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Schumacher und Ritterbach: Treten sie als Gewinner ab?

Am heutigen Sonntag endet nach siebeneinhalb Jahren die Amtszeit von Toni Schumacher und Markus Ritterbach als Vizepräsidenten des 1. FC Köln. Sollte auf der Mitgliederversammlung ab 13 Uhr in der Lanxess Arena nichts Außergewöhnliches passieren, wird ein anderes Vorstandsteam übernehmen. Der Abschied fällt dem Duo spürbar schwer. Sie haben zweifellos Großes für ihren Klub geleistet. Aber können sie auch loslassen? Sie haben heute noch einmal die Chance, dem FC einen großen Dienst zu erweisen. 

Köln – Sie hatten angekündigt, keine weitere Unruhe mehr für den 1. FC Köln zu wollen. Sie wollten keinen Machtkampf mehr. Sie wollten ein Ende der Auseinandersetzungen. Und sie haben versprochen, im Falle einer Wahl für Werner Wolf, Jürgen Sieger und Eckhard Sauren „eine geregelte, faire und respektvolle Übergabe an unsere Nachfolger“ durchzuführen. So sagten es Toni Schumacher und Markus Ritterbach am 24. Mai 2019, als sie ihren Rückzug angekündigten, und fügten hinzu: „Eine endgültige Bilanz werden wir im September ziehen.“

Die Bilanz fällt bekanntermaßen zwischen den Jahren 2012 und 2017 überaus positiv aus. Zwischen den Jahre 2017 und 2019 jedoch nahm die letzte Amtsperiode des Vorstands um den bereits zurückgetretenen Präsidenten Werner Spinner keine gute Richtung mehr. Spinner, Schumacher und Ritterbach können sich vieles auf ihre Fahnen schreiben: das richtige Personal für die Rettung des FC in den Wirrungen des Abstiegs 2012 gefunden zu haben, die strategische Neuausrichtung des Klubs zusammen mit Alexander Wehrle, die sportlichen Justierungen, erst unter Jörg Jakobs, dann unter Jörg Schmadtke, der sportliche Aufschwung bis in die Europa League. Während dies oft zwar operative Themen waren, zogen Spinner, Schumacher und Ritterbach doch im Hintergrund dafür die Fäden innerhalb Kölns und in der Bundesliga. Der FC wurde wieder eine Marke, vergrößerte sich immens in der Mitgliederzahl, schloss sich dem Karneval und dem CSD an, öffnete sich international in Richtung USA, Japan, Südkorea und – bei aller Kritik – auch in Richtung China. Lange bildeten Vorstand und Geschäftsführung ein eingespieltes Team, das sich regelmäßig zu Klausurtagungen zurückzog und dort den Grundstein legte für die kommenden Monate und Jahre beim FC.

Hoch emporgestiegen, tief gefallen

2017 nahm diese Entwicklung bekanntlich eine Wende, die den Klub hinab zog – vom Vorstand über die Geschäftsführung bis hin in die einzelnen Abteilungen in der Geschäftsstelle und bis in die Kabinen der Profis und der Nachwuchsteams. Spinner, Schumacher und Ritterbach bekamen Probleme mit leitenden Angestellten, mit Gremienmitgliedern, mit Fans, mit den Medien. Aus der Souveränität des Erfolgs wurde ein Klub voller Misstrauen und schwindender Kritikfähigkeit. Der Tiefpunkt: Ein halbes Jahr nach dem Abstieg überwarf sich der Vorstand, der schon in den Jahren zuvor immer wieder von Disharmonien geprägt war, vollends. Die Sprachnachrichten-Affäre im Februar 2019 förderte zu Tage, was man schon länger vermutet hatte. Dass Ritterbach den Inhalt einer Spinner’schen Nachricht an Geschäftsführer Armin Veh übermittelte, brachte das Faß zum Überlaufen. Umso merkwürdiger kamen am gestrigen Samstag Ritterbachs Worte im Interview mit dem Kölner Stadt-Anzeiger daher, als er erklärte: „Wir hätten uns für Werner Spinner ein anderes Ende gewünscht, denn er hat extrem viel für den Verein geleistet.“

