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Pierre Littbarski: Dribbler, Legende, Weltenbummler


Am Donnerstag feiert eine Legende des 1. FC Köln den 60. Geburtstag. Pierre Littbarski ist einer der größten Spieler, die der Klub je hervorbrachte. Doch obwohl der kleine Dribbler in seiner Profizeit in Deutschland nur für den FC spielte, wurde er zum Weltenbummler. Inzwischen ist der schon seit zehn Jahren in Wolfsburg zuhause. Doch nach Köln ist das Band zuletzt wieder stärker geworden. 

Köln – Als der GEISSBLOG.KOELN am 24. Juni 2015 online ging, war ein Interview mit Pierre Littbarski die erste Titelgeschichte der neuen Onlinezeitung. Mit 504 Pflichtspielen sammelten nur vier FC-Legenden mehr Einsätze im Trikot mit dem Geißbock auf der Brust (Overath, Schumacher, Schäfer, Löhr), in der Bundesliga gar nur Schumacher und Löhr. Nur Löhr und Müller trafen in der Bundesliga häufiger als Litti (116 Tore). Mit Deutschland holte er 1990 den WM-Titel, mit dem FC 1983 den DFB-Pokal. Es war jenes legendäre Finale, in dem der offensive Mittelfeldspieler zum 1:0-Sieg über Fortuna Köln traf.

Das sind alles bekannte Fakten. Littbarski ist ein Idol in Köln, er wird von FC-Fans vieler Generationen verehrt. Für seine Dribblings, für seine Tore – im Zweifel sogar im Sitzen -, für seine Strahlkraft, die er vor allem entwickelte, nachdem er sich nach einem unglücklichen Ausflug nach Paris von Frankreichs Hauptstadt-Klub wieder freigekauft und als Führungsspieler zum FC zurückgekehrt war. Littbarski, die Führungsfigur auf dem Platz, die Identifikationsfigur für tausende Fans neben dem Platz. Ein Spaßvogel in der Kabine, der diese Lebensfreude auf den Platz und die Ränge übertrug. Wer Littbarski zusah, musste den Fußball des gebürtigen Berliners einfach lieben.

Heimat ist für Littbarski ein sehr vager Begriff

Aus Berliner Zeiten hatte er den Spitznamen „Pieke“ für Pierre mit nach Köln gebracht, doch Toni Schumacher machte ihn zu „Litti“. Heute trägt jemand anderes seinen Spitznamen, Littbarskis Sohn Lucien. Der spielt allerdings nicht in der Kölner U17, sondern beim VfL Wolfsburg. Köln, Paris, Yokohama, Sydney – vier Millionenstädte, vier Metropolen, in denen Littbarski einst lebte. Jetzt lebt er in Wolfsburg, seit zehn Jahren, und ist inzwischen Markenbotschafter für den VfL. Für einige FC-Fans ein harter Schlag, wird Littbarski in Deutschland doch eigentlich mit nur zwei Dingen in Verbindung gebracht: mit dem WM-Sieg 1990 und mit dem Effzeh.

Doch Heimat ist für Pierre Littbarski ein sehr vager Begriff. Gegen Ende seiner aktiven Karriere war sein Ex-Mitspieler Yasuhiko Okudera auf ihn zugekommen und hatte Litti von Japan vorgeschwärmt. Es wurde eine besondere Beziehung. Der heute 60-Jährige ging als Fußballer in der Land der aufgehenden Sonne und fand dort eine neue Heimat. Erst als Fußballer, später als Trainer und natürlich privat mit seiner Frau Hitochi, mit der er inzwischen 26 Jahre verheiratet ist. Gerne würde er in einigen Jahren beginnen zwischen Deutschland, Japan und Australien hin- und herzupendeln. Nicht als Heimatloser, sondern als ein Mensch, der in allen Ländern ein Zuhause gefunden hat.

Jedes Mal, wenn ich beim FC bin, empfinde ich eine große Zuneigung

In Köln, sagte er einmal, habe er seine sportliche Erfüllung gefunden, in Japan seine private Erfüllung. Hennes Weisweiler machte ihn in der Saison 1978/79 beim Effzeh zum Stammspieler, obwohl die Mannschaft im Jahr zuvor das Double gewonnen hatte. Christoph Daum holte ihn später aus Paris zurück nach Köln und baute mit ihm und Thomas Häßler eines der spielstärksten Mittelfeld-Duos, das man in Köln je gesehen hat. Littbarski selbst trug dazu bei, dass hinter ihm ein andere Spieler heran wuchs, mit dem er bis heute in enger Freundschaft verbunden ist: Horst Heldt. Der neue Sportchef der Geissböcke wird es zwar wohl nicht mehr schaffen, Littbarski in leitender Funktion zum FC zurückzuholen. Doch das Band der Legende zu den Geissböcken ist auch durch Heldt in den letzten Monaten wieder deutlich enger geworden.

Fünf, sechs FC-Spiele schaut sich Littbarski bis heute jede Saison live im Stadion an. In dieser Spielzeit werden aufgrund der Coronavirus-Beschränkungen wohl keine mehr hinzu kommen. Doch der Jubilar hat seinen Herzensklub aus Köln nicht aus den Augen verloren. Im Gegenteil. „Jedes Mal, wenn ich beim FC bin, empfinde ich eine große Zuneigung für den Klub. Und wenn ich ins Stadion gehe, ist das eine tolle Erinnerung“, sagte Littbarski einst im GBK-Interview. Und in drei Jahren, wenn der FC sein 40-jähriges Jubiläum des Pokalsiegs feiern wird, dürfte Littbarski dann auch wieder mit dabei sein.

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