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Konsolidierung in zwei Schritten: Wie der FC 2021 durchatmen will


Während die Verantwortlichen des 1. FC Köln momentan an der Reduktion des aufgeblähten Kaders arbeiten, wirft der Transfersommer 2021 bereits seine Schatten voraus. Denn die Geißböcke müssen nicht nur kurz-, sondern auch mittelfristig ihre für eine Mannschaft aus dem unteren Tabellendrittel horrend hohen Gehaltsstrukturen korrigieren. Die Hoffnungen der Kölner liegen daher auf dem Sommer 2021, wenn die Verträge von sieben teils hoch bezahlten Profis auslaufen, die keine Rolle in den Zukunftsplanungen spielen.

Von Cedrik Kaiser 

Sie heißen Christian Clemens, Jhon Cordoba, Marco Höger, Salih Özcan, Elvis Rexhbecaj, Frederik Sörensen und Simon Terodde. Sie verdienen allesamt siebenstellige Grundgehälter beim FC. Doch nicht alle verdienen sich dieses Geld auch durch ihren sportlichen Wert. Als krisengeschüttelter Klub bekommen die Geißböcke daher im nächsten Sommer die Chance zu einem natürlichen Umbruch, wenngleich sie nicht alle Spieler gehen lassen wollen – jedoch sehr wohl die Mehrheit. Ein Überblick.

Schon in den letzten Monaten kaum eine Rollen spielten Clemens (28), Höger (30) und Terodde (32). Die drei Akteure binden zusammengerechnet rund sechs Millionen Euro Jahresgehalt. Einen sportlichen Gegenwert lieferte das Trio in der abgelaufenen Saison nicht. Clemens konnte freilich nichts dafür, fiel er doch 14 Monate aus und feierte erst am letzten Spieltag sein Comeback. Doch seine lange Verletzungshistorie wirft große Fragen auf, ob er jemals an sein altes Leistungsniveau herankommen kann. Das wird sich in der Vorbereitung zur neuen Saison zeigen müssen. Höger geht derweil in die letzte Saison seines Fünf-Jahres-Vertrags, den er 2016 als zentraler Neuzugang erhalten hatte. Zwar erwies sich Höger nach der Corona-Unterbrechung als solide Einwechsel-Option. Doch seine Ansprüche und seine Chancen auf Spielzeit werden in der kommenden Saison wohl noch weiter auseinander gehen. Terodde dürfte derweil wissen, dass er hinter Jhon Cordoba und Anthony Modeste kaum mehr zu Spielzeit kommen wird. Ein Wechsel würde den FC erleichtern. Das Problem: Kein Zweitligist, der an Terodde interessiert ist, wird ihm auch nur annähernd ein Gehalt von über zwei Millionen Euro zahlen, wie er es in Köln verdient. Der FC wird eine gehörige Mitgift leisten müssen, um den Aufstiegsgaranten aus der Saison 2018/19 schon in diesem Sommer von der Gehaltsliste streichen zu können.

Özcan und Sörensen als Wackelkandidaten

Während die genannten Spieler den FC spätestens im Sommer 2021 verlassen werden, ist bei drei anderen Spielern noch nicht schlussendlich geklärt, wie es überhaupt weitergehen wird. Eigengewächs Salih Özcan kommt nach persönlich erfolgreicher Leihsaison aus Kiel (5 Tore, 7 Vorlagen) mit Selbstvertrauen zurück ans Geißbockheim. Dass die FC-Verantwortlichen mit dem Jungen aus Ehrenfeld eigentlich planen wollen, ist verbrieft. In Kiel gefiel sich Özcan als Schnittstelle zwischen Defensive und Offensive sowie als Vorlagengeber. Findet der 22-jährige seinen Platz im Kölner Team und kann an seine Form aus Kiel anknüpfen, könnte er sich mit Verspätung beim FC durchsetzen. Doch will er das auch wirklich? Nicht umsonst hat er sich eine Ausstiegsklausel in seinen Kontrakt schreiben lassen. Ob diese tatsächlich bereits abgelaufen ist, ist nicht bestätigt. Bestätigt ist, dass Özcan auch andere Optionen hat, und zwar schon in diesem Sommer.