Nun haben Spinner, Ritterbach und Schumacher alle drei extrem viel für den Verein geleistet. Das ist unbestritten und wird wohl auch in vielen Jahren noch den FC auf seinem Weg prägen. Wenn ihre Kritiker dies dieser Tage verneinen oder in Frage stellen, so spricht dies lediglich für die schnelle Vergesslichkeit, die der Fußballbranche im Allgemeinen und dem FC im Speziellen durchaus eigen ist. Dazu passt im Übrigen, dass auch Ritterbach und Schumacher dieser Tage offenbar wieder vergessen haben, was sie am 24. Mai angekündigt hatten. Mit Ruhe für den FC und mit Respekt für das einzig kandidierende Vorstandsteam haben ihre Äußerungen in den letzten Tagen nur wenig gemein.

Die Gedanken über „eine neue Struktur“

Schumacher lässt sich seit einer Woche praktisch auf Schritt und Tritt medial begleiten, um seine letzten Tage als Vizepräsident des FC festzuhalten. Der 65-Jährige wird nicht müde zu betonen, dass er eigentlich nicht gehen möchte. Und genau dieses Gefühl vermittelt er. Loslassen fällt ihm schwer. Die Besuche in den Fanklubs, die Bestätigung seiner treuesten Anhänger, das Loblied auf das scheidende FC-Idol Tünn – das alles tut ihm sichtlich gut, lässt für ihn offenbar aber die Niederlage der Nicht-Nominierung durch den Mitgliederrat nur noch schmerzlicher erscheinen. Dazu passt, dass er gebetsmühlenartig öffentlich wiederholt, er sei von Werner Wolf enttäuscht, weil dieser sich wegen einer möglichen Einbindung als Markenbotschafter nicht mehr gemeldet habe. Die Entwicklungen der letzten zwei Jahre hin zum erzwungenen Ende seiner Zeit als Vizepräsident haben Schumacher ganz offensichtlich gekränkt und verletzt, vor allem in seinem Stolz.

Auch deswegen haben er und Ritterbach sich scheinbar durchaus Gedanken gemacht, was am Sonntag im unwahrscheinlichsten Falle passieren könnte: dann, wenn Wolf, Sieger und Sauren tatsächlich nicht gewählt werden würden. Zwar erklärte Ritterbach, das sei „alles rein spekulativ und nicht unser Thema“. Doch er hatte sich zu diesem Zeitpunkt bereits verraten, denn zuvor hatte er schon durchblicken lassen: „Wenn es wider Erwarten doch nicht so sein sollte, dann würden wir auch diese Phase weiter managen. In diesem Fall würde es wohl Veränderungen und eine neue Struktur geben.“ Der Hinweis auf „eine neue Struktur“ und dass Ritterbach diese Gedanken parat und mindestens schon angedacht hatte, darf wohl als Eingeständnis gewertet werden, dass die beiden Vizepräsidenten tatsächlich über den „Was wäre, wenn…“-Fall spekuliert haben. Das Nachtreten gegen Interimsvorstand Stefan Müller-Römer passt diesbezüglich ins Bild.

Noch immer können Schumacher und Ritterbach als Gewinner abtreten

Diese letzten Tage vor der Mitgliederversammlung gehören zu dem unglücklichen Abschluss für ein über viele Jahre eigentlich sehr erfolgreiches Vorstandsgespann. Nach Spinners Aus und der Nominierung eines anderen Vorstandsteams konnten Schumacher und Ritterbach zwei Wege einschlagen: Erstens eine Gegenkandidatur aus voller Überzeugung mit einem neuen Kandidaten an ihrer Seite – eine Option, die dem demokratischen Gedanken des FC durchaus entsprochen hätte. Zweitens ein respektvoller Abgang im Frieden mit dem FC, mit den Gremien, die allesamt das neue Vorstandsteam unterstützen, und mit den Mitgliedern. In den letzten Tagen sah es nicht danach aus, als könnten die beiden Vizepräsidenten über ihren Schatten springen. Doch noch immer können Schumacher und Ritterbach diesen zweiten Weg wählen. Heute, ab 13 Uhr in der Lanxess Arena, auf der Mitgliederversammlung, mit zwei versöhnlichen Reden und mit der Aufforderung an die Anwesenden, sich hinter dem neuen Vorstand zu vereinen. Der Applaus und wohl auch Standing Ovations wären ihnen sicher. Im Eingeständnis ihrer Niederlage würden sie als Gewinner abtreten.

