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Wehrle: „Die Krise wird den Transfermarkt verändern“


Der 1. FC Köln ist aktuell, wie auch viele andere Vereine, in seinen Planungen für die nächste Saison blockiert. Das hat Geschäftsführer Alexander Wehrle am Mittwoch bestätigt. Der Finanzboss und DFL-Vorstand geht davon aus, dass sich die Transfergeschäfte im Sommer mitunter gravierend verändern könnten. Ob nachhaltig oder nur kurzfristig, hänge von zahlreichen Faktoren ab.

Köln – Mit einer roten Gesichtsmaske begrüßte Alexander Wehrle am Mittwochmittag die Journalisten zu einer Gesprächsrunde via Videokonferenz. Der 45-Jährige befand sich am Geißbockheim und sprach über die Entscheidung der Deutschen Fußball Liga, im Mai den Spielbetrieb wieder aufnehmen zu wollen, um die Saison 2019/20 bis zum 30. Juni beenden zu können. „Es gibt bislang kein Szenario über den 30.6. hinaus“, sagte Wehrle.

Die Liga will, sobald verlässliche Schnelltests verfügbar sind, der Coronavirus-Pandemie trotzen und den Wettbewerb zu Ende führen. Auch, um ein Vereinssterben von der Bundesliga abwärts hinein in den Amateurfußball zu verhindern, das eintreten könnte, wäre ein Saisonabbruch und ein unklarerer Wiederbeginn im weiteren Verlauf des Jahres unausweichlich. Schon jetzt spürt Wehrle die Auswirkungen der Krise, vor allem durch verzögerte Zahlungsströme bei Ein- und Ausgaben. Daher hat der Geschäftsführer zusammen mit Sportchef Horst Heldt alle Kaderplanungen für die kommende Saison auf Eis gelegt.

Keine tiefgreifenden Entscheidungen in Sachen Neuverpflichtungen

„Stand jetzt können wir keine tiefgreifenden Entscheidungen in Sachen Neuverpflichtungen treffen“, sagte Wehrle und erklärte, dass der FC nicht nur in Sachen TV-Geldern und Zuschauereinnahmen, sondern auch in den Gesprächen mit Sponsoren oder bei geplanten Vertragsverlängerungen nicht sicher planen könne. „Alle Vereine sind in einer schwierigen Situation. Normal ist man Anfang April in den Planungen für die kommende Spielzeit schon viel weiter.“ Doch die Unsicherheiten sind groß. Alleine schon, weil der FC schon jetzt von einem Schaden in Höhe von neun Millionen Euro ausgehen muss. „Jedes Heimspiel ohne Zuschauer kostet uns im schlimmsten Fall 1,8 Millionen Euro“, sagte Wehrle. Bei noch fünf ausstehenden Heimspielen in der Saison, die wohl sicher ohne Zuschauer stattfinden würden, wären dies besagte neun Millionen Euro Umsatzausfälle.

Dass der FC dies nicht so einfach wird wegstecken können, versteht sich bei einer ohnehin durch Brückenfinanzierungen gestützten Saison von selbst. Doch Wehrle sieht den FC gut aufgestellt, während sich international in seinen Augen große Veränderungen auftun könnten. „Die Krise wird den europäischen Transfermarkt verändern“, zeigte sich Wehrle überzeugt. Zahlreiche Klubs würden keine hohen Ablösesummen mehr bezahlen können – wohl auch der FC. Auch die angebotenen Gehälter dürften laut Wehrle im Durchschnitt sinken. Hinzu kommen Einflüsse auf Beraterkosten und auch auf bestehende Verträge, die womöglich nicht von den Vereinen vollständig bedient werden könnten. „Dann werden einige Spieler im Zweifel auf einige Prozent ihres Gehalts verzichten müssen“, sagte Wehrle. „Wie lange diese Veränderungen vorhalten werden, ob nur in diesem Sommer oder für zwei, drei oder mehr Transferperioden, ist noch nicht absehbar.“

Reiche Klubs auf Schnäppchenjagd?

Klar ist aber: Wehrle geht von einschneidenden Veränderungen aus, zumal er Deutschland und die Bundesliga besser vorbereitet sieht als andere Länder und Ligen, wo die Einschnitte noch deutlich tiefer ausfallen könnten. Welche Klubs dann noch in der Lage sein könnten, in anderen Ligen zu wildern und auf Schnäppchenjagd zu gehen, wollte er nicht prognostizieren. Doch dass bereits jetzt Klubs mit größeren Reserven auf die Pirsch gegangen sind, davon weiß man auch beim FC. Schließlich ist nicht nur Sebastiaan Bornauw international ins Rampenlicht gerückt. Wehrle sagte allgemein: „Jeder Klub wird da selbst entscheiden müssen, ob er Angebote annimmt, die womöglich unter dem zuletzt üblichen Niveau liegen.“

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