Dortmunder Spielchen und ein heuchlerisches Argument im El-Mala-Poker

Das einzig Gelbe, das für Said El Mala gerade zählt, sind die Männchen auf dem Trainingsplatz. (Foto: IMAGO / DeFodi Images)
Das einzig Gelbe, das für Said El Mala gerade zählt, sind die Männchen auf dem Trainingsplatz. (Foto: IMAGO / DeFodi Images)

Der Poker um Said El Mala treibt schon seit einigen Wochen wilde Blüten. Nun scheint Borussia Dortmund mit ersten Machtspielchen begonnen zu haben, während ein neu formuliertes „Argument“ kaum ernst gemeint sein kann.

Ein Kommentar von Marc L. Merten

Am Mittwoch erschienen in der SportBild zwei Grafiken. Grafiken, welche Said El Mala im März 2024 gezeigt wurden – und zwar in Dortmund, vom BVB, zu den Verhandlungen des Clubs mit dem damaligen Viktoria-Talent. Ein Bild zeigte ein BVB-Trikot mit der Nummer 10 und dem El-Mala-Schriftzug auf dem Rücken. Ein anderes „Herzlich Willkommen, Said El Mala“.

Nicht bekannt ist, ob die BVB-Verantwortlichen die Bilder selbst durchgestochen haben oder ob es ein Mitarbeiter der Geschäftsstelle war, welcher es womöglich gar nicht so gut mit den Dortmundern meint. Denn Fakt ist: Dortmund wollte zwar Said El Mala verpflichten, doch Dortmund zeigte schon damals, dass es überhaupt nicht verstanden hatte, worum es dem Teenager überhaupt ging.

Der FC verstand El Mala – der BVB nicht!

In dem Bericht steht zudem, der Spieler sei schließlich zum 1. FC Köln gewechselt, weil der FC der Viktoria 350.000 Euro geboten habe, während Dortmund nur 150.000 Euro zahlen wollte. Die Wahrheit ist aber: Der FC erhielt den Zuschlag vor allem, weil die Geißböcke darüber hinaus auch bereit waren, 125.000 Euro für Saids Bruder Malek zu bezahlen.

Die Geißböcke gewannen den Poker nicht des Geldes wegen, sondern weil sie verstanden, was der Mensch Said El Mala wirklich wollte. Einerseits einen gemeinsamen Wechsel mit seinem Bruder und andererseits zunächst einen weiteren Verbleib bei der Viktoria. Das konnte der FC aufgrund der Transfersperre bieten. Es war aber auch ein Zeichen an die Brüder und die gesamte Familie, dass der FC bereit war auf die menschlichen Wünsche der Spieler einzugehen.

Dem FC Gier vorzuwerfen, ist Heuchelei

Jetzt glaubt Dortmund womöglich, mit diesen Bildern den Druck auf den FC erhöhen zu können. Schließlich habe man ja schon vor zwei Jahren um ihn gebuhlt und damals schon das Talent erkannt. Tatsächlich aber hat die Borussia sich damals verpokert – und verpokert sich bislang auch dieses Jahr mit dem geringschätzigen Angebot, welches der FC kürzlich ablehnte.

Am Mittwoch war aber noch etwas anderes zu lesen. In der Bild erschien ein Pro und Contra zu El Mala, in welchem das Argument formuliert wurde, El Malas Marktwert sei „mit 45 Millionen schon sehr hoch eingepreist“. Dabei ist es doch so: Dieses Gebot hat der FC Brentford abgegeben. Plus Boni. Der FC hätte es angenommen. Es ist also marktrelevant. Darüber hinaus hieß es sogar, der FC dürfe El Mala den Schritt zum BVB nicht verbauen, sollte eine solche Summe erneut geboten werden. „Wir reden schließlich von einer Steigerung von 12.757 Prozent, wenn man bedenkt, dass Köln El Mala vor zwei Jahren für schlappe 350.000 Euro verpflichtet hatte.“

Drei Gründe, warum El Mala 50 Mio. Euro wert ist

Diese 12.757 Prozent sind womöglich das heuchlerischste Argument, das jemals in einem Transferpoker formuliert wurde. Es suggeriert ganz offen, der FC dürfe doch bitte nicht zu gierig werden. Geht es hier etwa um eine höhere Sache? Eine gesellschaftlich-moralische Pflicht, die der FC zu erfüllen hat? Der 1. FC Köln ist nicht die Wohlfahrt. Und schon gar nicht ist Borussia Dortmund ein armer Schlucker-Verein, der es verdient habe, ihm etwas unter die Arme zu greifen.

Der 1. FC Köln hat klar und deutlich formuliert: 50 Millionen Euro müssen es für El Mala sein. Erstens, weil 45 plus Boni bereits geboten wurden. Zweitens, weil El Mala im September mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit deutscher A-Nationalspieler wird und damit im Wert weiter steigen wird. Und drittens, weil der immer noch erst 19-Jährige einen wasserdichten Vertrag ohne jede Ausstiegsklausel bis 2030 besitzt.

Zum Abschluss noch ein dummes Argument

Borussia Dortmund hatte keine Skrupel, insgesamt 148 Millionen Euro für Ousmane Dembele vom FC Barcelona zu fordern. Der BVB machte sich mit über 127 Mio. Euro für Jude Bellingham von Real Madrid sowie 85 Mio. Euro für Jadon Sancho von Manchester United die Taschen voll. Wer solche Preise kassiert, darf auf der anderen Seite gerne auch mal die Schatulle öffnen. Said El Mala wäre mit 50 Mio. Euro der Rekordtransfer des BVB. Hier noch ein richtig dummes Argument im El-Mala-Poker: Der BVB sollte die 50 Mio. Euro einfach zahlen. Dann könnte er immerhin einen neuen Rekordtransfer verkünden. Wäre das nicht toll?

DAS KÖNNTE DICH AUCH INTERESSIEREN

DISKUTIER MIT!

Willkommen im Kommentarbereich des GEISSBLOG!
Hier kannst du über den 1. FC Köln diskutieren und dich mit anderen Usern austauschen. Bitte beachte dabei die Spielregeln in unserer Netiquette! Du findest sie hier und kannst sie jederzeit nachlesen. Viel Spaß!
Abonnieren
Benachrichtige mich bei
14 Kommentare
Neueste
Älteste Meistbewertete