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Welche Geldgeber-Modelle gibt es in der Bundesliga?


Finanzielle Beschränkungen im europäischen Fußball sind längst zur Farce verkommen. Die Aufhebung der Europapokal-Sperre für Manchester City durch den europäischen Sportgerichtshof CAS hat das Financial Fairplay im Fußball praktisch beerdigt. Die Deutsche Fußball Liga hat ihre eigene 50+1-Vorgabe längst selbst unterwandert. Und so folgen immer mehr Klubs dem Diktat des Geldes. Zahlreiche Bundesligisten haben dafür Wege eingeschlagen, um die Anteile an ihren Unternehmen zu Geld zu machen.

Von Sonja Eich und Marc L. Merten

Das Wort „Investor“ steht für viele Fußballfans auf der Roten Liste. Diskussionen darüber sind unerwünscht. Der Verein müsse den Mitgliedern gehören, heißt es. Dabei geht es nicht um die Anteile an den Vereinen, sondern an den ausgelagerten Kapitalgesellschaften. Eine Spitzfindigkeit? Vielleicht. Fakt ist, dass vielerorts Vereinsmitglieder Sturm laufen, weil sie keine Investoren, Teilhaber, strategische Partner oder wie auch immer geartete fremde Geldgeber wünschen.

Doch welche Varianten gibt es bereits in der Bundesliga? Von den 18 Bundesligsten haben bereits sieben Klubs mehr als 50 Prozent ihrer Anteile abgeben (oder haben sie nie besessen). Vier weitere Klubs haben Anteile unter 50 Prozent verkauft. Nur noch drei ausgelagerte Profiabteilungen sind noch zu 100 Prozent im Besitz des Muttervereins, während vier weitere Klubs ihre Lizenzspielerabteilungen noch nicht einmal ausgelagert haben und daher auch keine Anteile verkaufen könnten, selbst wenn sie wollten. Hier der Überblick über alle 18 Bundesligisten der Saison 2020/21.

FC Bayern München

Vereinsmitglieder: 293.000

Der FC Bayern München e.V. ist der mitgliederstärkste Sportverein der Welt. Seit 2002 ist die Profiabteilung ausgegliedert. 75 Prozent dieser AG befinden sich noch in Vereinsbesitz, 25 Prozent wurden verkauft. Den Begriff „Investoren“ lehnt man beim FC Bayern ab. Bei den drei beteiligten Firmen handelt es sich um jahrelange Sponsoren aus München bzw. Bayern. Adidas, Allianz und Audi halten je 8,33 Prozent der Anteile, ließen sich diese im Schnitt je rund 90 Mio. Euro kosten und stiegen als strategische Partner ein.

Borussia Dortmund

Vereinsmitglieder: 159.000

Der BVB beschloss auf der Jahreshauptversammlung des Vereins am 26. Februar 2000 den ersten Börsengang in der deutschen Fußball-Geschichte. Dieser fand letztlich am 31. Oktober 2000 statt, die BVB-Aktie wurde zum Kurs von elf Euro ausgegeben (aktueller Stand: 5,55 EUR). Damit ist die ausgelagerte Kapitalgesellschaft nicht mehr im Vereinsbesitz. Der BVB 09 e.V. hält selbst nur noch 5,53 Prozent an der AG. 64,88 Prozent befinden sich im Streubesitz, 9,83 Prozent bei Evonik, 9,33 Prozent beim Unternehmer Bernd Geske, 5,43 Prozent bei Signal Iduna und 5,00 Prozent bei Puma. Kurzfristig brachte der Börsengang damals rund 130 Mio. Euro in die Kasse, doch Misswirtschaft und der Sturzflug der Aktie auf 80 Cent brachten die Borussia an den Rand des Ruins.

RB Leipzig

Vereinsmitglieder: 17

Das Konzernprodukt RB Leipzig ist der wohl größte Zankapfel in der Bundesliga. Jeder weiß, dass der Red Bull Konzern die Geschicke leitet, dass es eine Verbindung zu Salzburg gibt, dass nur 17 Mitglieder Stimmrecht haben, dass das Stammkapital zu 99 Prozent von Red Bull gehalten wird und dass der Vorwand, die Stimmrechte lägen beim Verein, aufgrund der fehlenden Mitgliederstruktur ein trojanisches Pferd ist. Dennoch hat die DFL diesem Konstrukt zugestimmt und es wird sich nicht mehr rückgängig machen lassen. Nach der Lex Leverkusen und Wolfsburg existiert nun auch eine Lex Leipzig.

Borussia Mönchengladbach

Vereinsmitglieder: 93.000

Borussia Mönchengladbach ist der einzige Klub in der Phalanx der Top-Teams, der noch vollständig in Vereinsbesitz ist. Am 1. Januar 2003 gliederten die Mitglieder die Borussia VfL 1900 Mönchengladbach GmbH aus. Der eingetragene Verein ist bis heute alleiniger Gesellschafter und hat damit weiterhin die alleinige Kontrolle über alle Entscheidungen. Nur zwei weitere Vereine haben eine vergleichbare Konstellation – der 1. FC Köln und der SV Werder Bremen.

