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"Wo soll ein Eigengewächs spielen, wenn nicht bei uns?"

Salih Özcan hätte den 1. FC Köln gegen Borussia Dortmund schon nach wenigen Minuten auf die Siegesstraße bringen können. Stattdessen musste er beim 1:1 (1:0) gegen den BVB wenige Sekunden vor Schluss mit Gelb-Rot vom Platz. Der Nächste, der dem Effzeh fehlen wird. Doch das Talent hat beim FC ein Stein im Brett.

Köln – Salih Özcan bestritt am Samstag erstmals ein Spiel im heimischen RheinEnergieStadion von Beginn an. Nach dem Startelf-Debüt in Hoffenheim durfte der 18-Jährige auch gegen Dortmund sofort ran – und hätte mit etwas mehr Ruhe schon in der 3. Minute das 1:0 erzielen können. Artjoms Rudnevs hatte sich über links durchgesetzt, an den Elfmeterpunkt zurückgelegt, wo Özcan heran gerauscht kam. Doch sein Schuss rutschte ihm über den Schlappen und ging vorbei.

Man sieht, dass er noch einiges zu lernen hat

Es war der Auftakt zu einem Spiel, in dem Özcan viel zu tun bekam, längst nicht alle Defensivaufgaben so routiniert wie seine Nebenleute Marco Höger und Jonas Hector klären konnte, aber über viel Aggressivität und Laufbereitschaft es den Dortmundern so schwer wie möglich machte. „Das war fußballerisch okay“, sagte Sportchef Jörg Schmadtke. „Wir wissen, dass er defensiv manchmal noch seine Probleme hat.“

Aber das nahm auch sein Trainer Peter Stöger bewusst in Kauf. „Er hat es ordentlich gemacht. Man sieht, dass er noch einiges zu lernen hat. Aber wenn ein Eigengewächs sehr talentiert ist, wo soll er spielen, wenn nicht bei uns?“, fragte der Österreicher. „Da nehme ich dann auch in Kauf, dass er das eine oder andere nicht optimal löst und daraus lernt. So wird er sich weiterentwickeln.“

Gelb-Rot führt zum nächsten Ausfall für Köln

Für Özcan war die Partie gegen Dortmund ein 90-minütiger Crashkurs auf höchstem Niveau, in dem er zwar nicht alle Situationen optimal löste, einige leichte Ballverluste herbeiführte, aber zeigte, dass er mit seinen 18 Jahren bereits mithalten kann. Gegen Werder Bremen in der kommenden Woche wird er allerdings zuschauen müssen, denn Özcan sah in der Nachspielzeit die Gelb-Rote Karte. „Es tut mir für den Jungen leid, weil er heute gezeigt hat, dass er eigentlich absolut Bundesliga-tauglich ist“, sagte Keeper Thomas Kessler.

Mit dem Ausfall Özcans muss der FC damit neben den fünf Langzeitverletzten (Horn, Maroh, Lehmann, Bittencourt, Risse) auf einen weiteren Spieler verzichten. Kessler flüchtete sich deswegen bereits in den Sarkasmus und ließ jeden Fußballer in Köln wissen: „Vielleicht gibt es ja noch jemanden, der einen Spielerpass und Fußballschuhe hat. Wir trainieren am Geißbockheim unter der Woche. Vielleicht hat einer ja Lust…“


Alles zum 1:1 des Effzeh gegen den BVB


8 Kommentare
    • udo schmidt
      udo schmidt says:

      Das sehe ich etwas anders.Wenn man sich die Szene genau anschaut,dann verliert Olkowski gegen Dembele das Sprintduell.Özcan ist eigentlich zu weit weg ,sieht (oder spürt) aber,daß er helfen muß,da der eigentlich verantwortliche Verteidiger (Sörensen) nicht rausrückt sondern sich in den Strafraum zurückzieht.Es zeigt den tollen Charakter von Özcan sich voll in den Dienst der Mannschaft zu stellen.Es ist noch nicht lange her,da hatten wir Mittelfeldspieler ,die nicht bereit gewesen wären den langen Sprint in der 94.Minute zu gehen.Großes Lob und Respekt an Salih Özcan.

      • puschel
        puschel says:

        …ja sehe ich auch so, hätte es zwar noch etwas geschickter anstellen können aber bei dem alter – alles okay ! und wie seht ihr das 1 gewonnener oder 2 verlorene punkte ? , für mich aufgrund der personalsituation und der hervorragenden kämpferischen einstellung ein gewonnener !

        PS : die werbung ist schon nervend !

  1. Elke L.
    Elke L. says:

    Er wollte wohl die Gefahr eines weiteren Tores der gelb-schwarzen auf jeden Fall verhindern. Matze hatte auch vor vielen Spielen mal gesagt, als er den Gegner bei einem Alleingang auf unser Tor gestoppt hatte (und dafür nur gelb bekam): ich hätte auch eine rote Karte in Kauf genommen.

    Passiert halt mal, dass der Schiri gelb-rot gibt. Manche Spieler an diesem WE hatten Glück (Dembele?), dass ihnen das nicht passiert ist, obwohl es Gründe gab. – Hoffe auf 1 Spiel Sperre dafür und gut ist.

    • Koelschlenny
      Koelschlenny says:

      Gelb-rot gibt ein Spiel Sperre und die beiden gelben Karten verschwinden aus der Statistik. Somit steht er nach der Sperre wieder bei 0 gelben Karten.

      Eigentlich ist es nur bitter aufgrund der Personaldecke. Aber er wird denke ich gegen Leverkusen wieder dabei sein und sich im Trainingslager weiterhin empfehlen. Nicht vergessen, dass die Rückrunde 2 Spiele länger wird als die Hinrunde ;-)

  2. R.S.
    R.S. says:

    Nicht nur „Wo soll ein Eigengewächs spielen, wenn nicht bei uns?“ sondern auch:

    Wo wird ein Eigengewächs so klug in die Mannschaft eingeführt, dass aus ihm kein Egomane a la Draxler 2.0 entsteht! Das hätte Stöger nie gesagt, weil er sich damit selbst loben müsste, aber es ist nicht immer nur der Charakter des Spielers … auch der Umfeld kann aus manch einem talentierten Nachwuchspieler eine Pflaume ohne Bodenhaftung formen! Auch in dieser Hinsicht ist Salih bestens aufgehoben. Mal sehen, was die Zukunft bringt. Im Moment ist die Perspektive sehr, sehr gut.

    • Koelschlenny
      Koelschlenny says:

      Auf der einen Seite stimme ich dir zu, dass auch das Umfeld einen großen Anteil an der erfolgreichen Integration von jungen Spielern hat. Andererseits gibt es derzeit in der Bundesliga nun wirklich massig Beispiele, wo es ähnlich gut läuft, wie bei uns: Thilo Kehrer, Max Meyer, Jonathan Tah, Julian Brandt, Kai Havertz, Mahmoud Dahoud, Aaron Seydel um nur mal ein paar zu nennen.

      Fazit: wir sollten uns nicht auf und mit Salih Özcan ausruhen, sondern weiter zielstrebig arbeiten, sodass wir eher Hartels, Özcans, Clemens‘ und Gerhardts sehen als Küblers, Weisers und Brosinskis.

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