5 Kommentare
  1. Karl Heinz Lenz says:

    Ist alles in Ordnung, Herr Merten, wie Sie Schumacher und Rittersbach hier beschreiben.

    Aber wie ist es denn mit der Gegenseite. O. k., ich kenne die Herren nicht und kenne die Vorgänge nur über die Medien. Jedenfalls habe ich aus dem Mund von Müller-Römer noch nie ein Wort der Anerkennung für den alten Vorstand gehört und auch noch nie einen versöhnlichen Ton zu Schumacher und Rittersbach. Dasselbe von Wolf und seinen Mitstreitern, den ach so sachlichen Herren. Dafür von den Letztgenannten merkwürdige Bemerkungen über Veh und Wehrle die fragen lassen, was der neue Vorstand denn mit ihnen vorhat.

    Vor diesem Hintergrund betrachtet sehe ich nicht, dass Müller-Römer und der vom ihm und seinen Gefährten ausgewählte Vorstand den Verein zusammenführen will. Kein Signal bis jetzt in diese Richtung! Ich hoffe, dass ich mich täusche. Alles andere wäre schlimm für den FC.

    • Michael H says:

      Wie immer ist es schwierig die handelnden Personen abgesehen von öffentliche Äußerungen einzuordnen. Auch ich würde mir wünschen, wenn der designierte neue Vorstand etwas deutlichere Zeichen in der Öffentlichkeit von sich gegeben hätte.

      Allerdings kann ich die im Artikel beschriebene Lobhudelei für Ritterbach und Schumacher (und Spinner) so nicht unterschreiben. Im Wesentlichen kamen die Erfolge der Profimannschaft trotz des Vorstandes zustande – und nicht wegen des Vorstandes. Abseits der Profis wurde zudem innerhalb und außerhalb des Vereins viel Porzellan zerschlagen und alles andere als ein professionelles Bild hinterlassen. Und das nicht nur in den letzten zwei Jahren. Dies müssen der gesamte Vorstand ebenso wie der Mitgliederrat verantworten. Eine Entlastung wäre ein schlechter Scherz – und dennoch wird es dazu kommen.

      Dies ist zumindest meine Einschätzung der Dinge – ohne Interna im Detail zu kennen.

      • Boom77 says:

        Man sollte mal abwarten, wie die Herren agieren, wenn sie dann gewählt sind. Vielleicht kommen da die gewünschten und notwendigen „Zeichen“.

        Ich finde aber schon, dass der ehemalige Vorstand etwas maßgeblich zu den Erfolgen beigetragen hat. Er hat es geschafft – gerade auch durch die kluge Verpflichtung des Herrn Wehrle durch diesen ehemaligen Vorstand – den FC finanzielln in ruhige Fahrwasser zu führen. Und wie wir wissen, ist sportlicher Erfolg ohne den notwendigen finanziellen Background nicht zu schaffen. Dann hat der ehemalige Vorstand mit Schmadtke und Stöger ein Duo installiert, welches lange erfolgreich funktioniert hat. Nur gegen Ende hat es leider an allen Ecken und Enden und so auch bei unserem ehemaligen Vorstand nicht mehr gepasst und mit der Leistung gestimmt.

          • Gerd Mrosk says:

            Genau Nick. Trotzdem,der alte Vorstand hat das in die Wege geleitet ,das der FC jetzt mehr als gesund ist.Sportlich gab es die ein-oder andere gute Entscheidung,aber so wie der FC da stand durfte dann natürlich der Abstieg nie passieren
            Jedenfalls hatten Schumacher und Ritterbach nicht die Grösse fair mit dem vorgeschlagenem Team umzugehen.

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