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„Von so einem Austausch träumt jeder U19-Trainer“

Viele Jahre lang waren beim 1. FC Köln die Türen für den eigenen Nachwuchs verschlossen. Nur in Ausnahmefällen schaffte es ein Eigengewächs aus dem Nachwuchsleistungszentrum sich auch bei den Profis zu etablieren. Seit Markus Gisdol und Horst Heldt das Ruder am Geißbockheim übernommen haben, ist das anders. Das Duo legt viel Wert auf die eigene Jugend und einen gepflegten Austausch mit den Nachwuchs-Trainern. 

Köln – Timo Horn, Yannick Gerhardt, Jonas Hector, Lukas Klünter und Salih Özcan sind die einzigen Spieler, die es zwischen 2012 und 2019 aus dem eigenen Nachwuchs des 1. FC Köln zu den Profis geschafft haben. Und das, obwohl die Geißböcke mit dem Gewinn des U17-Titel aus dem Jahr 2011 die verheißungsvollsten Nachwuchs-Spieler in ihren eigenen Reihen zu haben schienen.

Eine riesige Wertschätzung

Selbst in der abgelaufenen Zweitligasaison hatten es Trainer Markus Anfang und Sportchef Armin Veh verpasst, eigene Talente behutsam an den Profifußball heranzuführen. Doch mittlerweile trägt die gute Nachwuchsarbeit am Geißbockheim auch bis hin in die oberste Etage ihre Früchte. Zu verdanken ist das unter anderem Horst Heldt und Markus Gisdol. Zwar feierten der inzwischen abgewanderte Darko Churlinov, Noah Katterbach und Ismail Jakobs ihre Bundesliga-Debüts noch unter Achim Beierlorzer, doch von ihrem ersten Tag beim FC an machten auch Gisdol und Heldt klar, dass die eigenen Nachwuchsspieler in der Kaderplanung für die Profis die oberste Priorität haben. So war der ein oder andere U19-Spieler durchaus überrascht, als Markus Gisdol bei ihrem Auswärtsspiel in Düsseldorf auftauchte, obwohl die Profis am selben Tag noch ihr Abschlusstraining bestreiten mussten.

Dabei ist die geschenkte Aufmerksamkeit nicht nur ein wichtiges Signal für die Spieler, sondern auch für die jeweiligen Trainer in den Nachwuchsmannschaften. „Von so einem Austausch mit dem Sportchef und dem Cheftrainer der Profis träumt jeder U19-Trainer“, gibt Stefan Ruthenbeck zu. „Das ist eine riesige Wertschätzung, weil unsere Arbeit im Nachwuchs bei den Profis auch genutzt wird.“ Gleichzeitig bedeutet die vorzeitige Einbindung der Nachwuchsspieler bei den Profis auch eine Schwächung für die eigene Mannschaft. So musste Ruthenbeck schon im Dezember den Wegfall von Leistungsträger Jan Thielmann verkraften. Der U17-Meister von 2019 steuerte in seinem ersten halben Jahr in der A-Jugend bereits sechs Treffer bei, ehe er von Markus Gisdol mit nur 17 Jahren ins kalte Bundesliga-Wasser geworfen wurde. Unter der Woche wurden nun mit Robert Voloder und Tim Lemperle zwei weitere A-Junioren-Spieler mit ihren ersten Profi-Verträgen ausgestattet. Während Innenverteidiger Voloder als Kapitän von Trainer Ruthenbeck hochgezogen wurde, kommt Lemperle mit dem Empfehlung von drei Toren und acht Assists zu den Profis. Freilich ist die vorzeitige Beförderung der beiden Neu-Profis auch der Corona-bedingten Spielunterbrechung geschuldet. Während die Saison in der Bundesliga an diesem Wochenende eigentlich ihr reguläres Ende gefunden hätte und nun mit dem 26. Spieltag erst wieder beginnt, stehen die Zeichen in der A-Junioren-Bundesliga derzeit auf Abbruch. Unter normalen Umständen wäre das neue Duo daher wohl eher erst zur neuen Saison zu den Profis gestoßen. Doch Markus Gisdol nutzte die Gunst der Stunde, beide schon jetzt an den Profibereich heranzuführen.

