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Darum blieb Skhiri beim FC – Cestic als Transfer-Verlierer?


Der 1. FC Köln kann sich über den Verbleib von Ellyes Skhiri freuen. Der Tunesier hat im Sommer keinen neuen Verein gefunden. Aber warum? Jörg Jakobs hat darüber nun aufgeklärt. Der Interims-Sportchef erklärte auch, dass der Klub Sava Cestic gerne verliehen hätte, der Innenverteidiger aber beim FC bleiben wollte. 

Köln – Aktuell weilt Ellyes Skhiri bei der Nationalmannschaft, und Kölns Mittelfeldstratege wird offenbar mit guten Gefühlen in die Domstadt zurückkehren. Nicht nur, weil er sich beim FC in diesem Sommer nie wegekeln wollte, sondern im Gegenteil das Herzstück der Geißböcke ist.

Sondern auch, weil er am Freitagabend ein Traumtor für sein Land gegen Äquatorialguinea erzielte – überhaupt erst sein zweites im Nationaldress, ein sehenswerter Schlenzer aus 20 Metern in den rechten Winkel. Ein Tor, mit dem er erneut auf sich aufmerksam macht – diesmal international. Doch an seinem Status beim FC wird sich zumindest bis zum Winter nichts mehr ändern. Skhiri bleibt.

https://twitter.com/Aigle2Carthage/status/1433893493378846748

Die Frage muss jedoch erlaubt sein: Warum? Schließlich war Skhiri einer der besten Sechser der vergangenen Bundesliga-Saison, der mit Abstand laufstärkste Spieler der Liga, dazu torgefährlich, körperlich verbessert, mit einer starken Passquote und guten Zweikampfwerten. Die Geißböcke hätten den 26-jährigen aufgrund der wirtschaftlichen Situation des Klubs gerne verkauft. Doch es gab keinen Markt für den Spieler.

Der 1. FC Köln hat die Eckdaten für einen Transfer festgelegt und diese Ellyes Berater mitgeteilt

„Die Frage ist, zu welchem Preis hätte es einen Markt gegeben?“, sagte nun Interims-Sportchef Jörg Jakobs der Kölnischen Rundschau. „Der 1. FC Köln hat intern die Eckdaten für einen Transfer festgelegt und diese Ellyes Berater mitgeteilt. Warum es unter diesen Bedingungen dann keinen Markt für den Spieler gab, müssen Sie die Klubs fragen, die sich laut Medienberichten für Ellyes interessiert haben.“

Jakobs deutete damit an, dass Kölns geforderte Summe potentielle Interessenten abgeschreckt habe. Welchen Betrag die Geißböcke tatsächlich gefordert hatten, darüber lässt sich nur spekulieren. Klar ist lediglich: Der FC hätte Eigenkapital-bedingt nach allen Abzügen (Abschreibung der ursprünglichen Transfersumme, Beteiligung an der neuen Ablösesumme) über zehn Millionen Euro benötigt. Die geforderte Summe dürfte daher zumindest über 15 Millionen Euro gelegen haben.

Geld aus der Premier League blieb aus

Doch offenbar war nicht nur diese Summe das Problem, sondern auch, dass der Transfermarkt nie wirklich in Schwung kam, wie Jakobs betonte. „Es war gefühlt sehr ruhig. Alle haben gedacht, dass die Engländer irgendwann loslegen, aber tatsächlich wurden Spieler nur zwischen ihren Klubs hin- und hergeschoben.“ So blieb das Geld größtenteils in England und verließ den Premier-League-Zirkel nicht. Schon gar nicht in Richtung Köln.

Die Geißböcke können damit zumindest sportlich bestens leben, verspricht Skhiri doch einen qualitativen Quantensprung im Vergleich zu allen anderen Lösungen auf der Solo-Sechs im System von Steffen Baumgart. Auch für die Innenverteidigung ist Skhiri bislang von großer Bedeutung, zumal diese Position bei den Geißböcken in den letzten Jahren zu den Problemzonen gehörte.

Cestic ein Transfer-Verlierer: „Eine Leihe hätte Sinn gemacht“

Ein Spieler, der sich dort offenbar ins Abseits befördert hat, ist Sava Cestic. Die Geißböcke reagierte nach dem Abgang von Sebastiaan Bornauw mit den Verpflichtungen von Timo Hübers und Luca Kilian. Cestic war in der vergangenen Saison immerhin Innenverteidiger Nummer vier und konnte zunächst in der Bundesliga überzeugen. Dann aber fiel er in ein kleines Leistungsloch und kam nur noch bei der U21 zum Einsatz.

