Platz 17 als Warnsignal: Nur eine Statistik oder ein echtes Problem?

Ellyes Skhiri ist einer der laufstärksten Kölner. (Foto: Bucco)
Ellyes Skhiri ist einer der laufstärksten Kölner. (Foto: Bucco)

Hat der 1. FC Köln ein Problem? Ein Blick in die Statistik zeigt: Die Geißböcke konnten in den ersten vier Bundesliga-Spielen der Saison ihrem Ziel nicht gerecht werden, zu den intensivsten Mannschaften der Liga zu gehören.

Es ist eines der Ziele für die neue Saison: Der 1. FC Köln will intensiven und aggressiven Fußball spielen. Dafür braucht es eine topfitte Mannschaft. Linton Maina sprach am Ende der Vorbereitung von den „härtesten Wochen“ seit seiner Zeit beim FC. Doch schon nach fünf Pflichtspiel-Wochen herrschen Zweifel.

Schon im DFB-Pokal mussten mit Luka Lochoshvili und Gideon Mensah zwei Neuzugänge mit Krämpfen ausgewechselt werden. Gegen die TSG Hoffenheim klagte zudem Said El Mala über Krämpfe. Sebastian Sebulonsen und Luca Waldschmidt erlitten in der Vorbereitung Muskelverletzungen, Alessio Castro-Montes folgte nun. Doch die muskulären Probleme sind nur das eine. Die Frage ist: Wie fit ist der FC wirklich?

Letzte Saison noch im oberen Mittelfeld

Gegen die TSG Hoffenheim lief der FC fast 3,4 Kilometer weniger als die Mannen aus dem Kraichgau. In Stuttgart waren es 2,8 Kilometer weniger als der VfB. Gegen Bremen lief der FC zwar insgesamt über 121 Kilometer, aber noch immer 2,0 Kilometer weniger als der Gegner. Und auch beim HSV lief der FC nur hinterher, und zwar 1,8 Kilometer. Ein Alarmsignal, das auch eine Trainingsmaßnahme am Dienstag erklärte?

Denn am Dienstag vor den fünf freien Tagen schickte das Trainerteam die Spieler vor Ort noch einmal in einen Shuttle-Run. Die Profis mussten bei immer höher werdendem Tempo eine bestimmte Distanz zurücklegen. Wer nicht mehr konnte, schied aus. Die letzten drei Spieler, die übrig blieben, waren Sebastian Sebulonsen, Ellyes Skhiri und Jan Thielmann. Nach dem Training gingen die Spieler auseinander, bekamen einen Laufplan für die freien Tage an die Hand und werden sich am kommenden Montag wieder am Geißbockheim versammeln.

Doch ein Blick in die offiziellen Statistiken der Bundesliga zeigt: Der FC bleibt insgesamt in Sachen Laufarbeit bislang hinter den eigenen Erwartungen zurück. Bei den zurückgelegten Kilometern liegt der FC im Liga-Vergleich nur auf Rang 14, bei der Anzahl Sprints auf Rang 12 und bei den Intensiven Läufen sogar nur auf dem letzten Platz 17. Zum Vergleich‘: In der Saison 2025/26 leistete der FC die 7.-meisten Kilometer und 8.-meisten Sprints ab, auch wenn damals ebenfalls die Intensiven Läufe als 15. unterdurchschnittlich waren.

Hoffenheim als Vorbild ist weit voraus

Noch deutlicher wird der Vergleich aber pro 90 Minuten. Der FC legt bislang nur 116,0 statt 119,0 Kilometer pro Spiel zurück und damit satte drei Kilometer weniger – die drei Kilometer, die im Schnitt gegenüber den Gegnern fehlten. Zudem waren es 6 Sprints und 21 intensive Läufe pro 90 Minuten im Vergleich zur Vorsaison weniger. Ein Sprichwort besagt zwar: „Zu jeder Statistik gibt es eine zweite, die die erste widerlegt.“ Doch die Frage bleibt: Handelt es sich nach vier Spieltagen nur um einen statistischen Zufall oder hat der FC ein echtes Problem?

Pro 90 Minuten2025/26 (Liga-Wert)2026/27 (Liga-Wert)
Kilometer119,0 (7.)116,0 (14.)
Sprints161(8.)155 (12.)
Intensive Läufe638 (15.)617 (17.)

Auffällig: Der FC erwähnte in der vergangenen Saison immer wieder die TSG Hoffenheim, die unter Christian Ilzer eine sehr gute Entwicklung genommen habe und etwas weiter sei als der FC. Hoffenheim war in der vergangenen Saison die laufstärkste Mannschaft der Liga (Platz 1 bei den Kilometern, Platz 2 bei den Sprints, Platz 1 bei den Intensiven Läufen). Auch diese Saison liegt die TSG trotz sportlicher Probleme läuferisch weiterhin weit vorne (2., 4. und 5.). Hoffenheim hat das Niveau trotz bislang fehlender Ergebnisse also praktisch gehalten – der FC hingegen nicht.

Braucht es einen „Head of Performance“?

Seit Ulf Sobek als Vizepräsident beim FC im Hintergrund aktiv ist, wird am Geißbockheim auch die Struktur der athletischen Abteilung über den gesamten Club hinweg diskutiert. Braucht es einen übergreifenden „Head of Performance“? Diese Frage stellte Sobek als ehemaliger Athletiktrainer beim DFB. Bislang lautete die Antwort: nein. Damit es dabei bleibt und es keine weiteren Diskussionen gibt, sollten sich die Werte der FC-Profis allerdings wohl zeitnah verbessern. Andernfalls dürfte die Diskussion wieder Fahrt aufnehmen.

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