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Wie die Schmadtke-Gesänge beim FC zur Politposse werden


Die Fans des 1. FC Köln haben am Samstag in Wolfsburg für eine Politposse in ihrem Klub gesorgt. Auslöser waren die Schmäh-Gesänge gegen Ex-Manager Jörg Schmadtke. Dieser beklagte tags drauf die unterschiedlichen Reaktionen der FC-Verantwortlichen auf die Beleidigungen und zeichnete so – ob bewusst oder unbewusst – die Gräben auf, die drei Wochen vor der Mitgliederversammlung des FC offenbar täglich tiefer werden.

Köln/Wolfsburg – Was war passiert? Vor und während des Spiels in Wolfsburg hatten die mitgereisten Kölner Anhänger den ehemaligen Sportchef der Geissböcke mit einem anrüchigen Lied bedacht. Nach der Partie beriet sich der 1. FC Köln zunächst hinter verschlossenen Türen, wie auf diese Gesänge zu reagieren sei. Schließlich teilte Alexander Wehrle mit: „Der FC hat eine Charta mit einem klaren Wertesystem. Verleumdungen und Beleidigungen passen dazu nicht.“ Der FC-Geschäftsführer entschuldigte sich bei Schmadtke. Darüber hinaus teilte der Klub mit, dass sich Interimsvorstand Stefan Müller-Römer nicht zu dem Vorfall äußern werde.

Am Sonntag dann saß Schmadtke bei Sport1 im Doppelpass und wurde auf die Schmähungen angesprochen. „Ich bin sehr dankbar, dass sich die Geschäftsführung des FC bei mir gemeldet hat“, sagte Schmadtke, fügte dann aber hinzu: „Es gibt aber noch mehr Leute in diesem Klub. Ich finde es schade, dass sich kein altes oder neues Präsidium oder ein anderes Gremium bei mir meldet und sich davon distanziert. Das ist für mich viel mehr ein Stachel als diese Gesänge selbst.“ Wen Schmadtke damit vor allem gemeint haben dürfte: Stefan Müller-Römer.

Wehrle kontra Müller-Römer

Er könnte auch Toni Schumacher und Markus Ritterbach gemeint haben, die amtierenden Vizepräsidenten, die in Wolfsburg – im Gegensatz zu Müller-Römer – aber nicht im Stadion waren. Gleiches gilt für Dr. Werner Wolf und Eckhard Sauren, die als designierte Präsidiumsmitglieder aktuell bereits im Beirat sitzen und sich in dieser Funktion hätten melden können. Doch vor allem dürfte es Schmadtke um Müller-Römer gegangen sein. Auch, weil der ehemalige FC-Geschäftsführer zuvor mit Wehrle gesprochen hatte und dieser wiederum nach GBK-Informationen intern beim FC seinen Unmut darüber geäußert hatte, dass der Kölner Interimsvorstand die eigenen Fans nicht hatte kritisieren wollen oder sich bei Schmadtke gemeldet hatte. Und so wurden die Schmäh-Gesänge zu einer neuerlichen Politposse in den Hinterzimmern der Geissböcke.

Schon länger werfen Kritiker dem eigentlichen Mitgliederrat Müller-Römer dessen Nähe zur aktiven Fanszene vor. Nun sahen sich diese darin bestätigt, gehört es doch in der Regel zum guten Umgangston zwischen Vereinsbossen, sich bei Verfehlungen durch die Fanszene beim betroffenen Klub zu melden. Doch Müller-Römer wollte in ihren Augen drei Wochen vor der Mitgliederversammlung nicht auf Konfrontationskurs zur den Anhängern gehen. Stattdessen also einmal mehr der Konflikt mit der Geschäftsführung: Dass Wehrle als Unterstützer von Toni Schumacher und Markus Ritterbach auf der einen Seite und Müller-Römer als Unterstützer des neuen Präsidiums auf der anderen Seite seit Monaten interne Machtkämpfe austragen, ist längst kein Geheimnis mehr. Am Samstag wurde Wolfsburg zur Bühne.

Schmadtke dürfte über FC-Vorstand abstimmen

Und Schmadtke? Dieser dürfte, zumindest in der Theorie, am 8. September selbst auf der Mitgliederversammlung in der Lanxess Arena erscheinen und seine Stimme für oder gegen das vorgeschlagene Präsidium abgeben. Schließlich ist der 55-Jährige stimmberechtigt, da seit seiner Zeit beim FC lebenslanges Mitglied. „Mal gucken, wie lange noch“, kommentierte Schmadtke am Sonntag trocken.

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