FC gegen BVB benachteiligt! DFB räumt Fehler ein – Siebert mit Rückzieher

Hier war Dortmunds Yan Couto mit der Hand am Ball. (Foto: Sky)
Hier war Dortmunds Yan Couto mit der Hand am Ball. (Foto: Sky)

Der 1. FC Köln hätte gegen Borussia Dortmund einen Elfmeter erhalten müssen – das hat am Sonntag auch die Schiri GmbH des DFB eingeräumt. Die Geißböcke, der BVB und sämtliche Experten waren sich schon am Samstagabend einig gewesen.

Wen man im RheinEnergieStadion auch fragte: Niemand konnte erklären, warum der 1. FC Köln in der fünften Minute der Nachspielzeit nach einem klaren Handspiel von Borussia Dortmunds Yan Couto keinen Elfmeter erhalten hatte. Die Wut bei den Geißböcken war einmal mehr groß, die Experten waren sich einig und selbst BVB-Trainer Niko Kovac hätte einen Strafstoß für die richtige Entscheidung gehalten.

Schließlich war Couto mit ausgestrecktem Arm – also klar vergrößerter Körperfläche – am Ball gewesen, hatte so Linton Maina die Einschusschance zum 2:2 genommen. Daniel Siebert aber ließ weiterlaufen und erhielt auch keinen Hinweis aus dem Kölner Keller. Dabei zählte die Szene in der chronisch undurchsichtigen Handdebatte eigentlich noch zu den klareren Situationen, das gab auch Kovac zu: „So wurde uns das erklärt und beigebracht. Ich weiß nicht, warum das in dem Fall kein Elfmeter war. Für uns glücklich, für die Kölner leider nicht.“

Matthäus mit „hellroter Karte“ für den VAR

Der frühere Top-Schiedsrichter Manuel Gräfe sprach ebenfalls von „Glück für den BVB“, denn Couto habe seinen „vor dem Körper erst angewinkelten Arm in die Flugbahn gestreckt“. Lothar Matthäus wiederum hatte schon während der Liveübertragung als Co-Kommentator bei Sky einen Elfmeterpfiff erwartet und sendete nach Abpfiff eine „hellrote Karte in den Kölner Keller“.

Am Sonntag räumte schließlich auch der DFB ein, dass der 1. FC Köln einen Elfmeter hätte erhalten müssen. Die Schiri GmbH des Verbandes erklärte in einer Stellungnahme, dass Videoassistent Benjamin Cortus die Armhaltung von Couto im Sprung als „natürlich“ wahrgenommen und daher von einer Intervention abgesehen habe.

Doch die Schiri GmbH selbst ist anderer Meinung: „Zwar war Yan Coutos Orientierung zum Ball dadurch eingeschränkt, dass der unmittelbar vor ihm postierte Kölner Bülter hochsprang und den Ball knapp verpasste. Dennoch war der Ball für den Dortmunder aufgrund der großen Distanz erwartbar, zumal er seine Richtung nicht änderte. Zudem war Yan Coutos Arm vom Körper abgespreizt. Deshalb spricht aus unserer Sicht so deutlich mehr für eine Bewertung des Handspiels als strafbar.“ Ein Eingreifen des VAR wäre „angebracht gewesen“.

Siebert sagte TV-Interview wieder ab

Es herrscht also Einigkeit: Der FC wurde im Top-Spiel benachteiligt. Auch Daniel Siebert dürfte dies nach Abpfiff schnell klar geworden sein. Denn wie Sky-Reporter Yannick Erkenbrecher am Sonntag im Doppelpass berichtete, sagte der Schiedsrichter ein eigentlich geplantes TV-Interview kurzerhand wieder ab.

Erkenbrecher verriet bei Sport1: „In der Schiedsrichter-Kabine lief Sky. Er hat den Nachlauf bei uns gesehen und wollte zum Interview rauskommen, hat dann aber gemerkt, dass sowohl Lothar Matthäus als auch alle Experten und sogar Niko Kovac sagten: Selbst aus Dortmunds Sicht war es ein Elfmeter.“ So sei es bei dem 41-jährigen Lehrer zum Umdenken gekommen. „Dann hat sich Daniel entschieden, er kommt nicht mehr raus zum Interview.“

Gegenüber dem Reporter habe Siebert von einer „50:50-Situation“ gesprochen, die er auf dem Platz nicht wahrgenommen habe. Warum Videoassistent Cortus den Hauptreferee nicht zum TV-Bildschirm schickte, das konnte sich aber auch Erkenbrecher nicht erklären.

Kesslers Unverständnis

„Der VAR war heute sehr wachsam. Ich habe die klare Erwartungshaltung, dass auch für den 1. FC Köln eingegriffen wird, wenn ein Ball quer durch den Sechzehner fliegt und sich ein Spieler verschätzt“, ärgerte sich Thomas Kessler und offenbarte folglich „absolut kein Verständnis dafür, dass mir der Schiedsrichter schildert, dass es gecheckt worden wäre, aber aus Sicht von Benjamin Cortus kein Elfmeter ist“.

Statt eines Pfiffs bekam Kessler an der Seitenlinie einen Anpfiff von Lars Erbst zu hören. „Wir hatten relativ schnell Bilder auf der Bank. Ich habe zum Vierten Offiziellen gesagt: Das kann nicht euer Ernst sein, dass ihr das nicht checkt. Vielleicht war ich in der Emotionalität nicht ganz ruhig, er hat mich eher darauf hingewiesen, dass meine Reaktion nicht gehen würde.“

Warum er das dritte Mal nicht eingriffen hat, das weiß nur er selber.

Thomas Kessler über den VAR

Kessler konnte darüber nur den Kopf schütteln: „Mit ein bisschen Abstand nach dem Spiel würde ich die Frage stellen, was entscheidender war: meine Reaktion auf die Bilder oder das Nicht-Eingreifen von Benjamin Cortus?“ Die Antwort darauf war für alle Beteiligten im RheinEnergieStadion eindeutig. Außer vielleicht für das Schiedsrichtergespann.

Zumal der Videoassistent zuvor zweimal korrekterweise interveniert hatte, beim Platzverweis von Jahmai Simpson-Pusey sowie beim zurückgenommenen Dortmunder Elfmeter, als Cenk Özkacar nicht gefoult hatte. „Einmal hat er richtig auf eine Rote Karte hingewiesen, einmal hat er darauf hingewiesen, dass es kein Elfmeter war. Warum er das dritte Mal nicht eingriffen hat, das weiß nur er selber“, drückte Kessler einmal mehr sein Unverständnis aus.

DAS KÖNNTE DICH AUCH INTERESSIEREN

DISKUTIER MIT!

Willkommen im Kommentarbereich des GEISSBLOG!
Hier kannst du über den 1. FC Köln diskutieren und dich mit anderen Usern austauschen. Bitte beachte dabei die Spielregeln in unserer Netiquette! Du findest sie hier und kannst sie jederzeit nachlesen. Viel Spaß!
Abonnieren
Benachrichtige mich bei
31 Kommentare
Neueste
Älteste Meistbewertete