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Daum lobt und überrascht mit eigenwilliger Analyse

Christoph Daum hat mit der ihm eigenen Art die Entwicklung des 1. FC Köln gelobt und den Geissböcken ein gutes Zeugnis ausgestellt. Der 61-Jährige beklagte aber auch, dass es das Umfeld gewesen sei, das ihm zu seiner zweiten Amtszeit als Effzeh-Coach das Leben schwer gemacht habe.

Köln/München – Im „Doppelpass“ bei „Sport1“ erklärte Daum am Sonntag: „Als ich dort Trainer war, hatte ich ein Umfeld, in dem ich sagen musste: Leute, Ihr zwingt meine Mannschaft in einen Supermann-Anzug rein, der ihr gar nicht passt.“ Daum überraschte mit der Ansicht, nicht er selbst, Michael Meier oder Wolfgang Overath seien es gewesen, die nach dem Aufstieg 2008 von der Rückkehr nach Europa gesprochen hätten, sondern das Kölner Umfeld.

Unaufgeregtheit macht FC unglaublich stark

Immerhin, so Daum, sei das mittlerweile anders. „Heute wird nicht gleich wieder vom internationalen Wettbewerb gesprochen. Das Anspruchsdenken wird sehr realistisch gehalten. Man träumt nicht gleich wieder von der Europa League.“ Das Neue in Köln sei eine „wohltuende Unaufgeregtheit, die den Klub so unglaublich stark macht“.

In der Talkrunde am Münchner Flughafen saßen neben Daum unter anderem auch CDU-Politiker und FC-Fan Wolfgang Bosbach, Ex-FC-Coach Peter Neururer und Mirko Slomka. Und sie alle hatten viel Lob für den neuen Kölner Weg parat. Bosbach konnte sich zunächst eine Spitze gegen Daum nicht verkneifen. Die wohltuende Unaufgeregtheit „liegt natürlich auch am Trainer mit seiner ruhigen Art“.

Stöger finde ich herausragend als Trainer

Anschließend nannte die Runde unisono das Verhältnis zwischen Manager Jörg Schmadtke und Trainer Peter Stöger als Hauptgrund für den Aufschwung in den letzten Jahren. „Das Zusammenspiel Trainer und Manager passt“, sagte stellvertretend Mirko Slomka. „Das ist auch bei anderen Klubs entscheidend. Wolfsburg mit Allofs und Hecking, Gladbach mit Eberl und Favre, Augsburg mit Reuter und Weinzierl. Alles Top-Teams, die funktionieren und erfolgreich sind. Das sieht man jetzt auch in Köln.“

Peter Stöger und Jörg Schmadtke.

Peter Stöger und Jörg Schmadtke.

Peter Neururer zeigte sich zudem begeistert von der Arbeit seines österreichischen Kollegen. „Stöger finde ich herausragend als Trainer“, lobte Neururer, „weil er eine taktische Ausrichtung spielen lässt, die zugeschnitten auf die Stärken seiner Spieler ist und nicht irgendwelchen Hirngespinsten folgt.“ Es sei in der vergangenen Saison vollkommen richtig gewesen, mit einer extrem defensiven Ausrichtung aufzulaufen. „Stöger hat genau das gemacht, was der FC gebraucht hat.“

Daum meinte derweil, dass ihm selbst Stögers Möglichkeiten von heute nicht vergönnt gewesen seien. „Vor einigen Jahren wäre man bei diesem Spielstil noch auf die Barrikaden gegangen.“ Er meinte das Umfeld des Effzeh. Jenes, das ihm zwischen 2006 und 2009 den Erfolg verwehrte.

