spielen. In der letzten Saison haben wir Geschichte geschrieben und sind in die Top-6 gekommen. Da konnte ich mich jede Woche auf sehr hohem Niveau messen.“
Bislang läuft es bislang leider noch nicht so gut…
„Wir sind leider in einen Fehlstart geraten, konnten die ersten vier Spiele kein Tor erzielen und haben erst am vergangenen Wochenende unseren ersten Punkt geholt. Gegen Salzburg haben wir es hinbekommen, den Schalter umzulegen. Wir haben eine gute Leistung gebracht, wurden aber durch einen Handelfmeter kurz vor Schluss leider nicht belohnt (2:2, Anm. d. Red.). Wenn wir so spielen, kann es aber für uns noch gut ausgehen.“
Was sind die Gründe für den Fehlstart?
„Wir kriegen zu viele Gegentore und haben es nicht geschafft, Tore zu schießen. Es hat nicht am Mindset gefehlt. Vor und in den Spielen hat man gesehen, dass wir Bock hatten und gewinnen wollten. Schlussendlich haben wir zu leicht die Gegentore bekommen. Wir haben es dann meist nicht geschafft, den Spielplan bis zum Ende durchzuziehen.“
Daran hat Bakatukanda gearbeitet
Im Sommer gab es bei Linz einen Trainerwechsel von Gerald Scheiblehner zu Mitja Mörec. Hat das etwas für Sie persönlich verändert?
„Natürlich sind es zwei ganz verschiedene Charakter. Grundsätzlich hat sich für mich aber nichts verändert.“
Wie sehen Sie Ihre persönliche Entwicklung? Woran haben Sie in den vergangenen Monaten intensiv arbeiten können?
„Auf jeden Fall an meinem Fokus. Ich muss im Spiel von der ersten Minute bis zum Schlusspfiff zu einhundert Prozent konzentriert sein. Ich muss einfach bleiben, wenig Fehler machen. Auch ausdauertechnisch habe ich daran gearbeitet, Woche für Woche Stand zu halten, um trotz viel Spielzeit dauerhaft gesund zu bleiben. Ich habe auch an meinen Defiziten, wie dem offensiven und defensiven Kopfball, gearbeitet. Ich konnte mich denke ich schon verbessern.“
„Ich finde die Dreierkette geil!“
In Linz spielen Sie in einer Dreierkette. Auch der FC spielt unter Lukas Kwasniok jetzt vermehrt mit der Dreierkette. Wie gefällt Ihnen dieses System?
„Ich finde die Dreierkette geil. Wenn du außen spielst, kannst du dich mehr oder weniger nach vorne hinbewegen. Ich bin jemand, der sich gerne mal nach vorne einschaltet. In der Dreierkette kannst du das perfekt umsetzen. Deswegen finde ich die Formation sehr interessant und es gefällt mir.“
Sie haben schon auf allen drei Positionen in der Dreierkette gespielt. Haben Sie da eine Präferenz?
„Wenn du als Rechtsfuß rechts spielst, macht es dir das einfacher, weil du über rechts das Spiel aufbauen kannst. Aber links habe ich auch die Spiele, die ich gespielt habe, gut gespielt. Außen auf der Position ist es läuferisch anstrengender, in der Mitte physischer. Da triffst du im Spiel direkt auf den Stürmer, die meist sehr physisch veranlagt sind. Aber ich habe nicht unbedingt eine Präferenz.“
Regelmäßiger Austausch mit dem FC
Wie ist der Austausch aktuell mit dem FC?
„Der ist gut. Ich bin in regelmäßigem Austausch mit Sascha Bigalke und Thomas Kessler. Wir unterhalten uns im Wochentakt – eigentlich immer nach den Spielen oder wenn ich etwas brauche.“
Sprechen Sie Ihre Spiele dann auch konkret durch?
„Sie schauen sich meine Spiele an. Da geben sie mir dann das Feedback, ich werde aber auch gefragt, wie ich mich selbst einschätze. Wir schauen gemeinsam, dass ich in jedem Spiel die bestmögliche Leistung abrufen kann. Aber auch abseits des Fußballs ist es ihnen wichtig, dass ich ein gutes Gefühl bekomme. Auch wenn ich hier bin, weiß ich, dass in Köln an mich gedacht wird und ich nicht vergessen bin.“
Das gibt Ihnen wahrscheinlich das Gefühl, dass beim FC perspektivisch mit Ihnen geplant wird, oder?