Bayer 04 Leverkusen

Vereinsmitglieder: 10.000

Die Lex Leverkusen legte die Grundlage, auf die sich später Wolfsburg und Hoffenheim beriefen. Die Bayer 04 Leverkusen Fußball GmbH wurde am 1. April 1999 gegründet und hat mit dem Turn- und Sportverein Bayer 04 Leverkusen e. V. praktisch nichts mehr zu tun. Die Bayer AG ist seit der Gründung alleinige Gesellschafterin. Eine Ausnahmeregelung der 50+1-Regel erlaubt es seitdem Wirtschaftsunternehmen, die Mehrheit an einem Fußballklub zu übernehmen, wenn sie den Mutterverein über 20 Jahre lang ununterbrochen und erheblich gefördert haben.

TSG Hoffenheim

Vereinsmitglieder: 11.000

In Hoffenheim wurde der Verein seit 1990 durch SAP-Mitbegründer Dietmar Hopp gefördert und von der Kreisliga bis in die Bundesliga finanziert. Im Februar 2015 stimmte der Verein dafür, dass Hopp aufgrund der Lex Leverkusen nicht nur 96 Prozent des Stammkapitals, sondern auch 96 Prozent der Stimmrechte an der TSG 1899 Hoffenheim Fußball-Spielbetriebs GmbH übernehmen kann. Die restlichen vier Prozent hält weiterhin der Verein. Hopp spielte in seiner Jugend selbst für die TSG sorgte in den letzten 30 Jahren für den finanziellen Background zum Aufstieg der Kraichgauer.

VfL Wolfsburg

Vereinsmitglieder: 5000

Die VfL Wolfsburg-Fußball GmbH entstand 2001 durch Ausgliederung der Profiabteilung des 1945 gegründeten Vereins für Leibesübungen Wolfsburg e. V. Da die Volkswagen AG den Verein, vergleichbar zu Bayer, zuvor mehr als 20 Jahre lang gefördert hatte, durfte sie erst 90 Prozent und seit 2008 sämtliche Anteile an der Gesellschaft übernehmen.

SC Freiburg

Vereinsmitglieder: 25.000

Der Sport-Club Freiburg 1904 e. V. gehört sich selbst – und zwar als Verein. Als einer von vier Bundesligisten ist der SC Freiburg keine Kapitalgesellschaft. Eine Ausgliederung ist nicht geplant.

Eintracht Frankfurt

Vereinsmitglieder: 90.000

Die Eintracht verfügt seit 2000 über eine ausgegliederte Aktiengesellschaft der Profis. Die Anteile sind besonders verteilt: Zu 67,88 Prozent gehören sie weiterhin dem Verein, doch drei Gesellschaften mit Eintracht-Bezug haben sich gebildet, um sich Anteile zu sichern: 18,55 Prozent halten die Freunde des Adlers GmbH, hinter denen sich der Investmentbanker und SGE-Aufsichtsratschef Philip Holzer sowie Stephen Orenstein (Frankfurter Unternehmer und seit 1985 Dauerkarten-Inhaber) verbergen. Sie investierten 15 Mio. Euro in ihre Anteile. Mit 10,00 Prozent sind die Freunde der Eintracht Frankfurt AG der zweitgrößte externe Partner, Dahinter verbergen sich das Bankhaus Metzler, die DZ Bank, die Landesbank Hessen-Thüringen sowie die BHF-Bank. Und dann wäre da noch Wolfgang Steubing mit seiner AG, die 3,57 Prozent hält. Steubing galt jahrelang als wirtschaftlicher Denker und Lenker der Eintracht als Aufsichtsratschef. Der 70-jährige wurde durch Wertpapierhandel reich und brachte neben seinem Vermögen auch sein Know-how über Jahre in den Klub ein.

Hertha BSC

Vereinsmitglieder: 37.500

Hertha BSC hat mit Lars Windhorst den zweiten Investoren-Versuch gestartet. Im Januar 2014 hatte der Investor Kohlberg Kravis Roberts & Co. (KKR) mit 61,2 Millionen Euro Anteile an Hertha erworben. Im November 2018 erwarb der e. V. die Anteile zurück – eine Option, die viele Fans in den Diskussionen um Investoren häufig vergessen. Doch Hertha nutzte die Klausel im Vertrag nicht, um die Stimmen und Anteile zu behalten, sondern um sie sofort wieder zu verkaufen. Vor der Saison 2019/20 stieg Lars Windhorst über die Peil Investment B.V. in die KGaA ein und pumpte 224 Millionen Euro in den Klub. Dafür erhielt er 49,9 Prozent der Anteile. Doch damit nicht genug. Anfang Juli 2020 erklärte der Verein, Windhorst erweitere sein Investment um 150 Millionen Euro. Damit hält die Peil Investment B.V. nun 66,6 Prozent der Anteile an der Hertha BSC GmbH & Co. KGaA. Um die 50+1-Regelung offiziell einzuhalten, behält der e. V. jedoch über 50 Prozent der Stimmen.

