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Abfindungen statt Einnahmen: Zwei Abgänge nächste Woche?


Der 1. FC Köln kämpft um jeden Platz im Profi-Kader. Doch die Verkleinerung geht schleppend voran, weil der Transfermarkt noch nahezu brach liegt (mehr dazu hier). Nach GBK-Informationen könnten in der kommenden Woche zumindest zwei weitere Spieler die Geißböcke verlassen. Doch fast jeder Abgang wird dem FC nicht nur gut tun, denn Ablösesummen werden die Kölner praktisch keine generieren, sondern bei den meisten Geschäften eher noch draufzahlen müssen. Doch alles scheint besser als den aktuellen Kader weiter finanzieren zu müssen.

Köln – Unter jenen Spielern, die den FC sicher verlassen können, befinden sich nur vier Profis, deren Abgänge bilanziell keine Probleme mit sich bringen würden. Die beiden Eigengewächse Yann-Aurel Bisseck und Tomas Ostrak sowie die beiden einst ablösefreien Neuzugänge Kingsley Schindler und Lasse Sobiech stehen mit keinerlei Ablösesummen in den Abschreibungen der Kölner Bücher. Gleiches galt bereits für Jan-Christoph Bartels und Brady Scott. Insofern wäre ein Verkauf dieser Spieler, sofern möglich, nicht mit einem bilanziellen Verlust verbunden.

Doch alleine das Beispiel Lasse Sobiech zeigt, mit welchen Problemen die Kölner zu kämpfen haben. Der Innenverteidiger verdient beim FC in der Bundesliga ein siebenstelliges Gehalt, das ihm dank eines Vertrags bis 2022 noch zwei Jahre lang zusteht. Mehrere Zweitligisten sollen an dem kopfballstarken Defensivspezialisten interessiert sein. Die Gehaltsdifferenz, die bei über einer halben Million Euro pro Jahr liegen würde, müsste im Fall eines Abgangs wohl oder übel der FC in großen Teilen übernehmen. Und weil der FC in Corona-Zeiten für einen Spieler, den der Klub unbedingt loswerden will, keine nennenswerte Ablösesumme mehr erwarten kann, gäbe es kein echtes Gegengewicht, das der FC einer Abfindung entgegen halten könnte. Solche Beispiele finden sich im FC-Kader zuhauf.

Warum der FC bei den Abgängen eher draufzahlen wird

Beispiel Simon Terodde: Der Stürmer kam im Januar 2018 für rund drei Millionen Euro aus Stuttgart und bekam einen Dreieinhalb-Jahres-Vertrag, aufgrund dessen er nun noch mit knapp unter einer Million Euro für sein letztes Vertragsjahr in den Büchern des Klubs steht. Für dieses Bundesliga-Jahr steht dem 32-jährigen ein Jahresgehalt von über zwei Millionen Euro zu. Wie bei Sobiech auch, würden sich diverse ambitionierte Zweitligisten die Finger nach dem zweitbesten Knipser der Zweitliga-Geschichte lecken. Doch zu welchen Kosten? Nur, wenn der FC einen Großteil des Gehalts übernehmen – und wohl auch auf eine Ablösesumme verzichten würde, einzig mit der Option auf eine erfolgsbasierte Nachvergütung im Sommer 2021, beispielsweise in Form einer Aufstiegs- oder Einsatzprämie. Doch sicher scheint: Sollte Terodde den FC verlassen, wird dies den Klub eine hohe sechsstellige, wenn nicht gar siebenstellige Summe kosten.

