Nach Gerücht um Genussscheine: Die irrationale Fan-Angst vor Investoren

Finanz-Geschäftsführer Philipp Türoff. (Foto: Bucco)
Finanz-Geschäftsführer Philipp Türoff. (Foto: Bucco)

Der 1. FC Köln ist erstmals seit der Corona-Pandemie in einer finanziell komfortablen Lage. Dennoch gibt es Gerüchte um teure Genussscheine und sogar Investoren. Woher kommt diese irrationale Angst der Fans?

Alles begann mit einer Spende. Nach dem Feuer-Drama um die Räumlichkeiten der Wilden Horde sammelten die Ultras via gofundme sage und schreibe 117.000 Euro ein. Eine große Welle an Solidarität überwältige die hart getroffene Fan-Gruppierung des 1. FC Köln. Sogar FC-Verantwortliche und -Spieler wie Thomas Kessler (1948 Euro) und Matthias Köbbing (2500 Euro) trugen mit großen Summen dazu bei.

Auffällig war jedoch die Spende eines Unternehmers: Navid Thielemann gab 5000 Euro an die WH96 und war damit der mit Abstand größte Geldgeber. Auch Ex-Präsidentschafts-Kandidat Wilke Stroman (1948 Euro) hatte gespendet, aber Thielemann war bis dato im FC-Umfeld mehr oder weniger ein Unbekannter. Das änderte sich mit seiner Spende.

Von einer Spende über Genussscheine bis hin zum Investor

Zunächst berichtete der Express über Thielemanns Spende, aber auch über eine andere Summe: 50 Millionen Euro, die der FC versuchen wolle über Genussscheine reinzuholen, um in der Entwicklung des Clubs den nächsten Schritt machen zu können. Bei einigen Fans folgte sofortige Skepsis. Thielemann rückte in den Fokus, Gerüchte um ein Bestreben, als Investor beim FC einzusteigen, machten die Runde. Hinzu kam das alte Wahlkampf-Gerücht, wonach Präsident Jörn Stobbe immer wieder unterstellt worden war, den FC für Investoren öffnen zu wollen.

Bekanntlich aber kann niemand beim FC den Club für Investoren öffnen außer die FC-Mitglieder selbst. Die Satzung ist eindeutig: Bei jeglichem Verkauf von Anteilen müssen die Mitglieder zustimmen. Ohne eine Mehrheit auf einer Mitgliederversammlung kein Anteilsverkauf – so wollten es die Fans, so steht es inzwischen in der FC-Satzung. Selbst ein Notverkauf bei finanzieller Schieflage wurde ausgeschlossen.

Genussscheine deutlich teurer als Kredite

Während der Corona-Pandemie war diese Angst vor Anteilsverkäufen nicht unbegründet gewesen. Der FC stand kurz vor der Insolvenz. Hätten die Verantwortlichen nicht jegliche Mittel anderweitig ausgeschöpft, wäre eine Zahlungsunfähigkeit nicht ausgeschlossen gewesen. Heute jedoch ist der FC in einer komfortablen Situation, hat das Eigenkapital wieder gestärkt, neue Werte geschaffen und Kosten reduziert. Auch heute wäre eine neuerliche Pandemie eine Gefahr, aber der FC könnte sie von einem stärkeren Fundament heraus angehen.

Auch deshalb verwunderten die Gerüchte um Genussscheine. Diese Finanzierungsform ist komplex und aufwendig. Es handelt sich um eine Mischung aus Eigen- und Fremdkapital, stärkt also zwar die Eigenkapital-Basis, belastet den Club aber nachhaltig deutlich stärker als jeder Kredit. Der Grund: Genussscheine werden nachrangig behandelt. Das heißt: Im Insolvenzfall werden die Anleger erst nach allen anderen Gläubigern bedient. Somit tragen sie ein höheres Risiko – und erhalten damit deutlich höhere Zinsen.

Sportliche Situation ist finanziell gedeckt

Dem Bericht zufolge wolle der FC 50 Millionen Euro aufnehmen. Auf GEISSBLOG-Nachfrage teilte der FC mit, dass diese Anlageform derzeit kein Teil der Finanzplanungen für die nächsten Jahre sei. Die Argumentation der FC-Bosse: Im sportlichen Bereich ist alles finanziert, durch die Transfereinnnahmen aus 2025 (Urbig, Downs, Finkgräfe) konnten weite Teile der letztjährigen Kaderinvestitionen gedeckt werden. Der FC wird die abgelaufene Saison erneut mit einem Gewinn abschließen.

Für 2026 rechnen die Geißböcke mit mindestens einem großen Spielerverkauf (El Mala oder/und Kaminski). Doch selbst im Fall eines Verbleibs beider FC-Stars wären die geplanten Kader-Investitionen ohne finanzielles Risiko umsetzbar – nur eben vermehrt wieder über Leihen, wie schon 2025.

Genussscheine sind aktuell kein Thema

Wichtiger ist die Frage daher, wie der FC abseits des Sportlichen die geplanten Großinvestitionen stemmen will. Da geht es vor allem um das Leistungszentrum, mit dessen Errichtung 2027 begonnen werden soll. Eine Investition im mittleren, zweistelligen Millionenbereich. Und hier kommt Thielemann wieder ins Spiel.

Nach GEISSBLOG-Informationen trat der gebürtige Kölner, der unweit vom RheinEnergieStadion aufwuchs, auf den FC zu, um über eine mögliche Kooperation zu sprechen. Ob als Sponsor oder Geldgeber für den Bau des Leistungszentrum, ist aktuell nicht bekannt. Im Hintergrund laufen Gespräche, alle Optionen liegen auf dem Tisch. Nur nicht jene der Genussscheine, die freilich auch Thielemann im größeren Stil hätte zeichnen können, denn diese werden intern als deutlich zu teuer deklariert.

Bekannt ist derweil: Der FC hält sich die Option offen, eine externe Gesellschaft zu gründen, die künftig größere Bau- und Immobilienvorhaben des Clubs umsetzen könnte. Dabei steht das Leistungszentrum ebenso im Fokus wie der immer wieder diskutierte Kauf des RheinEnergieStadions. An dieser Gesellschaft, so der FC-Plan, könnten sich dann tatsächlich Geldgeber wie Thielemann beteiligen. Auch Großsponsoren wie REWE, Ford und RheinEnergie könnten dann einsteigen – nur eben ohne dabei Anteile des e.V. zu erwerben.

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