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Heimvorteil: Kann der FC auch ohne Zuschauer profitieren?

Wenn der 1. FC Köln am kommenden Sonntag auf den 1. FSV Mainz 05 trifft, wird das RheinEnergieStadion bis auf wenige Plätze leer sein. Tausende FC-Fans hatten sich darauf gefreut, dem ehemaligen Trainer Achim Beierlorzer ein hitziges Wiedersehen zu bescheren. Sie müssen nun von zuhause aus zuschauen und hoffen, dass die Geissböcke den Heimvorteil trotzdem zu nutzen wissen. Gut möglich, dass dies gelingt.

Köln – Die erste Pflichtspiel-Woche seit zwei Monaten hat begonnen. Der 1. FC Köln bereitet sich erstmals seit dem Derby gegen Mönchengladbach wieder auf eine Bundesliga-Partie vor. Am Samstag ging es dafür ins Stadion nach Müngersdorf, um vor der zu erwartenden Geister-Kulisse ein mannschaftsinternes Testspiel zu absolvieren.

Gleich zwei Heimspiele in Folge darf der FC zu Beginn der Geisterspiel-Serie im Saison-Endspurt bestreiten. Gegen Mainz und Düsseldorf will die Mannschaft von Trainer Markus Gisdol an ihre Serie vor der Krise (acht Siege aus elf Spielen) anknüpfen. Darüber hinaus dürften einige Spieler die zwei Niederlagen gegen den FSV und die Fortuna aus der Hinrunde nicht vergessen haben. Schon ein Sieg über die Mainzer mit dem Ex-Coach Achim Beierlorzer wäre gleich dreifach süß: Erstens wären endgültig alle Gedanken an die unteren Tabellenränge beiseite gewischt, zweitens könnte so mancher FC-Profi seinem ehemaligen Trainer zeigen, was er wirklich drauf hat, und drittens würden drei Punkte die Kölner noch näher an die obere Tabellenhälfte heranbringen und – man mag es sich wieder in Erinnerung rufen – an Platz sieben oder sechs.

Wie groß ist Kölns Vorteil der Erfahrung?

Denn so unvorstellbar es dieser Tage nach zwei Monaten mit dem Coronavirus erscheint: Ab Sonntag geht es für den FC wieder um den Ernst der Sache, um Punkte und um die Frage: Was können die Geissböcke unter Gisdol in dieser Saison wirklich noch erreichen? Umso wichtiger und richtungsweisender werden die beiden Heimspiele gegen Mainz und Düsseldorf. Eigentlich hatte Köln auf den echten Heimvorteil gehofft, auf die 50.000 Zuschauer, die die Geissböcke in den letzten sechs Heimspielen zu fünf Siegen geführt hatten. Nun soll ein anderer Heimvorteil her, vor leeren Rängen, aber mit dem Schuss mehr Erfahrung in einer solchen Situation.

Der 1. FC Köln ist neben Borussia Mönchengladbach das einzige Team mit Erfahrung in einem Geisterspiel. Die Mainzer kommen dagegen nicht nur ohne dieses Erlebnis im Hinterkopf, sondern auch mit geringfügig weniger Training aufgrund der etwas schärferen Auslegung der Profisport-Bedingungen in Rheinland-Pfalz. Gisdol glaubt zwar nicht daran, dass die 05er dadurch einen echten Nachteil haben. Doch sehr viel wird am Sonntag und in den kommenden Wochen auf die Psyche ankommen. „Jeder Spieler tickt anders und wir werden das gut beobachten müssen“, sagt Gisdol. „Es wird Spieler geben, die mit der Situation nicht so gut zurecht kommen, andere wiederum werden sehr gut damit zurecht kommen. Das müssen wir in die Überlegung mit einfließen lassen, wer spielen wird.“

