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„Im Erfolg nicht größer, im Misserfolg aber auch nicht kleiner“


Achim Beierlorzer ist kein typischer Bundesliga-Trainer. Der neue Übungsleiter des 1. FC Köln beweist auch im Trainingslager, dass er anders tickt als einige seiner Kollegen. Im zweiten Teil des Interviews mit dem GEISSBLOG.KOELN spricht der 51-Jährige über sein Trainerteam, den Umgang mit Kritik und eine absurde Bewerbung aus seiner Zeit in Leipzig. (Hier geht’s zum ersten Teil des Trainer-Interviews)

Aus Kitzbühel berichtet Marc L. Merten

GBK: Herr Beierlorzer, wie funktioniert Ihr neues Trainerteam?

ACHIM BEIERLORZER: „Ich bin total begeistert von der Art und Weise, wie wir das bislang gemeinsam angehen. André Pawlak und Manni Schmid bringen ihre Ideen ein und entwickeln alles mit. Auch wie Andreas Menger, Max Weuthen und Dennis Morschel denken, passt sehr gut.“

Können Sie ein Beispiel nennen?

Nehmen wir die vier Einheiten von Dienstagnachmittag bis Donnerstagvormittag. Wir sehen diese Zeit im Zusammenhang, als einen Block. Wenn Andreas Menger dann sagt, dass die Torhüter am Mittwochvormittag intensives Torschusstraining machen, am Nachmittag aber auch in Passübungen eingebaut werden sollen, dann nehmen wir die Torhüter nachmittags als Wandspieler zu einer Spielform hinzu. Wir diskutieren, debattieren und konzipieren alles gemeinsam.

Wie wird denn zwischen Ihnen und Ihren beiden Assistenten künftig die Aufteilung sein hinsichtlich taktischer Arbeit?

Wir haben noch nicht im Detail besprochen, wer auf den Gegner vorbereitet, wer das Spiel nachbereitet, wer taktische Elemente auf dem Platz anleitet. Aktuell machen alle alles. Das finde ich auch gut, denn ich bin ja hier angetreten mit der Vorgabe, unseren Fußball aktiver zu gestalten. Das will ich allen vermitteln, und dazu gehören auch entsprechende Trainingsformen.

Gelingt das schon?

Wenn ich mir die Spiele gegen Osnabrück und Bremen anschaue, dann war da schon einiges drin, was wir sehen wollen. Die Mannschaft hat das schon richtig gut umgesetzt.

Wie denken Sie über andere Trainerteam-Konzepte? Anthony Modeste beispielsweise möchte irgendwann Stürmer-Trainer werden. In den USA gibt es Trainer für die Offensive und Defensive. Sehen wir Vergleichbares auch bald im Fußball?

Ich weiß, dass es viele unterschiedliche Trainingsansätze gibt. Für mich persönlich kann ich sagen, dass ich mich als Trainer nirgendwo rausnehmen möchte. Ich bin kein Trainer, der zu Max Weuthen oder Dennis Morschel sagen würde: Macht ihr das mit Eurer Athletik mal alleine und quatscht mich nicht voll. Mit dem Thema setze ich mich selbst schon so lange auseinander, weil ich es studiert habe und weil ich in Leipzig in diesem Bereich viel gelernt habe, was man empirisch entwickeln kann, um eine Mannschaft am Wochenende möglichst fit auf den Rasen zu bekommen.

Einen Stürmertrainer könnten Sie sich also eher weniger vorstellen?

Für mich ist eher denkbar, einen Co-Trainer mit diesem Schwerpunkt hinzuziehen, der sich punktuell um die Stürmer, um Laufwege, Standards und Abschlüsse kümmert, aber nicht ausschließlich. Da wäre ich dabei. Aber irgendwann wird es auch absurd. In Leipzig hat sich beispielsweise mal ein Elfmeter-Trainer angeboten.

Wie denken Sie eigentlich über die Trainer-Diskussion, die in der letzten Saison losgebrochen ist? Dieter Hecking, der sich echauffiert hat. Der FC Bayern, der Nico Kovac nicht gestützt hat. Huub Stevens, der einen Journalisten beleidigt hat. Und alles in Bezug auf einen respektvollen Umgang untereinander.

Ich persönlich möchte mir nicht anmaßen, das zu bewerten. Man muss schon in den inner circle schauen können, um zu verstehen, warum was wie passiert. Ich kann nur sagen: Hier und heute beim FC ist der Umgang untereinander, mit den Vereinsverantwortlichen, den Gremienmitgliedern und den Journalisten, sehr respektvoll. Natürlich weiß ich, dass wir noch nicht in der Saison sind, kein Ergebnisdruck auf uns liegt. Aber für mich ist enorm wichtig, dass ich mein Verhalten nicht ändere. Ich möchte mich im Erfolg nicht größer machen, im Misserfolg aber auch nicht kleiner.

Wie kann das gelingen?

Wir wissen, was die Mannschaft kann. Aber für mich ist es selbstverständlich, dass man über die Leistung der Mannschaft diskutieren darf. Wenn ich auf diesem Niveau Trainer werde, darf ich nicht naiv sein und sagen: Meine Spieler oder mich darf keiner kritisieren. Wenn es keinen Erfolg gibt, werde ich der Erste sein, der sein Trainerteam mobilisiert, um Lösungen zu finden. Und sind wir mal ehrlich: Gegenwind wird kommen. (lacht) Jemand hat mal gesagt: Es gibt nichts Sichereres als die Krise. Aber der FC Bayern definiert Krise eben anders als der 1. FC Köln.

Einige Trainer haben ja Spitznamen. Professor Rangnick. Quälix Magath. Motivator Klopp. Haben Sie schon einen?

(lacht) Ich erinnere mich, dass in Regensburg mein Geschäftsführer Christian Keller mal gesagt hat, ich sei ein Bessermacher. Das war ein großes Lob, weil ich mich als Trainer ja als Dienstleister an jedem einzelnen Spieler verstehe. Aber ansonsten geht kein Weg an dem Optimisten in mir vorbei. Ich bleibe dabei: Es gibt keine Alternative zum Optimismus. Alles andere bringt nichts. Das wird niemand aus mir herausbekommen.

Teil 1 des Interviews: „Aktuell sehe ich rund 20 Spieler für die Startelf“

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