„Dann hätte er nicht gespielt“: Lemperle mit Pfiffen verabschiedet

Friedhelm Funkel wechselte Tim Lemperle in der Schlussphase ein. (Foto: Bucco)
Friedhelm Funkel wechselte Tim Lemperle in der Schlussphase ein. (Foto: Bucco)

Tim Lemperle hat sich als Top-Scorer vom 1. FC Köln verabschiedet, aber auch mit Pfiffen. Beim Aufstiegsspiel gegen Kaiserslautern war deutlich zu hören, dass ihm viele Fans den Party-Skandal – anders als die Mitspieler – nicht verziehen haben.

Erst wurde er ausgepfiffen, dann zurückgepfiffen. Tim Lemperle, dessen Eklat samt Nasenbeinbruch im Vorfeld des Saisonfinales die Schlagzeilen bestimmt hatte, verlässt den 1. FC Köln zwar als einer der Aufstiegsgaranten – allerdings auch mit einem ramponierten Ruf.

So glatt der Sonntag im RheinEnergieStadion aus Sicht der Geißböcke auch lief, war doch ein Moment des Unmuts zu vernehmen: Lemperles Einwechslung. Als der Kölner Top-Scorer (zehn Tore, sechs Vorlagen) nach 71 Minuten Damion Downs ablöste, gab es zahlreiche Pfiffe von den Rängen. Es war sicherlich nicht die Mehrzahl der FC-Fans, die Lemperle mit Ablehnung auf dem Rasen begrüßte, aber fraglos eine unüberhörbare Menge.

Kein Abschiedstor für Lemperle

Knapp eine Viertelstunde nach seiner Einwechslung verhinderte ein anderer Pfiff dann Lemperles Abschiedstor. Der Stürmer hatte zum vermeintlichen 4:0 getroffen, wurde aber von Schiedsrichter Sören Storks zurückgepfiffen – wohl aufgrund einer Abseitsstellung. Stattdessen war kurz darauf Mark Uth der Treffer zum Endstand vergönnt.

Lemperle wiederum war nach seiner omnipräsenten Rolle unter der Woche an diesem Tag nur ein Nebendarsteller. Wenngleich sich die Mannschaft alle Mühe gab, gemeinsam mit ihm Geschlossenheit zu demonstrieren. Seine besten FC-Kumpels, Leart Pacarada und Linton Maina, gingen demonstrativ klatschend zur Seitenlinie, als der Angreifer eingewechselt wurde. Pacarada trug später zudem ein DFB-Trikot mit Lemperles Namen.

„Fantastisch, wie Mannschaft damit umgegangen ist“

Anders als Teile der Fans hatten die Teamkollegen dem reumütigen Sünder im Vorfeld des Spiels verziehen. „Wenn die Mannschaft geschlossen gesagt hätte, ‚den wollen wir hier nie wieder sehen‘, hätte er nicht gespielt“, stellte Kapitän Timo Hübers nach dem Sieg gegen Kaiserslautern klar und lobte den Teamgeist: „Hier wird super viel polarisiert und jede Emotion brandbeschleunigt. Da gilt es, intern noch ein bisschen enger zusammenzurücken. Das haben wir in dieser Saison super hinbekommen.“

In erster Linie war es fantastisch, wie die Mannschaft damit umgegangen ist.

Thomas Kessler

Sportdirektor Thomas Kessler betonte, wie wichtig es gewesen sei, in dieser Causa Ruhe zu bewahren: „Wir haben noch mal eine Nacht darüber geschlafen und dann besprochen, wie wir damit umgehen. Und in erster Linie war es fantastisch, wie die Mannschaft damit umgegangen ist.“ Das Team habe sich „überhaupt nicht aus der Ruhe bringen lassen“ – und feierte letztlich gemeinsam mit Lemperle den Aufstieg und die Meisterschaft.

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