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Struth über Wirtz: „Nach so einem Fehler rollen Köpfe“


Die Causa Florian Wirtz wird noch länger beim 1. FC Köln nachhallen, obwohl der Klub versucht sich von der Geschichte um den Transfer des einstigen Talents zu Bayer Leverkusen so gut es geht zu distanzieren. Nun hat Spielerberater Volker Struth den Finger noch einmal in die Wunde gelegt und erklärt: Eigentlich hätte der Verlust des Top-Talents die Verantwortlichen den Job kosten müssen. Zumindest glaubt man bei den Geißböcken inzwischen den entscheidenden Fehler erkannt und behoben zu haben.

Köln – Vor Weihnachten verlängerte Florian Wirtz bei Bayer Leverkusen – aufgrund seines Alters regulär zunächst nur – bis 2023. Ein Anschlussvertrag bis 2026 soll bereits ausgehandelt sein. Wirtz wird Bayer also entweder lange treu bleiben oder sehr viel Geld einbringen. Er wird wohl Nationalspieler werden, womöglich gar Titel gewinnen (wobei Bayer 04 nicht gerade als Titelsammler bekannt ist). Und jedes Mal wird ein solches Erlebnis ein Stich ins Herz des 1. FC Köln sein.

Weil der 1. FC Köln den wohl teuersten Fehler der Vereinsgeschichte beging und sich nicht um sein größtes Talent seit Jahren kümmerte. Oder zumindest nicht so, wie es nötig gewesen wäre. Das sieht auch Volker Struth so, eines der Schwergewichte in der Beraterszene und bekennender FC-Fan. „Da blutet nicht nur mir das Herz, sondern vielen Fans und Funktionären des 1. FC Köln“, sagte Struth nun dem Express. „So ein Talent hast du nicht jedes Jahr.“ Nicht jedes Jahr, womöglich nicht einmal jedes Jahrzehnt. Für Struth, der über die Vorgänge im FC in der Regel bestens informiert ist, hätte der Fehler personelle Konsequenzen haben müssen. „Wenn so etwas in der freien Wirtschaft passiert wäre, dann würden nach so einem Fehler Köpfe rollen ohne Ende.“

Stattdessen traf sich der Vater des Jungen in der Zeit mit der halben Liga

Obwohl sich der FC sehr wohl in der „freien Wirtschaft“ bewegt, war dies bekanntlich nicht der Fall. Sport-Geschäftsführer Armin Veh war von selbst gegangen, ehe das ganze Ausmaß seines Versagens offenbar geworden war. Seiner rechten Hand, Frank Aehlig, seines Zeichens Kaderplaner und Leiter der Profi-Abteilung, hatte Veh zuvor noch den Vertrag verlängert. Und auch in der Nachwuchsabteilung gab es keine Veränderungen. Dort jedoch, weil im NLZ – abgesehen von der Personalie Wirtz – beim FC seit Jahren herausragende Arbeit geleistet wird und der Kölner Nachwuchs, geführt von Matthias Heidrich und Carsten Schiel, im Vergleich zur Profi-Abteilung seit Jahren regelmäßig Erfolge verzeichnet und zuletzt zahlreiche Talente an die erste Mannschaft heranführte.

Nicht jedoch Wirtz, und genau das, so glaubt Struth, war ein kollektives Versagen der FC-Verantwortlichen. „Die Leute in der Jugendabteilung hätten wahrscheinlich viel früher Alarm schlagen müssen, und zwar spätestens zwei Jahre vor Vertragsende“, sagte Struth und meinte damit den Sommer 2018, ein Jahr vor dem Kölner U17-Meistertitel mit Wirtz, zwei Jahre vor dem 2020 auslaufenden Vertrag des Supertalents. Hinweise von außen und mediale Warnungen hatte es bereits zuhauf gegeben. „Stattdessen traf sich der Vater des Jungen in der Zeit mit der halben Liga.“ Und das, so weiß man inzwischen, noch bevor es vom FC überhaupt konkrete Gespräche mit dem Talent gegeben hatte. Und als es sie dann gab, saßen nicht, wie bei Bayer mit Rudi Völler, Simon Rolfes und Peter Bosz, die Profi-Chefs am Tisch, sondern die Nachwuchs-Verantwortlichen. Auf ein Gespräch mit Sportchef Veh und einem der damaligen Trainer (Markus Anfang, Achim Beierlorzer) wartete die Wirtz-Familie vergeblich.

Keine Profi-Perspektive, keine Vertragsverlängerung

Wohl auch, weil man sich beim FC darauf verließ, dass das „FC-Jeföhl“ ausreichen würde, um den Spieler von einem Verbleib zu überzeugen. Eine Profi-Perspektive zeigte man ihm nicht auf. Man lud ihn nicht frühzeitig in ein Profi-Trainingslager ein, ließ ihn nicht mit den Profis mittrainieren. Eine Fehleinschätzung, die offenbar auch daher rührte, wie Struth vermutet, dass Wirtz keinen professionellen Berater an seiner Seite hatte, der dem FC hätte Dampf unter dem Allerwertesten machen können. „Im Schlusskapitel kommt hinzu: Der Junge hat keinen Berater“, sagte Struth und bezeichnete diesen Umstand für Bayer Leverkusen als „ein Märchen“. Denn so konnte sich Bayer 04 im Hintergrund sicher sein, dass den FC niemand rechtzeitig auf den eigenen Fehler hinwies.

Erst unter Horst Heldt und Markus Gisdol änderte sich dies. Inzwischen sitzt das Duo bei allen Vertragsgesprächen mit den größten Talenten mit am Tisch. Jan Thielmann und Tim Lemperle, Robert Voloder und Sava Cestic, Justin Diehl und nun auch Marvin Obuz. Obuz ist der einzige Top-Mann aus dem FC-Nachwuchs, der noch nicht langfristig verlängert hat. Bemerkenswert: Obuz wird von SportsTotal beraten, der Agentur von Volker Struth.

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