„Wäre total vermessen“: So geht’s beim Geißbockheim-Ausbau weiter

FC-Präsident Jörn Stobbe mit Gespräch mit Oberbürgermeister Torsten Burmester. (Foto: Bucco)
FC-Präsident Jörn Stobbe mit Gespräch mit Oberbürgermeister Torsten Burmester. (Foto: Bucco)

Das OVG hat am Freitag zugunsten des 1. FC Köln entschieden – doch wie geht es jetzt weiter? FC-Präsident Jörn Stobbe über das Vorgehen beim Geißbockheim-Ausbau.

Gut zweieinhalb Stunden dauerte die Verhandlung vor dem Oberverwaltungsgericht (OVG) in Münster, das am Freitag endlich für juristische Klarheit sorgte: Der 2020 beschlossene Bebauungsplan zur Erweiterung des Geißbockheims ist rechtmäßig. Für Jörn Stobbe, nicht nur Präsident des 1. FC Köln, sondern auch Volljurist, war schnell klar, dass sein Verein den Saal als Sieger verlassen würde.

Ein wenig Genugtuung sei dabei gewesen, daraus machte das FC-Oberhaupt im Anschluss keinen Hehl. „Das Gericht hat wirklich in allen Aspekten gesagt, dass die Stadt einen richtigen Bebauungsplan gemacht hat.“ Dieser Plan sieht neben einem neuen Leistungszentrum am Geißbockheim bekanntlich auch drei neue Fußballplätze und vier Kleinspielfelder für die Öffentlichkeit auf der Gleueler Wiese vor.

Stobbe: „Das werden wir ausloten“

Doch Stobbe betonte in einer Gesprächsrunde am Freitagnachmittag, gut drei Stunden nach dem positiven OVG-Urteil, auch: „Es wäre total vermessen, dass ein Gerichtsurteil alle Probleme löst.“ Man würde „die Augen nicht verschließen“ vor den weiteren politischen Hürden. Denn auch wenn das juristische Go da ist, fehlt dem FC nach wie vor ein Pachtvertrag für die Gleueler Wiese. „Das ist in der Tat ein Problem“, so der 60-Jährige, der berichtete: „Innerhalb der Parteien gibt es viele Argumente dafür und dagegen. Das werden wir ausloten.“

Mit dem zuletzt vom Stadtrat durchgewunkenen Satellitenplatz-Modell (der GEISSBLOG berichtete) gibt es inzwischen eine Alternativlösung. Aufgeben wird der FC seine Wunschlösung, jene mit der Gleueler Wiese, jedoch nicht. „Wir können jetzt alles parallel verfolgen – einschließlich der Gleueler Wiese“, kündigte Stobbe an und wiederholte, was die FC-Verantwortlichen im inzwischen zwölf Jahre andauernden Kampf um den Ausbau immer wieder predigen: „Wir brauchen Plätze in der Nähe des Geißbockheims – je näher, desto besser.“

Es kann gut sein, dass die Satellitenplätze trotz des Urteils schneller realisierbar sind.

Jörn Stobbe

Seine Hoffnung, dass die Optimalvorstellung des FC in die Tat umgesetzt wird? „Null! Die Optimalvorstellung wäre falsch, wir müssen Kompromisse machen. Und die Hoffnung, dass wir Kompromisse kriegen, ist groß. Da ist echt ein neuer Spirit in der Stadt.“ Ein Kompromiss könnte letztlich zumindest eine „Teilmenge“ der Gleueler Wiese inkludieren, neben dem Satellitenplatz-Modell.

Entscheidend sei natürlich auch der Faktor Schnelligkeit. „Wo können wir die Not schnell lindern? Das könnte so ein Blau-Weiß-Platz sein. Und parallel schauen wir, wo man im Grüngürtel etwas realisieren kann.“ Es könne „gut sein, dass die Satellitenplätze trotz des Urteils schneller realisierbar sind“.