Beispiel Jannes Horn: Von den 7 Mio. Euro Ablöse, die der FC im Sommer 2017 zahlte, sind noch über zwei Mio. Euro in den Büchern vorhanden. Ein Verkauf des Spielers müsste also eigentlich diese Summe einbringen, um dem FC ein Minusgeschäft zu ersparen. Diese Summe soll daher auch die Kaufoption betragen haben, die Hannover 96 jedoch verstreichen ließ. Nun verhandelt Horst Heldt mit seinem Freund Gerhard Zuber bei 96, und womöglich kommt man sich langsam näher. Dass aus dem Geißbockheim nun zu hören war, dass Markus Gisdol den schnellen Linksfuß zu schätzen gelernt habe und sich vorstellen könnte mit ihm in der nächsten Saison zu arbeiten, mag aufgrund Horns Dynamik nicht einmal unglaubwürdig sein, doch gleiches kann man auch über die Schalker Aussagen zu Mark Uth sagen. Viel eher dürfte dieses Gerücht eine Kölner Verhandlungstaktik sein, um letztlich doch noch ein paar Euro aus den Hannoveranern herauszuleiern. Viel dürfte es aber nicht werden, denn auch Horn verdient beim FC siebenstellig und müsste bei 96 – vom FC finanzierte – Abstriche machen.

Beispiel Louis Schaub: Der Österreicher ist einer der tragischen Fälle beim FC. Technisch hoch veranlagt, ist er unter Gisdol an den läuferischen Defiziten gescheitert. Dass er in der Rückrunde selbst beim HSV nicht in die Spur zurück fand, kostete den Offensivspieler (und damit auch den FC) einen Großteil seines Marktwertes. Wie es mit Schaub weitergeht, ist gänzlich offen. Nur eines ist klar: Beim FC wird es nicht weitergehen. Doch auch hier gilt: Noch hat der FC erst die Hälfte der Ablöse für Schaub (3,5 Mio. Euro) abgeschrieben. Wer aber würde aktuell für den 25-jährigen rund 1,8 Mio. Euro ausgeben? Und dann auch noch das Kölner Gehalt bezahlen? Es wird eine schwierige Vereinssuche für Schaub. Eine erneute Leihe gilt als deutlich wahrscheinlicher denn ein Verkauf. Gleiches gilt übrigens aus denselben Gründen für Vincent Koziello. Dem Duo wird es wohl ähnlich ergehen wie Niklas Hauptmann, der die Geißböcke entsprechend verlassen hat – jedoch auch nur, weil der FC einen Teil des Gehalts des Mittelfeldspielers in Kiel tragen wird.

Dreifach-Lösung mit Hannover?

Horst Heldt weiß um diese Probleme. Seine Aufgabe besteht vor allem darin, das Gehaltsniveau zu senken. Selbst Teil-Zahlungen der Gehälter als Abfindungen oder Wechsel-Anreize würden helfen. Das Motto: Lieber gibt der FC einen Spieler ab, indem er noch einmal seine sechsstellige Summe zahlt, als ihn für ein siebenstelliges Gehalt zuzüglich Prämien weiter zu beschäftigen. Kleinere Ablösesummen für den einen oder anderen Spieler würden die Deals noch erträglicher machen. Heldt weiß aber, dass er in diesem Sommer nicht das große Geld wird verdienen können. Für ihn wäre es schon ein Gewinn, weniger Gehälter in 2020/21 ausgeben zu müssen als vertraglich vorgesehen.

Ob es sich dabei gut trifft, dass Hannover 96 neben Jannes Horn angeblich auch noch Simon Terodde und Louis Schaub ins Visier genommen hat, wird sich zeigen. Horst Heldt und Gerhard Zuber hätten dann gleich ein ganzes Paket zu verhandeln. Aus der Freundschaft zwischen den beiden Männern jedoch zu schließen, dass die Verhandlungen einfach werden könnten, wäre jedoch ein Trugschluss. Denn am Ende sitzt in Hannover auch noch ein gewisser Martin Kind, der bekanntlich gerne das letzte Wort hat. Und dass dieser ein harter Verhandlungspartner ist und nichts zu verschenken hat, weiß der FC aus leidvoller Erfahrung der letzten Jahre.

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