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Investoren-Frage: Was beim FC überhaupt möglich wäre


Trotz 50+1-Regelung haben nur noch elf von 18 Bundesliga-Vereinen tatsächlich über 50 Prozent der Anteile in ihrem Besitz. Nur sieben haben noch gar keine Anteile verkauft. Der 1. FC Köln zählt dazu. Die Satzung des Vereins gäbe dem Vorstand allerdings die Möglichkeit zu einem Verkauf von bis zu 25 Prozent der Anteile an der Kölner KGaA, ohne dass die Mitglieder dem zustimmen müssten. Das ist aktuell nicht gewollt. Deshalb muss der Klub andere Geldquellen auftun. Nur welche und wie? 

Von Sonja Eich und Marc L. Merten

In Paragraph 21.3 der Satzung des 1. FC Köln ist geregelt, dass der Vorstand die Zustimmung der Mitgliederversammlung nur benötigt, wenn „Dritte insgesamt mehr als 25 Prozent der Anteile“ an der Profiabteilung (1. FC Köln GmbH & Co. KGaA) erwerben wollten. Für Verkäufe zwischen 25 und 50 Prozent bedarf es einer einfachen Mitglieder-Mehrheit, für Verkäufe von über 50 Prozent der Anteile bedarf es einer Drei-Viertel-Mehrheit der Mitglieder. In letzterem Fall müsste freilich laut Deutscher Fußball Liga das Stimmrecht weiterhin mit 50+1 Stimmen beim 1. FC Köln bleiben.

Nur eine Ausnahme gibt es: Müsste der Vorstand laut Satzung „einen drohenden schweren Schaden vom Verein und/oder seinen Beteiligungsgesellschaften abwenden“, wäre ein Anteilsverkauf unabhängig ihrer Höhe sofort möglich, müsste aber nachträglich von der Mitgliederversammlung genehmigt werden. Dies wäre im Falle einer drohenden Insolvenz der Fall. Eine Situation, die bis vor wenigen Monaten kaum mehr vorstellbar war, durch die Corona-Krise aber zumindest wieder in den Gefahrenbereich gerückt ist. Schließlich haben die FC-Bosse bereits betont, dass eine Saison 2020/21 vollständig ohne Zuschauer den Klub an den Rande der Zahlungsunfähigkeit bringen würde.

Keine Investoren! Welche Alternativen gibt es?

So weit also die Vorgaben, denen der 1. FC Köln und seine Verantwortlichen laut Satzung unterliegen, die einst unter anderem von Ex-Vize-Präsident Dr. Jürgen Sieger und Ex-Aufsichtsrat Jörg Heyer geschrieben wurde. Die Interessen der FC-Bosse sind öffentlich ebenfalls bereits häufig kommuniziert worden: Der amtierende Vorstand lehnt ebenso wie der Mitgliederrat jegliche Anteilsverkäufe ab, will auf natürliche Weise wachsen und sich als unabhängiger und mitgliedergeführter Klub in der Bundesliga etablieren. Dafür jedoch bedarf es, das ist nicht erst seit der Corona-Krise klar, neuer Geschäftsfelder und Einnahmequellen. Andernfalls hätten es die Geißböcke wohl schwer dauerhaft in Liga eins zu bleiben. Wo aber sollen diese neuen Gelder – wenn nicht alleine durch sportlichen Erfolg – herkommen?

1. Digitalisierung

Beim FC schaut man vor allem auf die Digitalisierung, eines der Steckenpferde von Geschäftsführer Alexander Wehrle. Der FC investiert in Start-ups und fördert digitale Geschäftsmodelle, die auch dem FC zugute kommen sollen. Dazu hat der Klub in den eSport investiert und 2019 zusammen mit der Daimler AG die Mehrheit an der SK Gaming übernommen, einem der größten Gaming-Unternehmen (mit Sitz in Köln). Perspektivisch könnten die Geißböcke im eSport viel Geld verdienen, doch für das große Geschäft braucht der Klub Geduld. Derweil baut der FC sein Marketing um, nachdem man wohl zu lange eher auf den lokalen Handel als auf den Onlinehandel gesetzt hatte. Viel Geld hatte der Klub u.a. für neue Fanshops wie am Hauptbahnhof in die Hand genommen. Nun wird dieses Geld vermehrt in den Ausbau der Online-Vertriebswege gepumpt. Doch diese werden nur dann Erfolg haben, wenn auch die Reichweite des Klubs steigt. Denn eines ist klar: Digitalisierung ist gut, soll aber vor allem Menschen erreichen, die nicht in Köln oder im Rheinland oder gar überhaupt nicht in Deutschland ansäßig sind.

2. Internationalisierung

Deshalb wollen sich die Geißböcke eigentlich schon länger international aufstellen. Doch gerade hier hakt es gewaltig. In den USA wurden seit 2014 mehrere Projekte gestartet, die FC-Profis reiste zum Trainingslager nach Florida, mehrere Nachwuchsteams sollten zu Trainingslagern u.a. nach Indianapolis reisen. Doch nicht erst seit Corona sind die Bemühungen arg ins Stocken geraten. Auch weil intern große Bedenken hinsichtlich der Internationalisierungs-Strategie aufgekommen sind. Der Zankapfel heißt allerdings nicht USA, sondern China. Nach der gescheiterten Kooperation mit dem FC Liaoning sowie dem geplatzten Bau einer Nachwuchs-Akademie ist der chinesische Markt für die Geißböcke erst einmal tot. Insbesondere der Stopp der Fußballakademie, die der FC gemeinsam mit BMW Brilliance umsetzen wollte, hat intern hohe Wellen geschlagen. Die Argumente der FC-Macher, wonach man Jugendliche trainieren und mit westlichen Werten in Kontakt bringen könne, blieben bei vielen Mitgliedern und Fans ungehört. Dabei sollen nach GBK-Informationen die heutigen Vorstände Werner Wolf und Eckhard Sauren als einstige Beirats-Mitglieder damals keine Einwände gegen dieses Projekt erhoben haben. Doch spätestens seit dem Bekanntwerden von „Umerziehungslagern“ für über eine Million Uiguren hatte der FC das Vorhaben beerdigen müssen. Mit dieser Entscheidung hatte der Klub national für großes Aufsehen gesorgt und viel Lob erhalten, gleichzeitig aber auch den Zugang zu rund 400 Millionen Fußballfans und damit potentiellen Kunden in China verloren. Von diesem Kuchen hätte man am Geißbockheim gerne etwas abgezweigt. Nun sind die internationalen Bemühungen weitgehend zum Erliegen gekommen, während andere Klubs ihre Geschäfte (nicht nur in China) immer weiter ausbauen.