Dafür machen wir unsere Arbeit

Gewonnene Titel in den Nachwuchsligen machen in jeder Vereinsvitrine durchaus etwas her und lassen sich auch gut im jeweiligen Spieler- und Trainerprofil lesen. Die wohl größte Auszeichnung ist jedoch, wenn es eigene Talente am Ende in die Bundesliga schaffen. „Dafür machen wir unsere Arbeit“, sagt auch Ruthenbeck. Für die Nachwuchstrainer ist es dabei nicht immer von größter Bedeutung, dass es die Spieler auch im eigenen Verein zum Profi schaffen. Nicht selten gehört als Spieler dazu auch eine Portion Glück, zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein. Jüngste Beispiele haben aber auch gezeigt, dass einige Spieler sofort ihr Glück woanders suchen wollen. Vielleicht auch, weil die jüngere Vergangenheit eben nicht gezeigt hat, dass der Schritt zu den Profis am Geißbockheim zu bewältigen ist. „Es gibt immer auch andere Fälle wie Florian Wirtz und Darko Churlinov oder Can Bozdogan, aber das ist auch unserem Erfolg geschuldet. Wer Erfolg hat, macht auf sich aufmerksam“, meint Ruthenbeck hinsichtlich der jüngeren Abgänge im Nachwuchs. Dabei glaubt der 48-jährige Fußballlehrer nicht, dass Thielmann, Voloder und Lemperle auf kurze Sicht die einzigen Talente bleiben werden, die es zu den Profis schaffen können. „Wir haben den einen oder anderen Kandidaten für die nächsten Jahre, richtig gute Jungs, die oben aufschlagen können.“ Dabei hat der Trainer vor allem ein Defizit im aktuellen Deutschen Fußball ausgemacht, bei dem er seine Jungs im Vorteil sieht: „Deutschland beschwert sich, dass wir nur noch wenige Spieler haben, die sich ins Eins gegen Eins trauen. Wir schulen sie gerade auch in Dribblings und haben Nachwuchsspieler wie Lemperle, Obuz, Ostrak oder Wydra, die genau da ihre Stärken haben.“

Zu Uths Zeiten hatte der Nachwuchs andere Bedeutung

Ein Spieler, der es nur über Umwege geschafft hat bei seinem Ausbildungsverein im Profibereich Fuß zu fassen, ist Mark Uth. Dem heute 28-jährigen wurde vor gut neun Jahren nicht das Vertrauen geschenkt, sich in der Bundesliga beweisen zu dürfen. „Für den FC ist es sehr wichtig, die eigenen Talente zu halten. Ein Verein definiert sich über den eigenen Nachwuchs. Das war bei mir damals noch anders. Damals haben es vielleicht drei Spieler in fünf Jahren geschafft, Profi-Verträge zu unterschreiben“, erinnert sich der Angreifer. Zwar ist es ein schönes Aushängeschild für den Verein, Profis von morgen auszubilden. Doch gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten wie der aktuellen Coronakrise dürfte es für einen Klub wie den 1. FC Köln noch mehr an Bedeutung gewinnen, die eigenen Nachwuchsspieler bei den Profis einzubinden. Uth zumindest ist optimistisch, dass sich Lemperle und Voloder ähnlich wie Katterbach und Jakobs irgendwann zu festen Größen bei den Profis entwickeln. „Wir hoffen, dass sie bei uns Fuß fassen. Wenn sie so weitermachen, kann es auf jeden Fall klappen.“

8 Kommentare
  1. Boom77 says:

    Interessant wäre doch zu erfahren, welche anderen ehemaligen FC-Jugenspieler neben Uth es seit 2011/2012 es in anderen Clubs zum Bundesligaprofi geschafft haben. Das würde wirkliche Rückschlüsse darauf zulassen, ob nur die damaligen Verantwortlichen schlicht „zu blöd“ oder „zu ignorant“ waren oder die damaligen „Talente“ mit ausnahem der im Artikel genannten Gerhart, Horn, Klünter, Hector und Uth nicht schlicht und einfach zu schlecht für die Bundesliga waren. Der Özcan hat sich ja bisher auch „nur“ in der 2. Liga durchgesetzt. Der Wirtz, der Churlinov und der Bozdogan haben sich in noch keiner Profiliga durchgesetzt.