Gleiches gilt für Verteidiger Frederik Sörensen in der Schweiz. Bei den Young Boys Bern ist der Däne gesetzt und hat ligaweit die beste Zweikampfquote. Horst Heldt gilt als großer Fürsprecher, der die Qualitäten Sörensens schätzt. Aufgrund des bestehenden Vertrages muss der 1,94 Meter-Mann eigentlich im August zum FC zurückkehren und könnte sich dann mit Bornauw und Czichos um einen Stammplatz duellieren. Doch will Sörensen überhaupt zurück? Seine Frau träumt schon länger von einer Rückkehr nach Italien, auch in Bern gefiel es der Familie gut. Mit Köln hatten sie eigentlich abgeschlossen. Aktuell scheint eine Zukunft des Dänen in Köln höchst ungewiss, möglicherweise wird der FC versuchen den zuletzt formstarken Spieler auf dem Transfermarkt zu nutzen, um Einnahmen zu generieren, auch wenn man ihn eigentlich am liebsten wiederhaben würde. Klar ist: Sollte Sörensen zurückkehren, würde er seinen im Januar 2017 verlängerten Vertrag wieder aufnehmen. Damals war de FC auf dem Weg nach Europa, Sörensen so gut wie nie und der Kontrakt entsprechend hoch – dem Vernehmen nach bei rund 2,5 Millionen Euro pro Jahr – dotiert worden.

Bei Rexhbecaj läuft es auf einen Abschied hinaus

So viel verdient Elvis Rexhbecaj beim FC nicht. Der Youngster ist noch bis 2021 vom VfL Wolfsburg ausgeliehen. Der laufstarke Mittelfeldmann wusste in vielen Spielen der Rückrunde zu überzeugen, egal ob auf der Acht oder der Zehn. Zur neuen Saison könnte er mit Özcan Konkurrenz um diesen Positionen bekommen. Doch selbst wenn er weiterhin starke Leistungen abliefern sollte, gilt es eher als unwahrscheinlich, dass Rexhbecaj über den nächsten Sommer hinaus beim FC bleibt. Zwar besitzt der FC eine Kaufoption über sieben Millionen Euro, die vor der Aktivierung allerdings noch von Wolfsburg genehmigt werden muss. Zudem scheint es aus der heutigen Sicht kaum vorstellbar, dass der FC in einem Jahr in der Lage sein wird eine solche Summe zu stemmen.

Derweil wird sich die Zukunft von Jhon Cordoba schon in diesem Sommer entscheiden und nicht erst 2021, wenn sein Vertrag ausläuft. Die Optionen wurden schon erschöpfend diskutiert: verlängern oder verkaufen – nur im Ausnahmefall in einem Jahr auslaufen lassen.

Konsolidierung in zwei Schritten

So sieht es danach aus, als ob kaum einer der sieben Spieler mit nur noch einem Vertragsjahr beim FC über den Sommer 2021 hinaus in Köln bleiben wird. Bei einem gemeinsamen Gehaltsvolumen von über zwölf Millionen Euro könnte also aus Sicht der Geißböcke ein gehöriger Schnitt gemacht werden, um die aus den Fugen gelaufenen Kaderkosten wieder zu reduzieren. Ob ein Teil der Einsparungen schon in diesem Sommer gelingen wird, ist offen und womöglich gleichzeitig mit Ausgaben in Form von Abfindungen verbunden. So setzt Manager Horst Heldt darauf, in diesem Sommer den ersten Schritt zur Konsolidierung zu gehen, um dann im Sommer 2021 einen großen Satz machen zu können. Dafür wird der Klassenerhalt vonnöten sein, um nicht wieder in eine Abwärtsspirale zu geraten. Sollte der Klassenerhalt gelingen, könnte der FC auch wieder auf dem Weg zu einer Kostenstruktur im Kader sein, der seinem Tabellenplatz entspricht.

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