Im Sommer hätten die Geißböcke den serbischen U21- und A-Nationalspieler gerne ausgeliehen. Es gab Interessenten aus der Zweiten Liga (der GEISSBLOG berichtete). Doch Cestic hatte andere Vorstellungen. Das erklärte nun auch Jakobs. „Aus unserer Sicht hätte ein Leihe Sinn gemacht. Der Spieler möchte seine Chance aber beim FC suchen“, sagte der Interim-Sportchef. „Sava bleibt im Training der Profis und wird bei der U21 in der Regionalliga spielen.“

Luca ist gutes Beispiel für einen sinnvollen Transfer

Die Chance, die sich Cestic beim FC erhofft, wird er also wohl nur bei der Regionalliga-Mannschaft bekommen. An Czichos, Hübers, Kilian und Meré gibt es wohl kein Vorbeikommen. Auch, weil Cestic das Tempo in den Laufduellen fehlt und Steffen Baumgart genau dieses fordert – weshalb sich der FC-Trainer für die Kilian-Verpflichtung stark gemacht hatte.

„Luca ist gutes Beispiel für einen sinnvollen Transfer. Ein junger, schneller und bundesligatauglicher Spieler, der den Trainer und seine Spielidee kennt und zu für uns akzeptablen Bedingungen kommt“, sagte Jakobs. Zu diesen akzeptablen Bedingungen gehört eine Kaufoption über zwei Millionen Euro, über die der GEISSBLOG.KOELN am Samstag exklusiv berichtete.

24 Kommentare
  1. Haight sagte:

    Ob sich Cestic mit der Ablehnung einer Leihe einen Gefallen getan hat, möchte ich sportlich gesehen eher bezweifeln. Nachdem wir jetzt einen dritten Rechtsfuß in der Innenverteidigung haben, glaube ich nicht, dass Cestic unter normalen Umständen überhaupt einen Einsatz in der 1. Liga bekommen wird.

    Skhiris Verbleib ist sportlich natürlich eine Wucht und man fragt sich schon, weshalb da kein Verein zugegriffen hat. Zu unserem Schaden soll es aber nicht sein. Sportlich top und menschlich wohl auch, denn da hat man gar nichts in Richtung Stunk oder Lustlosigkeit gehört. Toller Typ! Der hätte sein eigenes Lied im Stadion verdient.

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    • Jose Mourinho sagte:

      Das sehe ich ganz genauso. In dem System v. Baumgart sind solche Spieler noch mal wichtiger als ohnehin schon, daher gehe ich auch davon aus, dass er eine Menge guter Spiele machen wird, in denen seine Qualität noch augenfälliger wird. Daher stehen doch bei Verletzungsfreiheit die Chancen gut, dass wir diese Saison Gutes von ihm haben und er danach noch bessere Transfererlöse generieren kann.

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    • Michael H sagte:

      Zu Skhiri/England: Corona, Brexit und die neue schärfere Regulierung von internationalen U21 Spielern und die damit verbundenen Auswirkungen für die Profiteams machen Wechsel nach England weniger wahrscheinlich. Zudem ist es natürlich auch weniger beliebt, Spieler ausschließlich aufgrund von Daten und Videoanalyse zu kaufen, ohne sie sich weniger ein oder zweimal live angeschaut zu haben und vielleicht auch Mal mit ihnen gesprochen zu haben. Vom daher ist der Verbleib von ihm sicherlich kein Argument gegen ihn – oder den Verein, sondern den Umständen geschuldet. Letztlich gab es auf der Position in England auch keinen allzu großen Bedarf im Sommer.

      Zu Cestic: auch ich glaube, dass seine Entscheidung Bestenfalls seine Entwicklung behindert und um 1-2 Jahre verlangsamt. Schlimmstenfalls kann es ein Karriereaus bedeuten (indem er in den ersten 2-3 Ligen in zwei Jahren keinen Arbeitgeber mehr finden wird, da er auf niedrigem Niveau stagniert). Aber als FC-Profi in Köln zu leben ist halt eine andere Selbstwahrnehmung und ein anderer Status, als im Kaff in der zweiten oder dritten Liga rumzuhängen.

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    • Truebe Tasse sagte:

      Irgendwie kann man Gisdol im Nachhinein alles anlasten. Ich denke, er ist hauptverantwortlich für den durchwachsenen Sommer, den Wirecard-Skandal, Deutschlands frühes Aus bei der Euro und dem Verpassen der Goldmedaille im Tischtennis bei Olympia. So Gisdol, das haste nun davon. Ha!

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        • Truebe Tasse sagte:

          Ja richtig, das habe ich total vergessen. Also Gisdol ist wirklich an Vielem schuld. Mal sehen, was können wir ihm denn noch anhaften? Corona vielleicht? Fällt ja immerhin in seine Amtszeit. Und ich garantiere euch, beim Tod von Heide Keller hat er auch seine Hände im Spiel. Und wahrscheinlich ist Gisdol auch derjenige, der die Häßler-Millionen versteckt hat. Dass Orry Maine in „Fackeln im Sturm“ getötet wurde ist ganz klar Gisdols Versagen. Ebenso der Niedergang des Hauses Lennister. Und Fukushima? Hat man da schon einen Schuldigen für gefunden? Falls nein: Gisdol war’s!