1. FC Union Berlin

Vereinsmitglieder: 37.000

Neben den SC Freiburg ist auch der 1. FC Union Berlin noch ein e.V. ohne ausgegliederte Profiabteilung und gehört damit weiterhin sich selbst.

FC Schalke 04

Vereinsmitglieder: 160.000

Als zweitgrößter Verein Deutschlands hat der FC Schalke 04 seine Profiabteilung noch immer nicht ausgegliedert. Über eine Auslagerung wird aber schon länger diskutiert und gestritten, insbesondere aufgrund der hohen Schulden des Klubs. Eine Auslagerung würde wohl den Einstieg von Geldgebern nach sich ziehen.

1. FSV Mainz 05

Vereinsmitglieder: 12.500

Neben Freiburg, Union und Schalke ist Mainz der vierte und letzte von 18 Vereinen, die keine ausgelagerte Profiabteilung besitzen. Eine solche Auslagerung ist aktuell auch nicht geplant.

1. FC Köln

Vereinsmitglieder: 111.500

Die Situation des 1. FC Köln ist wohl den meisten Fans bekannt. Der Klub verfügt über eine ausgelagerte Profi-Kommanditgesellschaft auf Aktien (KGaA), die jedoch zu 100 Prozent dem Verein gehört.

FC Augsburg

Vereinsmitglieder: 19.000

Der FC Augsburg 1907 e.V. hält lediglich 0,61 Prozent der Anteile an der FC Augsburg 1907 GmbH & Co KGaA und damit an der Profiabteilung. Der Rest gehört dem Brandschutz-Unternehmer und Präsidenten Klaus Hofmann. 99,39 Prozent hält die Hofmann Investoren GmbH, der neben Hofmann weitere Unternehmer angehören, darunter Marcus Höfl, der Ehemann von Ski-Star Maria Höfl-Riesch. Das Sagen habe aber zu 100 Prozent der Verein, sagt Hofmann – der Präsident.

SV Werder Bremen

Vereinsmitglieder: 41.000

Neben dem 1. FC Köln und Borussia Mönchengladbach ist Werder Bremen der dritte und letzte Bundesligist, dem die ausgelagerte KGaA zu 100 Prozent selbst gehört.

DSC Arminia Bielefeld

Vereinsmitglieder: 12.000

Bei Arminia Bielefeld liegen die Anteile an der 2001 ausgegliederten Lizenzspielerabteilung zu 71,4 Prozent beim DSC Arminia Bielefeld e. V. Die restlichen Anteile hat sich das „Bündnis Ostwestfalen“ gesichert, ein Verbund aus regionalen Unternehmen, die die Arminia unterstützen wollen. Darüber hinaus existiert allerdings auch noch eine Stadion-Beteiligungsfirma, die Bündnis Alm GmbH. Diese besitzt das Bielefelder Stadion und gehört mehreren lokalen Unternehmern. Die Arminia hat mit der Bündnis Alm GmbH einen Mietvertrag über 15 Jahre geschlossen, zahlt also die Stadionpacht nicht an die Stadt (wie der 1. FC Köln), sondern an ein Firmenkonglomerat, das dafür die Sanierung und Instandhaltung der Alm trägt.

VfB Stuttgart

Vereinsmitglieder: 71.500

Beim VfB Stuttgart ist die Lizenzspielerabteilung des Klubs seit 2017 ausgegliedert. Die VfB Stuttgart 1893 AG gehört zu 88,25 Prozent dem Verein und zu 11,75 Prozent der Daimler AG, dem ortsansäßigen Weltkonzern, der gleichzeitig Namensgeber des Stadions und Hauptsponsor ist. Die Daimler AG zahlte für die 11,75 Prozent einen Preis von 41,5 Millionen Euro. Darüber hinaus hat der VfB allerdings auch noch zwei andere Firmen, die VfB Stuttgart Beteiligungs-GmbH und die VfB Stuttgart Marketing GmbH, die zusammenhängen. Erstere Beteiligungsfirma wurde im Jahr 2000 gegründet, um dem Verein liquide Mittel für Sonderausgaben wie Transfers zur Verfügung zu stellen. Dies geschah unter anderem bei der Verpflichtung von Fernando Meira, als stille Teilhaber an der Firma dem VfB das Geld zur Verfügung stellten. Diese stillen Teilhaber halten als Gegenleistung Anteile an der Marketing-GmbH, sodass ein großer Teil der Marketing-Einnahmen des Klubs nicht dem Verein zufließen, sondern den stillen Teilhabern.


Die neue GBK-Serie „Corona, Finanzen und Investoren“ beleuchtet den Streit um das Geld in der Bundesliga und zeigt auf, welche Wege dem 1. FC Köln in Zukunft offen stehen. Die nächste Folge erscheint am Sonntag. Die erste Folge lest Ihr hier.

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