      • Boom77 says:

        Podilski und Clemens sind beim FC Profis geworden. Beide sind dann wegen mehr Kohle und der eine, weil er nicht mit absteigen wollte, zu anderen vereinen. Also kein Fehler beim FC.

        Weiser wollte man halten. Der ist auch wegen der Kohle zu den Bayern. Auch kein Fehler FC.

        Bleibt Zieler… wow! Was für eine Tragödie!

      • Klio says:

        … mit Sicherheit kein Versäumnis vom FC.

        Letztlich überschätzt man die Chancen von Jugendspielern meist: In einem Profikader sind Spieler ab 17/18 bis Mitte 30. Da gibt es meist nur 2 bis 3 Spieler aus einem Jahrgang, manchmal nur einer. Deutsche Nachwuchsspieler konkurrieren dann auch noch mit Spielern aus dem Ausland (die Besten wollen in eine der 5 großen europäischen Ligen). Da ist es logisch, dass sich nur wenige aus den U-Mannschaften des FC durchsetzen können. Nur wenn man eine goldene Generation hat, dann sind es einige mehr.

    • Boom77 says:

      1. Sieht man – wie du ja sagst – da ja bis auf Weiser und Gerhardt maximal Zweitligaspieler.

      2. Viele von denen sind nicht mal in den aktuellen Clubs Stammspieler.

      3. Gerhardt hat den Sprung zu den Profis beim FC geschafft.

      4. Weiser wollte der FC damals mit einem Profivertrag binden. Da Papa Weiser sich aber vorher mit den FC etwas verkracht hatte, hat man lieber das „größere Geld“ bei den Bayern genommen. Was daraus wurde, hat man dann ja gesehen…

      5. Ergo: Zumindest in diesem Jahrgang scheint uns grobfahrlässig oder vorsätzlich kein „Bundesligatalent“ durch die Lappen gegangen zu sein. Ich wette, in anderen Jahrgängen sieht es ähnlich aus.

  2. Klio says:

    Der direkte Übergang von der U19 war immer eher die Ausnahme, auch weil wir (zum Glück) die U23 haben. Hector ist streng genommen nicht aus der FC-Jugend. Aus der U23 kommt übrigens auch Simon Terodde (der mMn in der BL sehr viele mehr hätte machen können, wäre er als Vollstrecker in Mannschaften gewesen, die eher Ballbesitzfußball spielen).

    Zum selben Jahrgang wie Uth gehört auch Christian Clemens, der trotz der langen Verletzungsphasen doch einiges an BL-Spielen absolviert hat.

    Daneben fällt mir noch Mitchell Weiser ein (selber Jahrgang wie Gerhardt und mit ihm U19-Meister). Dass er nicht beim FC zum Profi wurde, hat eher wenig mit Blödheit oder Ignoranz beim FC zu tun. Die Aussichten, beim Serienmeister für ein stattliches Gehalt zu spielen, passte wohl einfach zu gut zur mehr als prächtig entwickelten Selbsteinschätzung des Nachwuchsspielers.

    Große Talente, die anderswo durchgestartet sind, hat man wohl nicht übersehen. Wenn man die geringe Quote von deutschen Leistungszentrumsspielern sieht, die es überhaupt in den Profifußball schaffen, und die unfassbar kleine Quote derer, die in einer der fünf großen Ligen ankommen, dann sind die Zahlen aus früheren Spielzeiten beim FC sicher nicht unter dem Durchschnitt. So ganz habe ich Quote nicht präsent (habe es in einer Doku über die deutsche Nachwuchsförderung gesehen). Aber wenn ich es richtig erinnere, war es bei den fünf großen Ligen in Europa etwas mit 1,… Prozent (lasse mich gerne korrigieren, wenn jemand den Link zur Untersuchung hat). Maßstab waren mindestens zehn Spiele in der Liga. Das hat Salih Özcan z.B. schon bei weitem übertroffen.

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