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Das Glück ist nicht immer mit den Tüchtigen


Trotz starker Leistung hat sich der 1. FC Köln am Samstagnachmittag zum vierten Mal in dieser Saison geschlagen geben müssen. Gegen den FC Bayern München (1:2) brachte erneut ein bitterer Elfmeter die Geißböcke auf die Verliererstraße. Die Kölner steckten trotzdem nie auf und hätten am Ende sogar einen Punkt verdient gehabt. Doch am Ende gewinnen derzeit halt immer die Bayern. 

Aus Müngersdorf berichtet Sonja Eich 

Geschichte des Spiels: Und täglich grüßt das Murmeltier in Müngersdorf: Im vierten Heimspiel der Saison hat der 1. FC Köln am Samstag den vierten Elfmeter gegen sich kassiert. Nach jeweils unglücklichen Zweikampfsituationen gegen Hoffenheim, Gladbach und Frankfurt war es nun ein Handspiel von Marius Wolf, das den FC früh in Rückstand versetzte. An der Seitenlinie der Kölner konnte man sein Pech kaum fassen: Ungläubig schüttelten die Verantwortlichen um Horst Heldt und Markus Gisdol den Kopf. Nachdem Thomas Müller den fälligen Strafstoß sicher verwandelte, musste der FC also einmal mehr einem Rückstand in dieser Saison hinterherlaufen.

Das Ergebnis: Blickt man auf das reine Ergebnis, könnte man beim FC angesichts des Gegners beinahe zufrieden sein. Waren doch in diesem Kalenderjahr bereits Mannschaften wie der FC Barcelona oder Atletico Madrid gegen den Rekordmeister übel unter die Räder gekommen. 4,5 Tore hatte das Team von Trainer Hansi Flick im bisherigen Bundesliga-Saisonverlauf im Schnitt pro Spiel erzielt. Am Ende dürfte der Effzeh aber trotz der nur knappen 1:2-Niederlage nicht zufrieden sein, denn selten war die Chance auf einen Punktgewinn gegen die zur Zeit wohl beste Mannschaft der Welt größer als am Samstag.

Duell des Spiels: Weltmeister Benjamin Pavard dürfte in der Nacht nach dem Spiel von Ismail Jakobs geträumt haben. Der Kölner Flügelflitzer zog unermüdlich auf der linken Seite seine Sprints an und ließ den Franzosen ein ums andere Mal hinter sich. Auch Innenverteidiger Niklas Süle hatte an diesem Tag seine liebe Mühe mit dem pfeilschnellen Kölner Angreifer. Insgesamt neun Mal konnte Jakobs nach seinem Antritt noch eine Flanke nach innen schlagen. Darüber hinaus gab der 21-jährige mit vier Torschüssen die meisten Abschlüsse aller Spieler auf dem Feld ab.

Pfiff des Spiels: Der FC startete gegen den scheinbar übermächtigen Rekordmeister aus München stark in die Partie und zeigte sich ebenbürtig. Dann jedoch kam es in der 13. Minute, wie es schon so oft in dieser Saison kam: Serge Gnabry köpfte Marius Wolf den Ball im Strafraum an den Unterarm. Wolf zog diesen noch weg, wollte seine Körperfläche verkleinern, war zudem keine zwei Meter vom Gegenspieler entfernt. Doch es half alles nichts: Schiedsrichter Frank Willenborg zeigte sofort auf den Punkt. Die FC-Spieler waren hinter her frustriert, nicht nur Ismail Jakobs sagte klar: „Das war für mich kein Elfmeter.“ Besonders brisant: Willenborg war es vor fast auf den Tag genau einem Jahr in Mainz gewesen, der dem FC einen klaren Handelfmeter trotz Videoassistent und Konsultation der Bilder verweigert hatte, nachdem Moussa Niakhaté den Ball mit ausgestrecktem Arm im Strafraum gespielt hatte. Willenborg, der FC und die Hand Gottes – eine Kombination aus der Hölle.

Zitat des Spiels: „Wenn es darum geht, den Sieg über die Zeit zu retten, gilt es das Arbeitsschweinchen rauszuholen. Aber die ersten zehn Minuten in Köln zittern zu müssen, ist nicht unser Anspruch.“ (Thomas Müller)

Einwechslung des Spiels: In der 59. Minute wechselte Markus Gisdol gleich dreifach und brachte Noah Katterbach, Jan Thielmann und Dominick Drexler in die Partie. Normalerweise resultiert ein Dreifach-Wechsel in der Bundesliga aus Unzufriedenheit mit dem Gezeigten. Gegen die Bayern dürfte dies jedoch mitnichten der Grund von Markus Gisdol gewesen sein. Vielmehr hatten sich Dimitris Limnios, Jannes Horn und Ellyes Skhiri in der Stunde zuvor vollends ausgepowert, sodass er für die letzten 30 Minuten noch einmal neue Kräfte bringen musste. Mit Erfolg: Eine – vielleicht glückliche – Kombination von Thielmann und Drexler führte am Ende zum Anschlusstreffer.

Erkenntnis des Spiels: Wer nach den zwei insgesamt ordentlichen Leistungen gegen Frankfurt und Stuttgart nun erwartete, der FC würde sich gegen die Bayern seinem Schicksal ergeben, sah sich getäuscht. Die Kölner waren mit ihrem Gegner über weite Strecken auf Augenhöhe, arbeiteten unermüdlich und gaben sich auch trotz Rückschlägen zu psychologisch ungünstigen Zeitpunkten nie auf. Am Ende fehlte das Quäntchen Glück und die Qualität im Abschluss oder auch mal eine positive Schiedsrichterentscheidung für den FC. Nach den 90 Minuten gegen den Rekordmeister muss man aus Kölner Sicht also festhalten: Das Glück ist nicht immer mit den Tüchtigen.

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