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Wirtz‘ Wechsel zu Bayer ist auch das Erbe von Armin Veh


Florian Wirtz wechselt vom 1. FC Köln zu Bayer 04 Leverkusen. Der Effzeh bestätigte am Montagnachmittag auf GBK-Nachfrage den ablösefreien Transfer des 16-Jährigen zum rheinischen Rivalen. Dass der Kapitän der U17 den FC im Sommer verlässt, war keine kurzfristige Entscheidung des Talents. Wirtz und seine Familie hatten sich rund anderthalb Jahre lang Gedanken gemacht, wo der Spieler die größten Chancen auf eine Profikarriere haben würde. Diese Chance sahen sie beim FC lange nicht. Als es soweit war, war es zu spät.

Ein Kommentar von Marc L. Merten

Beim 1. FC Köln muss man zwingend zwischen der sportlichen Führung der Profi-Abteilung und der sportlichen Führung des Nachwuchsleistungszentrums unterscheiden. Diese Trennung ist für die Causa Wirtz essentiell. Denn bekanntlich wurde die Profi-Abteilung von Dezember 2017 bis November 2019 von Armin Veh geleitet. Es war diese Zeit, in der Florian Wirtz entschied, den 1. FC Köln zu verlassen.

Wir erinnern uns: Einen Großteil seiner Amtszeit hatte der ehemalige Sportchef Veh den Nachwuchs der Geissböcke links liegen gelassen. Die Zweitliga-Saison plante er ohne Talente, Kaderplätze für den Nachwuchs wurden durch externe Neuzugänge verbaut. Vehs Ansage lautete damals, es zähle nur das kurzfristige Ziel der Rückkehr in die Bundesliga. Zwar redete der einstige Erfolgstrainer gerne davon, man müsse den FC perspektivisch Bundesliga-tauglich aufstellen. Er selbst schien sich darin aber keine Rolle zuzuteilen. Sein Abgang sprach für sich.

Vehs Fernbleiben vom U17-Finale als fatales Signal

Veh überließ also den Kölner Nachwuchs seit seinem Amtsantritt im Dezember 2017 anderthalb Jahre sich selbst. Die NLZ-Bosse Matthias Heidrich und Carsten Schiel machten das Beste daraus, formten die U19 und die U17 zu Top-Mannschaften in ganz Deutschland. Unterstützung aus der Chefetage bekamen sie aber nicht. Der Tiefpunkt: Als die U17 im vergangenen Juni im Finale um die Deutsche Meisterschaft in Dortmund auf den BVB traf, war dies für den 1. FC Köln zwar ein Riesenereignis. Für Armin Veh aber offenbar nicht. Der Sportchef hielt es nicht für nötig, zum Finale zu kommen. Es war dieses fatale Signal, das den größten FC-Talenten mit ihren Familien und Beratern verdeutlichte, welchen Stellenwert die nächste FC-Generation in den Planungen des Sportchefs Armin Veh einnahm.

Erst als der Meistertitel feststand, schien die sportliche Führung der Profis aufzuwachen. Der Wandel dürfte nicht von ungefähr gekommen sein. Erstens redete die Kölner Öffentlichkeit mehr denn je über den erfolgreichen Nachwuchs des FC. Und zweitens hatten die Geissböcke deutschlandweiten Ruhm erlangt. Die sportliche Leitung konnte sich also jetzt einen Erfolg auf die Fahne schreiben, auch wenn man selbst herzlich wenig dazu beigetragen hatte. Da war das Kind aber schon in den Brunnen gefallen. Eine Zweitliga-Saison ohne ein einziges Talent bei den Profis, dazu Vehs Abwesenheit in Dortmund – schon im Sommer 2019 verließen mit Can Bozdogan und Dominik Becker zwei hoch gehandelte Talente die Geissböcke.

Veh hatte Glaubwürdigkeit verspielt

Bei Florian Wirtz hatte der FC gehofft, dessen Abschied verhindern zu können. Auch Veh hatte begonnen sich für einen Verbleib des U17-Kapitäns einzusetzen. Doch welche Glaubwürdigkeit in Sachen Durchlässigkeit zu den Profis konnte der damalige Sportchef noch an den Tag legen? Noah Katterbach hatte es aufgrund seiner Qualitäten von ganz alleine geschafft. Ismail Jakobs sollte Ende Mai eigentlich noch an Paderborn verkauft werden, ehe Achim Beierlorzer in einer seiner ersten Amtshandlungen in letzter Sekunde sein Veto einlegte. Salih Özcan hingegen wurde von Veh fortgeschickt, obwohl Beierlorzer ihn behalten wollte. Ernsthafte Talentförderung sah auch im Sommer noch anders aus.

Florian Wirtz und seine Familie dürften sich dies gemerkt haben. Und als Mitte November mit dem neuen Sportchef Horst Heldt, mit dem neuen Trainer Markus Gisdol, mit der Förderung von Katterbach und Jakobs sowie der Beförderung von Jan Thielmann im Dezember richtig Zug in die Talentschmiede am Geißbockheim kam, war es zu spät. Selbst ein Treffen vor Weihnachten mit Präsident Werner Wolf konnte den Spieler nicht mehr von seinem Entschluss abbringen. Angeblich hatte Wirtz da Bayer Leverkusen die Zusage längst gegeben. So ruhen die Hoffnungen der Kölner nun darauf, dass die anderen großen Talente erkennen, dass es unter dem neuen Sportchef Horst Heldt anders laufen soll – wenn auch ohne Florian Wirtz.

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