Jakobs‘ Ausfall wiegt schwer

Beim FC wird man auf jene Spieler mit der höchsten Eigenmotivation setzen, auf Profis wie Jhon Cordoba, Jonas Hector, Sebastiaan Bornauw oder Toni Leistner. Aber auch die Youngster könnten eine wichtige Rolle spielen, schließlich haben Jung-Profis wie Noah Katterbach, Jan Thielmann und Ismail Jakobs noch vor wenigen Monaten in leeren Stadien oder auf Nebenplätzen für die U19 oder U21 gespielt und kennen das Gefühl, ein Spiel gänzlich ohne die Zusatzmotivation der Zuschauer spielen zu müssen. Umso bitterer, weiß man beim FC, ist Jakobs‘ Ausfall. Auch wenn der Super-Sprinter der Geissböcke inzwischen negativ getestet wurde, wird Jakobs nach seiner Infektion mit Covid-19 erst für Düsseldorf wieder in Frage kommen.

Gisdol unternahm deswegen nicht nur den Geisterspiel-Test am Samstag, sondern hat auch schon vorgegeben, welches Kriterium für ihn mitentscheidend sein wird: „Es wird sich im Training zeigen, wer schon das Training als Wettkampf annimmt, denn das Training ist nichts anderes als ein Geisterspiel. Dieses Verständnis noch mehr aufzusaugen, darum wird es gehen.“ Dann soll die gewohnte Umgebung in Müngersdorf trotz fehlender Fans ein Vorteil für den FC sein. Eine andere Art des Heimvorteils, zumindest für die ersten ein, zwei Spiele der Geisterrunde.

7 Kommentare
  1. Mondragon says:

    Vor der Krise hat wohl jeder, so auch ich mit 4-6 Punkten aus den nächsten beiden Heimspielen gerechnet, jetzt wäre ich mit 4 Punkten mehr als zufrieden, man sollte aber auch bedenken dass es weniger werden kann, weil der Vorteil des Heimspiels einfach nicht mehr gegeben ist…

    • Kilian Klein says:

      Jup. Viele erwarten vermutlich, dass die Kölner jetzt so weitermachen wie vor der Corona-Pause, aber es kann auch in eine ganz andere Richtung gehen.
      Das soll mir aber erstmal egal sein, solange ich, wie in den letzten Monaten, erkennen kann, dass die Mannschaft für ihre Fans kämpft. Und das hat sie seit dem Derby gegen Leverkusen eigentlich in jedem Spiel.

  2. Klaus Höhner says:

    Also mit 4 Punkten wäre ich auch zufrieden, das Problem ist in den Spielen kommt es rein auf den Fussball an Emotionen bleiben außen vor aber das Problem haben alle. Deswegen kleine Brötchen backen, es gibt Vereine die müssen um jeden Preis Punkten das ist nicht einfach, wie wichtig die Punkte dieses Jahr waren zeigt sich nun der ganz große Druck Punkte aufzuholen ist nicht da das ist gut aber kein ruhekissen.

  3. Oliver Hartmann says:

    Ich bin mal gespannt. Was ich auf jedenfall auch interessant finde ist das man dem Nachwuchs Profi Verträge gibt.
    Gratuliere auch dazu. Ich glaube an Punkte die wir holen. Ich glaube das jetzt jeder Gisdol sein System versteht. Deswegen glaube ich auch ein wenig nach oben schielen zu dürfen.

  4. Michael H says:

    Was heißt denn, Emotionen einen außen vor? Es sind halt einfach nur keine Fans dabei.

    Ansonsten haben wir theoretisch ja schon erste Erfahrungen mit der Situation gemacht und es schadet auch sicherlich nicht, Zuhause aufzulaufen. Immerhin kennt man das Stadion und damit die kleinen Dinge, die dennoch relevant sind: bspw. woher das Licht kommt für Horn, oder den Boden um die Eckdahne herum. Viel mag das nicht ausmachen, aber das ein oder andere Prozent bringt es schon. Vermutlich soviel wie eine volle Nordtribüne.

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