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„Das wäre eine persönliche Niederlage für jeden für uns“

Was Anfang über eine Aussage von Xavi denkt

„Der Gegner darf es nicht schaffen, in unseren Kopf zu gelangen.“ Markus Anfang spricht im zweiten Teil des großen Interviews im GEISSBLOG.KOELN über seine Spielidee und erklärt, warum Barcelonas Xavi mit einer außergewöhnlichen Aussage Recht hat. Der Trainer des 1. FC Köln äußert sich zudem über seine Rolle am Spielfeldrand und seine Vorbildfunktion.

Das Interview führte Marc L. Merten


Hier geht es zum ersten Teil des großen Anfang-Interviews!


In knapp vier Wochen geht es im DFB-Pokal gegen den FC Schalke 04. Wird das für Sie ein erster Test, wie gut Ihre Mannschaft schon auf Bundesliga-Niveau funktionieren könnte?

Es geht bei uns inzwischen nicht mehr um das System. Das hat jeder Spieler verinnerlicht. Das Thema System ist durch. Wir sind in der Lage unser Spiel anzupassen, zu verändern. Die Spieler haben verstanden, dass wir nicht in einer Grundordnung denken, sondern in Linien, in Zahlenverhältnissen. Wir denken anders. Wir versuchen, auf dem Feld immer in Überzahl zu agieren. Jetzt geht es darum, wie sie das an dem bestimmen Tag hinbekommen. Gegen Schalke werden wir sehen, welche Spieler das auf diesem Niveau umsetzen können, damit wir unser Spiel durchbringen. Das steht und fällt mit der Leistung der Spieler. Das hat mit Qualität zu tun, aber auch mit Mut und Überzeugung.

Die Situation, die wir haben wollen, müssen wir vorbereiten

Der Spanier Xavi hat mal in einem Interview gesagt: „Ein Befreiungsschlag ist für mich eine intellektuelle Niederlage.“ Ihr Verweis auf Linien und Zahlenverhältnisse scheint in eine ähnliche Richtung zu gehen.

Deswegen spreche ich immer von Räumen, die besetzt sein müssen. Wo haben wir Platz? Wie bekommen wir den Ball dahin? Die Spielsituation, die wir haben wollen, müssen wir vorbereiten. Dafür müssen wir auch mal Passagen spielen, die für den Zuschauer nicht so interessant sind, dafür aber zielführend für uns. Solange wir den Ball haben, kann uns der Gegner nicht weh tun. Wenn wir also mal über den Torwart zurückspielen, sieht das nicht attraktiv aus, aber es verändert die Räume auf dem Platz. Wir kloppen nicht jeden Ball planlos nach vorne, sondern wir bereiten unsere Angriffe vor, legen uns die Situationen zurecht.

Wie gut funktioniert das schon?

Das kommt, es hat mit Ruhe im Spiel zu tun. Am Anfang waren wir noch zu unruhig. Jetzt sammeln wir die Erfahrung und wissen: Die Situation kommt noch. Nur Geduld! In Kiel hat man uns mal gesagt: Ihr bekommt ein Gegentor und spielt trotzdem einfach weiter, als sei nichts passiert. Es war uns total egal. Wir wussten, die Chancen kommen, wir werden Tore machen können. In dieses Gefühl kommen wir jetzt hier auch langsam rein. Nach dem Ausgleich gegen Aue haben wir ganz normal weitergespielt. Wenn andere Leute denken, die müssen doch jetzt den Ball nach vorne schlagen und angreifen, sage ich: Nein, nicht irgendwie! Das ist wohl das, was Xavi meint. Denn dann hätte der Gegner geschafft, dass wir nicht mehr unseren Fußball spielen. Das wäre eine persönliche Niederlage für jeden für uns auf dem Feld. Der Gegner darf es nicht schaffen, in unseren Kopf zu gelangen. Wir spielen mit dem Ergebnis, aber nicht für das Ergebnis.

Dafür braucht man keinen Trainer

Wie meinen Sie das?

Wir spielen mit dem Ergebnis, weil wir zum Beispiel bei einem Rückstand wissen, dass wir mehr riskieren müssen. Trotzdem behalten wir unseren Spielstil bei. Für das Ergebnis zu spielen, würde dagegen bedeuten, dass wir alles verändern würden, einfach irgendwas machen, um es zu erzwingen. Dann wäre es egal, wie man ein Ergebnis erreicht. Aber dafür braucht man keinen Trainer.

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