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6 Kommentare
  1. FC Neukölln
    FC Neukölln says:

    War es nicht ebenjener Christoph Daum, der 2008 über den damals 20jährigen Adil Chihi sagte, er sei „eines der größten Talente, die wir in Deutschland haben“, ja sogar von einem Vergleich mit dem jungen Cristiano Ronaldo nicht abzubringen war? Der damit der armen Wurst Chihi zumindest anteilig die Karriere versaute, da dieser im Wettkampf mit den seither an ihn gerichteten, immensen Erwartungen immer nur als der Verlierer dastehen konnte?
    Okay, man darf es mittlerweile aussprechen: Halbstarke wie Daum, Meier, Overath tragen die Verantwortung für herausragend betrübliche FC-Jahre (ich weiß nicht wie oft ich in Gedanken die Kündigung meiner Vereinsmitgliedschaft bereits vorformuliert hatte / samstags schön in der Kneipe Fussi kucken: um keinen Preis, es sei denn man hatte Liebeskummer oder schwere Depressionen). 2008 hat das aber irgendwie niemand interessiert. Beim Halbzeitpinkeln in DER Berliner FC-Kneipe (ich hatte Liebeskummer und schwere Depressionen) wurde mir als FC-Fan von FC-Fans beinahe der Kopf abgerissen für meinen vor mich hingegrummelten Unmut. Es war Anfang der Saison, Zeit der Hoffnungen und Glaubensbekenntnisse. Es hieß, man solle dankbar sein, dass ein solch großer Trainer wie Daum überhaupt den FC trainiert. Ich halte Dankbarkeit für eine große Tugend, doch bin ich mit Sicherheit nicht dankbar für Schmerzen, die man mir zufügt.
    Im Theater sagt man „den König spielen immer die anderen“ – womit gemeint ist, dass den Großen Zampano nur derjenige erfolgreich darstellt, der sich der offen zur Schau gestellten Gefolgschaft aller anderen sicher sein kann. Wenn Daum also vom Umfeld seiner Zeit spricht, so spielt er damit auf einen rheinischen Wesenszug an, der tief im Katholizismus verwurzelt ist, und von dem er selbst am allermeisten profitierte: die süßlich pathetische Sehnsucht nach dem Erlöser. Wer hatte noch gleich das über den Zaun gehaltene Kind gesegnet? Derweil der andere Heiland: wer mutig ist und nicht unter hohem Blutdruck leidet gibt beim Marktführer der Videostreaming-Portale mal „Holt den Lukas nach Haus“ ein. Eine Ansammlung von dem Wahnsinn Verfallenen möchte man meinen. Ganz normales kölsches Selbstverständnis, gerade einmal 6 oder 7 Transferperioden zurückliegend, möchte ich entgegnen. „Er ist geboren, um ein Tor zu schießen“…
    Apropos Dankbarkeit: ich bin der neuen Vereinsführung – allen voran Präsident Werner Spinner, der bei der Auswahl seines Personals eine bewundernswerte Menschenkenntnis dokumentiert hat – in tiefer Dankbarkeit verbunden. Sei mir an dieser Stelle auch ein wenig kölscher Pathos zugestanden: ich habe als Geschäftsführer und Inhaber eines angesehenen mittelständischen Unternehmens gekündigt, um meinen zum Größenwahn neigenden Geschäftspartner loszuwerden. Ich versuche es jetzt mal mit Teamplay, das wollte ich immer schon. Danke FC, die Radikalität und Klugheit Deiner Entscheidungen war mir die größte Inspiration!

    • EASTPOLE
      EASTPOLE says:

      Exzellent geschrieben :)))
      Es gibt ihn also doch, den bodenständigen realitätsnahen FC- Fan!
      Mal sehen was in der SCHWALBE so abgeht, wenn der FC auf nem einstelligen Tabellenplatz steht und Modeste 5 Tore mehr als Lewandowski auf dem Konto hat… ;)
      Ich freu mich schon drauf!

    • hapeen
      hapeen says:

      Was das ganz fürchterliche ist, hätte, wenn und aber….man nur mal früher den rechten Vorstand gehabt.
      Was hätten wir uns alle an Pein erspart! Aber wie immer im Leben, hätte, wenn und aber gilt et nix!
      Jetzt haben wir die Leute und jetzt bleiben wir auf dem Teppich und stehen hinter unserer Elf, unserem Trainer und dem gesamten Team.
      Dann und nur dann wird das was. Möglicherweise ja schon heuer (wies Peterle sagen würde), evtl. im Pokal. Träumen darf ich, fordern aber eben nicht.
      Jungs, ihr macht das, ich vertrau auf euch!

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