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Hauptsache gewonnen: Wie die eigenen Fehler dem FC helfen


Manchmal haben knappe Siege einen Vorteil: Sie emotionalisieren die Spieler mehr als lockere Kantersiege. Sie decken die noch vorhandenen Schwächen auf. Und sie schärfen noch einmal die Sinne für die deutlich schwereren Aufgaben, die folgen werden. Beim 1. FC Köln setzt man nach dem Sieg im DFB-Pokal nach Elfmeterschießen in Wiesbaden auf alle drei Faktoren.

Köln – Wenn ein neuer Trainer im Sommer eines Jahres einen Verein übernimmt, ist das erste Pflichtspiel immer auch eine Standortbestimmung. Wenn dieser neue Trainer zudem noch einen Aufsteiger übernimmt, der nicht genau weiß, auf welchem Niveau er sich in der neuen Liga einsortieren wird, gilt dies umso mehr. Achim Beierlorzer und der 1. FC Köln haben den ersten Stresstest im DFB-Pokal in Wiesbaden daher bestanden. Nicht mit Bravour, aber immerhin.

Mit Bravour hätte bedeutet, den SV Wehen souverän zu bezwingen. Dies hätte gelingen können, hätte der FC nach dem ersten Seitenwechsel nicht so viele Fehler produziert und den Gegner zum Toreschießen eingeladen. Dies hätte aber auch schon nach den ersten 20 Minuten der Partie in die Hose gehen können, weil der Gastgeber zu diesem Zeitpunkt die besseren Torchancen für sich hatte verbuchen, nur nicht nutzen können. Dass es schließlich nicht nur in die Verlängerung, sondern trotz abermaliger FC-Führung schließlich gar ins Elfmeterschießen ging, war dem FC zwar nicht recht. Emotionaler hätte es allerdings auch nicht werden können. Was durchaus zum weiteren Teambuildung beigetragen haben dürfte.

Die ganz großen Ergebnisse von früher gibt es heute nicht mehr

„Das sind anstrengende Spiele“, gestand hinterher ein erschöpfter Achim Beierlorzer, der froh war, sein erstes Pflichtspiel mit dem 1. FC Köln nicht gleich verloren zu haben. „Ich habe immer dran geglaubt. Negative Gedanken bringen uns nichts. Wichtig ist, dass wir uns durchgesetzt haben.“ Der 51-Jährige verwies darauf, wie schwer sich auch andere Bundesligisten in der ersten Runde getan hätten – ohne zu wissen, dass auch der erste FC-Gegner in der Liga, der VfL Wolfsburg mit seinem neuen Trainer Oliver Glasner, tags drauf beinahe ausgeschieden wäre und am Montagabend in Halle über 120 Minuten gehen musste. „Man muss sich in Erinnerung rufen, dass es die ganz großen Ergebnisse von früher, wie ein 12:0 in der ersten Pokal-Runde, heute nicht mehr gibt. Alle Mannschaften ab der fünften Liga schließen mit der Athletik immer mehr auf, da muss man sich als höherklassiges Team durchspielen und nicht nur durchkämpfen.“

Spielerisch, das weiß Beierlorzer, war dies beim FC über weite Strecken noch zu wenig. Die Geissböcke produzierten in den ersten 20 Minuten der ersten Halbzeit und der ersten Viertelstunde der zweiten Halbzeit viel zu viele Fehler, luden den Gegner zu Kontermöglichkeiten und schließlich auch zum Toreschießen ein. „Am Ende bringt uns Timo im Elfmeterschießen in die nächste Runde, aber dass er drei Tore kassiert, gefällt ihm auch nicht“, sagte Beierlorzer. „Und uns auch nicht. Wir haben drei Tore kassiert. Da müssen wir uns noch vieles genau anschauen.“ Dies geschah bereits in der Nacht von Sonntag auf Montag sowie am Montagmorgen im Kreise der Mannschaft. Das Trainerteam wollte das Spiel so schnell wie möglich aufarbeiten und abhaken.

Vielleicht ganz gut, dass es nicht so gut lief

„Wir haben die Videoanalyse bereits hinter uns, weil wir eine kurze Woche haben und das gleich abhandeln wollten“, sagte Beierlorzer am Montagmittag. Die Punkte, die ihm aufgefallen waren, nannte er gleich mit: die fehlende Balance im Moment eines Ballverlustes, weil seine Spieler sich nicht gut genug positioniert hatten, um sofort wieder ins Gegenpressing zu gehen, darüber hinaus ein generell zu wenig geschlossenes Zentrum durch die beiden Innenverteidiger und die beiden Sechser, und schließlich offensiv der letzte Pass, die letzte Flanke, die zu ungenau kamen oder einer der Stürmer durch einen falschen Laufweg oder schlechtes Timing im Abseits stand.

„Es ist vielleicht ganz gut, dass es in den defensiven Umschaltmomenten nicht so gut lief“, resümierte Beierlorzer. „Das ermöglicht uns jetzt, an den Punkten noch einmal zu arbeiten und sie zu strukturieren.“ Schon gegen Villarreal und Southampton hatte es Probleme in der Defensive gegeben. Nun lieferte auch Wiesbaden Anschauungsmaterial, woran der FC noch arbeiten muss. Beierlorzer wird dies tun und gleichzeitig überlegen, inwiefern Sebastiaan Bornauw und Ellyes Skhiri personell schon Alternativen sein könnten, um das eine oder andere Problem gegebenenfalls abzustellen. Sicher ist, dass der FC-Trainer personell in den kommenden Wochen noch experimentieren wird. Schließlich geht es am Samstag erst richtig los, das Pokalspiel in Wiesbaden war praktisch erst der Abschluss der Vorbereitung.

Wolfsburg wird ein komplett anderes Spiel

Eine wichtige Erkenntnis lieferte Florian Kainz nach der Partie: „Das Spiel hat gezeigt, dass wir fit sind. Wir konnte in der Verlängerung eher nachlegen als der Gegner.“ Tatsächlich dürfte dieser Umstand ein für Beierlorzer beruhigendes Fazit sein, denn seine Spielidee basiert auf einem großen Kraftaufwand über die gesamte Spielzeit. Darüber hinaus dürfte das Spiel in Wolfsburg gänzlich anders verlaufen. Der FC wird nicht der Favorit sein, wird nicht das Spiel machen müssen, wird nicht so unter Druck stehen wie der VfL daheim. „Wolfsburg wird ein komplett anderes Spiel“, sagte Beierlorzer. „Gegen eine echte Dreierkette, ein 3-4-3, einen Gegner, der extrem nach vorne spielt und gegen den wir das Zentrum schließen müssen.“ Gegen den der FC aber auch das aufziehen will, was Beierlorzer gegen die massive Wiesbadener Defensive zu selten von seinen Spielern sehen konnte: Ballgewinne, Umschaltspiel, Konter. Darauf wird der FC setzen, und so werden die Zuschauer am Samstag eine andere Kölner Mannschaft sehen.

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