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          • Gerd1948 sagte:

            Okay, das ist des Guten zu viel, wieso hat man das nicht alles früher bedacht, aber immerhin blieben wir ,trotz allem, 2x im Oberhaus, wenn auch mit vielen grauen Haaren mehr.

  2. FC Neukoelln sagte:

    Können wir uns darauf einigen dass jedesmal, wenn ein vielleichttalentierter Jungspieler einen Rückschlag erfährt zwingend ein aktueller oder ehemaliger Funktionär, niemals aber der Spieler selber schuld ist?
    Das würde es dem Spieler definitiv leichter machen, eine wichtige Lektion im Leben zu lernen: bevor man Verantwortung für sich selber übernimmt, was anstrengend ist und nervt, ist es immer vorzuziehen, mit dem Finger auf andere zu zeigen.

    Bauer Schäfer raus!!!

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    • Truebe Tasse sagte:

      Jetzt lehnst du dich aber wirklich ziemlich weit aus dem Fenster und legst dich vor allem mit der starken „Anti-Gisdol-Fraktion“ an. In Köln gehen die Uhren halt anders. Überall anders sind es in erster Linie die Spieler, die in ein Loch fallen. Sie werden ggfs. schlecht beraten, kriegen Flusen in den Kopf gesetzt, verlieren die Bodenhaftung aufgrund des ersten gut dotierten Vertrages, heben ab, weil kleine Jungs plötzlich Schlange stehen um ein Autogramm zu kriegen, kriegen Interviewanfragen von Zeitungen mit hoher Auflage, usw. Aber in Köln ist es anders. Da hat Gisdol Schuld. Die Spieler, ihr Umfeld und deren Familie haben alles richtig gemacht.

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      • Truebe Tasse sagte:

        Ich habe natürlich in der Aufzählung noch vergessen, dass den 19, 20 jährigen kommenden Weltstars ziemlich früh auch noch die ersten langbeinigen und langhaarigen Chicks hinterherlaufen, die für den nächsten Weltstar die Grätsche machen und ihre Chance auf eine Karriere als Influencerin wittern. Und bei all dem Wirrwarr soll ein Junge wie Cestic, Katterbach und wie sie alle heißen charakterlich so stabil bleiben, dass er sich zu 100% auf seinen Job als Profi fokussiert und täglich an sich arbeitet? Unmöglich. Aber es ist einfach, einem Funktionsträger für deren Scheitern die Chance zu geben anstatt mal kritisch zu hinterfragen, was bei dem Jungspund vielleicht gerade nicht so passt.

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        • FC Neukoelln sagte:

          Ich habe Deine Inspiration gleich mal aufgegriffen und habe mit spontan einen Insta-Account als 18jähriger Fussballprofi angelegt. Daraufhin haben sich die Kardashians bei mir gemeldet und mich zum Früstück eingeladen. Ich sitze gerade im Learjet auf dem Weg nach Acapulco und wollte mich noch einmal kurz melden.
          Dass ich in Wirklichkeit 1948 Kilo wiege, eher kleinwüchsig und frühverrentnet bin müssen die ja nicht gleich aufs Brot geschmiert bekommen. Ich schicke nachher mal ein paar Bilder aus dem Whirlpool.

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          • Truebe Tasse sagte:

            Also wegen der Kleinwüchsigkeit brauchst du dir keine Gedanken machen. Es gibt viele kleinwüchsige Genies, siehe z. B. Tyrion Lennister. Die Frühverrentung tut mir leid, da sehe ich einen Lebensabend mit Grundsicherung auf dich zukommen. Aber gegen die 1948 Kilo empfehle ich dringend die Teilnahme bei The Biggest Loser.

          • FC Neukoelln sagte:

            Ich musste das jetzt erstmal gugeln. Aufgrund meiner chronischen Ungeduld bekomme ich bei Serien und beim 1. FC Köln immer spätestens nach 5 Minuten Tobsuchtsanfälle.

            „Später hatte Tyrion den Posten als Meister der Kanalisation und Zisternen auf Casterlystein inne. Obgleich dieser Posten nicht sonderlich ruhmreich war, erledigte Tyrion seine Aufgabe gekonnt und mit Bravur.“

            Das klingt wirklich nach mir! Meine 2 Lieblingsorte auf der Welt: der Tresen und das Klo.

            So, kurz vor Mexiko. Jetzt noch schnell mein altes Sofa über dem Atlantik abwerfen. Das hatte ich extra mitgenommen. Die sind nach 2 Wochen immer so durchgesessen. War früher auch alles besser.

  3. Gerd1948 sagte:

    Vllt können wir ja eines Tages nen Diener vor Gisdol machen wegen all der üblen Nachrede. Man sieht sich immer 2x im Leben, aber ich denke der übernimmt jetzt erst mal die Liechtensteiner Nati, nachdem die gegen den Willen des Trainers mit schäumendem Bier über den Platz stolziert sind trotz vorheriger hoher Klatsche.

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