„Auf jeden Fall – das hoffe ich zumindest (lacht).“
Kwasniok-Gespräch geplant
Es ist aber schon der klare Plan, dass Sie ab der kommenden Saison wieder beim FC spielen?
„Das ist der Plan. Ich sehne mich natürlich danach, nach der Saison wieder zum FC zurück zu kommen. Was in einem Jahr passiert, werden wir dann sehen.“
Gab es auch schon mit Lukas Kwasniok einen Austausch?
„Persönlich noch nicht. Das ist aber in Planung, davon hat mir Sascha Bigalke schon berichtet.“
Wie haben Sie den Saisonstart des FC verfolgt?
„Ich habe mir beide Spiele angeschaut. Ich muss sagen, dass ich sehr beeindruckt war. Insbesondere vom zweiten Spiel gegen Freiburg, einen Verein, der seit Jahren um Europa spielt. Als Aufsteiger mit sechs Punkten in die Saison zu starten und Freiburg zuhause mit 4:1 wegzuhauen, ist schon stark. Auch von der Art und Weise, wie Fußball gespielt wird, bin ich sehr positiv überrascht. Mich freut es, dass es der FC schafft, zu zeigen, dass sie in die Bundesliga gehören.“
„Jedem jungen Spieler kann eine Leihe helfen“
Passt diese Art und Weise zu Ihren Stärken?
„Ich denke schon, dass der Fußball, den sie aktuell spielen, zu dem passt, was von mir verlangt wird. Ich kann es zumindest kaum erwarten.“
Würden Sie den Schritt, den Sie mit der Leihe gegangen sind, auch anderen jungen Spielern empfehlen? Haben Sie beispielsweise mit Julian Pauli vor seiner Leihe nach Dresden gesprochen?
„Gesprochen haben wir nicht. Im Endeffekt hat jeder seine Defizite auf der ein oder anderen Seite. Bei mir war es der Fokus und die Fehlervermeidung. Mir hilft die Leihe dabei sehr. Es ist nicht einfach, aus der Jugend direkt in den Herrenbereich zu kommen und durchzustarten. Wenn man dafür eine Leihe braucht, ist das nicht der falsche Schritt. Ich denke, dass eine Leihe jedem junge Spieler helfen kann.“
Youngster musste Entscheidung treffen
Sie haben in der Hinrunde der vergangenen Saison auch zwei Spiele für die Profis gemacht. Mussten Sie von der Leihe im Winter überzeugt werden oder war es Ihr persönlicher Wunsch, sich zu verändern?
„Bei mir war schon eine gewisse Unzufriedenheit da, weil ich mir mehr erhofft hatte. Die Verletzung am Anfang der Saison hat mich natürlich gebremst, weil ich nicht die Möglichkeit hatte, mir meine Chance zu erspielen. Die Schritte, die mir dann gefehlt haben, haben dazu geführt, dass es schwer wurde, in der Saison auf Spielzeit zu kommen. Deswegen musste ich diese Entscheidung für mich treffen.“
Der FC hat in diesem Sommer einige neue Innenverteidiger verpflichtet. Schauen Sie da auf Ihrer Position besonders hin?
„Das hat mich natürlich interessiert. Aber der FC hat einen Plan mit diesen Spielern. Mit mir haben sie aber auch verlängert, weil sie einen Plan mit mir haben. Ich mache mir darüber keinen großen Kopf, weil ich erstmal noch ein Jahr hier bin.“
Wie würden Sie das Niveau in der österreichischen Bundesliga im Vergleich zu Deutschland einschätzen?
„Das Niveau hier ist gut. Einige Vereine sind international vertreten, die könnten in Deutschland in der Bundesliga mithalten. Gegen solche Mannschaften zu spielen, ist ein guter Gradmesser für mich, um zu sehen, wie weit ich schon bin.“
Was sind Ihre Ziele mit Linz für diese Saison?
„Unser Ziel ist der Klassenerhalt. Wir wollen uns nach dem Aufstieg vor zwei Jahren als Erstliga-Verein etablieren.“








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