3. Ausgaben reduzieren

Einnahmequellen sind immer nur dann gut und wichtig, wenn auch die Ausgabenseite unter Kontrolle ist. Diese war in den letzten Jahren jedoch arg aus dem Ufer gelaufen. Ein überteuerter Profi-Kader, zahlreiche Millionen-Abfindungen, Panik-Käufe und der Abstieg 2018 haben den Klub eine mittlere zweistellige Millionensumme gekostet. Ganz zu schweigen von der potentiellen Ablösesumme, die der FC perspektivisch hätte einstreichen können, wenn man die Personalie Florian Wirtz nicht verschlafen hätte. In all diesen Bereichen will und muss man in den nächsten Monaten Einsparungen vornehmen und neue Werte schaffen. Ein Feld der Einsparung, das gleichzeitig eine neue Einnahmequelle darstellen würde, ist zudem das Stadion. Wie der GEISSBLOG.KOELN in seiner Stadion-Serie aufgezeigt hatte, war perspektivisch eine Übernahme des RheinEnergieStadions durch den Klub vorgesehen, damit der FC in Zukunft keine Pacht zahlen, dafür aber den Betrieb und die Vermarktung komplett übernehmen kann. Für eine solche Übernahme bräuchten die Geißböcke aber zunächst wiederum liquide Mittel. Und diese wären, gerade bei infrastrukturellen Maßnahmen, wohl am ehesten über strategische Partnerschaften zu machen.

4. Strategische Partnerschaften

Denn die originären Sponsoren-, Rechts- und Businesspartner-Pakete sind praktisch ausgeschöpft. Die Einnahmen aus diesen Verträgen ließen sich nur bei sportlichem Erfolg steigern. Daher läuft es beim FC vor allem auf strategische Partnerschaften hinaus. Anhand des Stadions ließe sich dies in Form einer separaten Stadion-Gesellschaft umsetzen, die vom FC gegründet würde, in welche sich jedoch Unternehmen einkaufen. Sie zahlen für ihre Anteile jene Summe, die der FC benötigt, um das Stadion zu kaufen. Als Rendite werden sie in den Folgejahren an den Gewinnen dieser Betreiber-Gesellschaft des Stadions beteiligt. Auch könnte es strategische Partnerschaften in ähnlicher Form geben, sollte der FC das Geißbockheim aufgeben müssen, falls ein Ausbau rechtlich verhindert wird. Dann könnte der Bau eines neuen FC-Campus ähnlich finanziert werden. Vor allem aber gibt es beim FC schon länger Überlegungen, drei lokale Kölner Großunternehmen über das bereits bestehende Sponsoring in den Klub einzubinden – auch wenn man öffentlich darüber freilich nicht reden möchte.

Die Rewe Group (Umsatz rund 57,8 Mrd. Euro), der Autobauer Ford Deutschland (Umsatz rund 4,6 Mrd. Euro) und der Energieversorger RheinEnergie (Umsatz rund 4,3 Mrd. Euro) sind seit vielen Jahren FC-Großsponsoren. Ähnlich wie beim FC Bayern mit Audi, Adidas und Allianz geschehen, könnten diese drei Kölner Unternehmer als Anteilseigner beim FC einsteigen und, am Beispiel vom FC Bayern aufgezeigt, jeweils 8,3 Prozent erwerben, dass sie insgesamt auf 24,9 Prozent der Anteile kämen. Dies wäre aber nur unter zwei Voraussetzungen denkbar: Erstens müsste der FC eine Rückkaufklausel für die Anteile vertraglich besitzen (sodass die Anteile nicht verloren wären) und zweitens müsste sich der FC ein Veto-Recht zusichern lassen, falls eine der Firmen ihre Anteile abstoßen wollte. Der Verein wäre dann zwar nicht mehr 100-prozentiger Halter seiner Anteile an der KGaA, bekäme aber frisches Geld und hätte durch die Vertragsklauseln trotzdem weiter die Hand auf den Anteilen. Zudem hätte man lediglich Kölner Unternehmens ins Boot geholt, da den Verantwortlichen klar ist, dass alles andere bei vielen Mitgliedern wohl inakzeptabel wäre. Die Bundesligisten FC Bayern, Eintracht Frankfurt, Arminia Bielefeld und VfB Stuttgart sind diesen lokalen respektive regionalen Weg der Partnerschaften bereits gegangen.


Die neue GBK-Serie „Corona, Finanzen und Investoren“ beleuchtet den Streit um das Geld in der Bundesliga und zeigt auf, welche Wege dem 1. FC Köln in Zukunft offen stehen. Die vierte und letzte Folge erscheint am Montag.

Folge 1: Der entfachte Streit: Corona, Finanzen und Investoren
Folge 2: Die 18 Bundesligisten im Investoren-Check
Folge 3: Was der FC plant und was überhaupt möglich wäre

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