Satellitenplätze „keine Raketenwissenschaft“

Der Stand beim Satellitenplatz-Modell nach dem positiven Beschluss des Stadtrats sieht wie folgt aus: „Das ist reine Sache der Verwaltung. Jeder Platz hat ein eigenes Schicksal. Die Verwaltung ist dran und muss sagen, was noch fehlt, um das zu realisieren.“ Mal brauche es eine Baugenehmigung, mal ein Gutachten für den Naturschutz. „Das ist keine Raketenwissenschaft“, hofft Stobbe auf baldige Ergebnisse.

Und wie genau die Lösung für den FC letztlich auch aussehen mag, Fakt ist für das Vereinsoberhaupt trotz der gewünschten Gleueler Wiese: „Der Grüngürtel muss größer und muss repariert werden. Andere Städte beneiden uns um den Grüngürtel – wir müssen ihn schützen und ausbauen.“ Stobbe forderte daher zum Dialog auf: „Meine Hoffnung und mein ganz klarer Plan ist, auf die Stadt zuzugehen und zu fragen, wo wir als FC unterstützen können.“ Immer in dem Wissen: „Die Diskussion um die Satellitenplätze und die Gleueler Wiese, die müssen wir einfach noch mal führen.“

Unterm Strich könne dieser Freitag in Münster „für Köln ein guter Tag“ sein. Für ganz Köln, nicht nur für den FC. Es gebe schließlich nicht nur „Naturschutz oder Sport“, nicht nur „Grüngürtel oder FC“. Stobbe ist überzeugt: „Die Stadt Köln kann beides. Wir müssen alle mitnehmen in der Diskussion und uns fragen, wie wir den Naturschutz ganz groß fahren.“

Eingriffe in den Grüngürtel nur „im absoluten Ausnahmefall“

Naturschutz und neue FC-Plätze im Grüngürtel – wie könnte das zusammenpassen? Es dürfe nur „im absoluten Ausnahmefall“ in den Grüngürtel eingegriffen und müsse dann an anderer Stelle überkompensiert werden, gab Stobbe eine Richtung vor: „Für jeden Quadratmeter, der dem Grüngürtel womöglich entzogen wurde, müssen zehn oder 100 dazu.“ Man könne beispielsweise Parkplätze in Wiesen und Sportplätze umwandeln.

Unabhängig von der genauen Platz-Lösung treibt der FC den Bau des neuen Leistungszentrums am Geißbockheim voran, der den Club den Kunstrasenplatz am Franz-Kremer-Stadion kosten wird. Im November oder Dezember könnte es losgehen, aus baulogistischen Gründen womöglich auch erst Anfang kommenden Jahres. „Wir sind losgelöst von der Gleueler Wiese so zuversichtlich, dass wir ein Mindestmaß an Plätzen kriegen, dass es sich lohnt, diesen Wettbewerbsnachteil des FC zu beseitigen. Deswegen werden wir den Bau machen“, untermauerte Stobbe nach dem OVG-Urteil.

Juristisch war das schon ein Meilenstein.

Jörn Stobbe

Dass die Entscheidung aus Münster noch mal ins Wanken gerät, glaubt der Anwalt indes nicht. „Angst davor habe ich nicht. Juristisch war das schon ein Meilenstein.“ Revision ließen die Richter nicht zu. Hiergegen ist Nichtzulassungsbeschwerde zum Bundesverwaltungsgericht in Leipzig möglich. Der Nabu, der neben der Bürgerinitiative „Grüngürtel für Alle“ zu den Klägern zählte, hat das Urteil bereits scharf kritisiert.

„Der Nabu muss selbst wissen, ob er dagegen vorgeht oder nicht“, sagte Stobbe und wünschte sich natürlich etwas anderes: „Ich würde mich total freuen, mal mit dem Nabu zu diskutieren, wo man in Köln grüne Projekte verwirklichen kann, wie wir mithelfen können.“ Gerade in Anbetracht der Tatsache, wie wenig Naturschutz aktuell auf globaler Ebene zähle, appellierte der FC-Präsident: „Wenn wir in Köln ein Zeichen setzen können, wäre das doch mega.“

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